Deutsch oder Japanisch – kennen Ungeborene den Unterschied?

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine Schwangere beim Ultraschall
Einen Monat vor ihrer Geburt können Föten US-amerikanischer Schwangerer unterscheiden, ob jemand auf Englisch oder auf Japanisch zu ihnen spricht – so das Ergebnis einer aktuellen US-Studie © iStock

Babys können unterscheiden, ob jemand in ihrer Muttersprache oder in einer Fremdsprache spricht – und das sogar schon vor ihrer Geburt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle US-Studie.

„Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die menschliche Sprachentwicklung sehr früh beginnt – ein paar Tage nach der Geburt“, sagt Utako Minai, Linguistikdozent an der University of Kansas und Leiter der Studie. „So konnte gezeigt werden, dass nur wenige Tage alte Babys auf rhythmische Unterschiede zwischen Sprachen reagieren.“ Wissenschaftler beobachteten dazu Veränderungen im Verhalten von Babys – beispielsweise, ob sich die Geschwindigkeit ändert, mit der sie an einem Schnuller nuckeln, wenn die ihnen vertraute Sprache zu einer Sprache mit einem anderen Rhythmus wechselt.

Aufgrund dieser Beobachtungen stellten sich Minai und sein Team die Frage, wann Babys diese Fähigkeit der Sprachunterscheidung erlangen und ob sie diese bereits vor der Geburt besitzen. Zwar hört sich im Mutterleib für Babys alles gedämpft und verzerrt an, sodass sie keine Wörter unterscheiden können – aber ein sich verändernder Sprachrhythmus könnte selbst im Mutterleib wahrnehmbar sein, so die Vermutung der Forscher.

 

Experiment – erkennen Ungeborene ihre Muttersprache?

Um ihre These zu überprüfen, untersuchten die Wissenschaftler 24 schwangere US-Amerikanerinnen (alle ungefähr im neunten Monat) mit einem sogenannten Biomagnetometer. Mit diesem Gerät lassen sich die Herz- und Atemfrequenz sowie andere Körperbewegungen des Fötus sehr genau bestimmen.

Den Ungeborenen wurden zwei Aufnahmen vorgespielt, beide von derselben Person gesprochen – eine auf Englisch und eine auf Japanisch. Der Grund für diese Auswahl war, dass Englisch und Japanisch sich stark im Rhythmus unterscheiden.

Das Ergebnis der Studie: Die Herzfrequenz der Föten änderte sich, wenn sie das rhythmisch fremdklingende Japanisch hörten, nachdem sie eine Weile dem englischen Text zugehört hatten. Studienleiter Minai: „Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Sprachentwicklung tatsächlich im Mutterleib beginnt. Föten stellen ihre Ohren auf die Sprache ein, die sie lernen werden, schon vor ihrer Geburt – anhand von Signalen, die sie im Mutterleib empfangen können.“

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