Dermatologe Professor Ockenfels: Blaues Licht hilft gegen Akne und Pickel

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Symptome
  3. 3. Ursachen
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Akne ist ansteckend, Milchprodukte machen Pickel, Akne-Narben im Gesicht kann man nicht verhindern? Unser Haut-Experte Professor Dr. Ockenfels räumt mit Volksweisheiten zu Akne und Pickeln auf.

 

Wie vermeide ich, dass die Akne Narben hinterlässt?

Sehr wichtig ist der rechtzeitige Beginn mit einer professionellen Akne-Therapie. Nur so kann verhindert werden, dass große, tiefe Pickel entstehen, die tendenziell zur Narbenbildung führen. Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist die Akne-Toilette. Dabei wird die Haut in der Regel alle 14 Tage medizinisch tiefengereinigt, z. B. mit einem Peeling. Das entfernt die oberen Millimeter der Haut und hält so den Haarkanal frei. Schmutz, Talg und Bakterien können so ungehindert aus dem Haarfollikel abfließen.

 

Hilft auch Sonnenlicht gegen Akne?

Experte Professor Ockenfels: „Zwischen Akne und Ernährung gibt es keinen wissenschaftlich gedeckten Zusammenhang.“
Experte Professor Ockenfels: „Zwischen Akne und Ernährung gibt es keinen wissenschaftlich gedeckten Zusammenhang.“© privat

Jein. Wir sehen, dass Jugendliche nach dem Sommerurlaub eine bessere Haut haben. Das liegt aber nicht ausschließlich an den UV-Strahlen, sondern vielmehr an dem gesamten Lichtspektrum und insbesondere an den blauen Wellenlängen. Eine große Wirkung gegen Akne hat der blaue Anteil des Lichts – deswegen wird er über spezielle Lampen bei der Akne-Therapie eingesetzt und keine UV-Bestrahlung.

 

Warum tritt Akne hauptsächlich im Gesicht auf?

Akne entsteht durch eine Überproduktion von Talg in den Talgdrüsen, der durch eine verstärkte Verhornung des oberen Haarkanals nicht abtransportiert werden kann. Im Zusammenspiel mit Bakterien ruft der Talg Entzündungen, also Pickel, hervor. Haare und folglich Haarfollikel finden sich auf dem ganzen Körper. Doch die Bereiche Gesicht, Dekolleté und oberer Rücken sind sehr drüsenreiche Gebiete, d. h. dort gibt es mehr Talgdrüsen als in anderen Körperregionen. Deshalb kommt es hauptsächlich in diesen Bereichen zur Akne.

 

Warum findet sich dann trotzdem manchmal an den unmöglichsten Stellen ein Pickel?

Ein Pickel kann überall dort auftreten, wo es Haare und damit Haarfollikel gibt. Auf der Haut leben viele Millionen verschiedene Bakterien. Kommt es in einem Follikel zu einer Fehlbesiedlung, entzündet es sich und die Folge ist eine kleine Eiterblase, ein richtig dicker Pickel oder auch ein sogenanntes Furunkel. Eine großflächige Akne entsteht dadurch aber nicht.

 

Was ist dran an der Empfehlung, zur Verbesserung der Akne auf Milchprodukte zu verzichten?

Zwischen Akne und Ernährung gibt es keinen wissenschaftlich gedeckten Zusammenhang. Überall geistert diese Empfehlung rum, vielleicht liegt der Ursprung in Heilpraktikerkreisen. Der Volksmund überliefert diesen Ratschlag, aber Fakt ist, dass es dazu keine gesicherten wissenschaftlichen Daten gibt. Wäre die Aussage richtig, würde sich das Akne-Problem leicht lösen lassen: Die Betroffenen verzichten auf Milchprodukte und die Akne verschwindet. So einfach ist es leider nicht.

 

Hat das Rauchen Einfluss auf die Akne?

Ja, dazu gibt es Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Abszesse und Entzündungen gerade im Gesichtsbereich bei Rauchern verstärkt auftreten. Bei ihnen ist die Mikrozirkulation in der Haut oft verschlechtert, Wunden heilen schlechter ab. Außerdem ist Nikotin komedogen, d. h. es fördert die Bildung von Mitessern und Entzündungsstoffen in der Haut.

 

Herpesbläschen oder auch Warzen sind von Mensch zu Mensch übertragbar. Sind Pickel auch ansteckend?

Nein. Herpesbläschen und Warzen werden durch Viren hervorgerufen. Diese Viren befinden sich in der Wundflüssigkeit. Platzt die Wunde auf, können sich die Viren auf benachbarten Hautregionen oder auf anderen Menschen ansiedeln und erneut Herpes oder Warzen auslösen. Pickel aber entstehen aufgrund von Fehlleistungen der Haarfollikel und Talgdrüsen, sie sind keine Virusinfektionen.

Im Interview: Prof. Dr. med. Hans Michael Ockenfels
Ärztlicher Leiter der Haut- und Allergiepraxis am Klinikum Hanau, Facharzt für Haut-  und Geschlechtskrankheiten, Forschungsschwerpunkte: Fotodermatologie und Schuppenflechte. Website: www.klinikum-hanau.de

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