Desinfektionsmittel selber machen nach WHO-Rezept: So geht's

Lisa Emmely Schmidt

Desinfektionsmittel ist seit dem Ausbruch des Coronavirus in den Läden restlos ausverkauft. Mit diesem WHO-Rezept ist es möglich, Desinfektionsmittel selber zu machen, wobei man die Risiken jedoch nicht missachten sollte.

Inhalt
  1. Wirkung von Desinfektionsmittel
  2. Desinfektionsmittel selber machen: WHO-Rezept
  3. Risiken und Nebenwirkungen von Desinfektionsmittel
  4. Apotheker dürfen Desinfektionsmittel selber herstellen

Die Panik vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist groß und in Deutschland spürbar. Desinfektionsmittel gelten - genau wie Toilettenpapiert (bei dem es derzeit schon diverse Alternaticven gibt) - schon seit Wochen als restlos ausverkauft und eine Nachlieferung erweist sich als schwierig. Jedoch bleibt die Nachfrage bestehen und eine Alternative muss schnellstmöglich gefunden werden. Mit diesem Rezept der WHO ist es ganz einfach, Desinfektionsmittel selber zu machen, welches aber auch Risiken mit sich bringt.

 

Wirkung von Desinfektionsmittel

Die Wirkung von Desinfektionsmitteln erscheint relativ klar, wobei die wenigsten Menschen wissen, dass man zwischen zwei Typen unterscheidet:

  • Typ 1: Bei diesem Typ wirkt das Desinfektionsmittel lediglich antibakteriell und bietet somit keinen Schutz vor dem Covid- 19 Virus.
  • Typ 2: Bei diesem Typ wirkt das Desinfektionsmittel sowohl gegen Bakterien als auch gegen Viren und schützt somit auch vor dem Coronavirus.

Somit muss auch das selbst gemachte Desinfektionsmittel die Inhaltsstoffe des Typ-2-Desinfektionsmittels haben, damit ein Schutz gegen das Covid-19 Virus gegeben ist.

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Desinfektionsmittel selber machen: WHO-Rezept

Ist das Desinfektionsmittel leer, ist es möglich, dies selber machen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat für diesen Fall eine Anleitung veröffentlicht, indem sie den Vorgang der Herstellung von Desinfektionsmittel beschreibt. 

Für die Herstellung benötigt man folgende Zutaten:

  1. 8333 ml Ethanol 96 % oder 7515 ml Isopropylalkohol 99,8 %
  2. 417 ml Wasserstoffperoxid 3 %
  3. 145 ml Glycerin 98 %
  4. destilliertes oder abgekochtes Wasser

So geht die Herstellung des selbst gemachten Desinfektionsmittels:

  1. Als erstes Ethanol oder Isopropylalkohol in den 10-Liter-Kanister geben.
  2. Anschließend Wasserstoffperoxid und Glycerin hinzufügen und mit dem Ethanol vermischen. Da die Verbindung von Ethanol, Wasserstoffperoxid und Glycerin von der Konsistenz ein wenig klebrig ist, wird dazu geraten, das Erzeugnis mit destilliertem oder kaltem abgekochten Wasser zu verdünnen.
  3. Danach den Kanister bis zur 10-Liter-Markierung mit Wasser auffüllen, verschließen und schütteln, um alle Zutaten zu mischen.
  4. Am Ende des Prozesses empfiehlt die WHO, das selbst gemachte Desinfektionsmittel zu portionieren und in kleine 100-Milliliter-Flaschen abzufüllen.

Wichtig: Die Mischung sollte 72 Stunden ruhen, bevor sie verwendet wird. Durch das Ruhen sollen mögliche Bakterien im selbst gemachten Desinfektionsmittel abgetötet werden. Anschließend ist es zur Verwendung geeignet.

Das selbst hergestellte Desinfektionsmittel gründlich auf den Händen auftragen.

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Risiken und Nebenwirkungen von Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel bringt grundsätzlich Risiken und Nebenwirkungen mit sich, die zumeist nicht bedacht werden. Diese können schwere Auswirkungen auf unseren Organismus haben und zu Schmerzen führen.

Diese Nebenwirkungen können bei einer falschen Anwendung von Desinfektionsmitteln auftauchen:

  • Hautreizungen
  • Atemwegsreizungen
  • Vergiftungen
  • Infektionen
  • Allergien

Laut der WHO ist das selbst gemachte Desinfektionsmittel nur zur äußeren Anwendung gedacht und sollte in keinem Fall oral eingenommen werden. Der Kontakt mit Augen und vor allem Schleimhäuten sollte dringend vermieden werden. Zudem sollte das starkentflammbare Mitte von Kindern ferngehalten und unzugänglich aufbewahrt werden. Ebenfalls ist zu beachten, dass auch selbst gemachte Desinfektionsmittel aufgrund des hochprozentigen Alkohols die Hautbarriere angreifen, was zu trockenen und brennenden Händen führen kann. Daher ist anschließendes Eincremen wichtig.

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Wer sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen will, sollte zudem auf eine gründliche und häufige Händereinigung mit warmen Wasser und handelsüblicher Seife achten. Das regelmäßige Händewaschen ist die Basis des Viren-Schutzes. Wer aber auf Nummer sichergehen möchte, sollte nach der gründlichen Handwäsche ein Desinfektionsmittel benutzen. Nur im äußersten Notfall sollte das Desinfektionsmittel nach dem WHO-Rezept selbst gemacht werden, da der Herstellungsprozess gefährlich ist. 

 

Apotheker dürfen Desinfektionsmittel selber herstellen

Da es derzeit zu Lieferengpässen kommt, dürfen Apotheken in Deutschland Desinfektionsmittel bis zum 31. August 2020 selber anrühren. Die Ausnahmeregelung wird in Artikel 55 Absatz 1 der EU-Biozid-Verdordnung geregelt, die die Herstellung für 180 Tage erlaubt. Im Normalfall ist dies verboten. Das Desinfektionsmittel ist zudem teurer als herkömmliches Desinfektionsmittel, da die Inhaltsstoffe teurer sind.

Statt die teure Apothekenvariante zu kaufen oder das Desinfektionsmittel nach dem WHO-Rezept selber zu machen, kann jedoch auch auf drei günstige Alternativen ausgewichen werden.

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Service Statt Desinfektionsmittel: Diese 3 günstigen Alternativen gibt es

Quelle:

Guide to Local Production:WHO-recommended Handrub Formulations, in: who.int

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