Deutsche Kliniken im Hygiene-Check

Krankenhauspersonal wäscht sich die Hände
Wie streng halten sich Ärzte und Pflegekräfte an Hygienevorschriften? Das haben Experten in einer aktuellen Studie untersucht © Fotolia

Heute findet zum ersten Mal der Internationale Tag der Patientensicherheit statt. Zu diesem Anlass haben Wissenschaftler nachgeforscht, wie es um die Hygiene in deutschen Krankenhäusern bestellt ist.

 

Wozu brauchen wir einen Tag der Patientensicherheit?

In deutschen Krankenhäusern infizieren sich jedes Jahr etwa eine halbe Million Menschen mit Keimen – jährlich fordert das bis zu 15.000 Todesopfer. Ein Drittel dieser Infektionen könnte durch die Einhaltung entsprechender Hygiene-Maßnahmen vermieden werden.

Das „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ (APS) unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lücken in der Einhaltung von Hygienevorschriften zu schließen. 2008 rief das Bündnis beispielsweise die „Aktion saubere Hände“ ins Leben, die seitdem beobachtet, ob die Vorschriften zur Hände-Desinfektion in Kliniken eingehalten werden.

Doch die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus – immer noch sterben Patienten an Infektionen, die zu vermeiden gewesen wären. Darum hat das Aktionsbündnis gemeinsam mit Partnern in Österreich und der Schweiz den 17. September zum Tag der Patientensicherheit ausgerufen. An dem Aktionstag nehmen bundesweit mehr als 150 Einrichtungen des Gesundheitswesens teil. In Veranstaltungen für Patienten, Ärzte und Pflegepersonal soll die Aufmerksamkeit für das Problem mangelnder Hygiene verstärkt werden.

 

Was bringen solche Aktionen?

Dass solche Bemühungen die Einhaltung der Hygiene-Richtlinien tatsächlich verbessern können, zeigt jetzt eine neue, bisher unveröffentlichte Studie der „Aktion saubere Hände“, in der die Initiatoren Bilanz ziehen, welche Ergebnisse das Projekt bisher vorzuweisen hat. Demnach ist der Verbrauch an Handdesinfektionsmitteln in deutschen Kliniken seit Beginn der Aktion 2008 um 81 Prozent gestiegen. Mediziner sprechen dabei von einer positiven Entwicklung – allerdings ist bisher nicht erwiesen, ob diese sich auch in weniger Infektionen mit Krankenhauskeimen niederschlägt.

Die beste Hygiene herrscht laut der Studie auf Kinderstationen – dort werden Hygienevorschriften am strengsten befolgt. Lücken in der Hygiene-Einhaltung klaffen dagegen im Schutz erwachsener Patienten: Während Mediziner nach dem Kontakt mit dem Patienten meist streng auf eine Hände-Desinfektion achten, lassen sie diese davor häufiger ausfallen, zeigen die Beobachtungen. Zudem ergab die Untersuchung, dass Pflegekräfte es mit der Hygiene genauer nehmen als Ärzte.

 

Was kann ich selbst tun?

Der Tag der Patientensicherheit soll dazu beitragen, diese Lücken in der Hygiene-Einhaltung bei medizinischem Personal zu füllen. Doch auch Patienten und Angehörige können sich aktiv vor Keimen im Krankenhaus schützen – die besten Tipps finden Sie hier. Eine Liste der Veranstaltungen zum Tag der Patientensicherheit finden Sie auf der Website der Initiatoren.

Hamburg, 17. September 2015

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