Derealisation: Wenn alles fremd erscheint

Derealisation ist eine psychische Erkrankung, die mit einer kurzfristigen oder dauerhaften Wahrnehmungsveränderung einhergeht: Alles erscheint fremd, leblos oder verändert. Welche Ursachen die Krankheit hat und welche Therapien es gibt, erfahren Sie hier.

Fußgänger spiegeln sich in einer Wasserpfütze auf einem Gehweg
Eine Derealisation kann episodenhaft auftreten, aber auch über längeren Zeitraum bestehen bleiben Foto: Niall_Majury

Was ist Derealisation?

Bei der Derealisation handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die zur Gruppe der Ich-Störungen gehört. Sehr häufig geht sie mit der Depersonalisation einher. Bei der Derealisation kommt es zu einer Veränderung der Wahrnehmung: Die gesamte Umwelt fühlt sich fremd an. Die gesamte Umwelt wird als fremd angesehen. Dabei bleiben aber die grundsätzlichen Details bekannt. Die Wahrnehmungsstörung sorgt dafür, dass Menschen und Objekte unwirklich, nicht mehr vertraut, kleiner, größer, farblos, künstlich oder leblos erscheinen.

Der Zustand der Derealisation kann unterschiedlich lange anhalten. Von kurzfristig bis dauerhaft ist alles möglich. Die meisten Menschen erleben im Lauf ihres Lebens mindestens einmal einen Zustand der Derealisation. Diese kurzen Episoden sind in der Regel nicht krankhaft, sondern basieren auf Übermüdung oder kurzzeitigem Stress.

Derealisation: Symptome und Ursachen

Das Leitsymptom einer Derealisation, das auf die Umwelt bezogene Fremdheitsgefühl, kann sich auf verschiedene Art und Weise äußern. Betroffene beschreiben es meist auf ähnliche Weise: Die Umwelt wird wie "durch einen Schleier" oder wie "unter einer Käseglocke" wahrgenommen. Die Menschen scheinen roboterhaft oder aus sehr großer Entfernung.

Eine Derealisation kann viele Ursachen und Auslöser haben. Nicht immer muss das Fremdheitsgefühl auf eine ernsthafte psychische Erkrankung hinweisen. Extremer, lang andauernder Stress kann sich ebenso auf die Wahrnehmung auswirken.

Zu den häufigsten Ursachen einer Derealisation gehören:

  • starke emotionale Belastung oder chronischer Stress
  • starke Erschöpfung
  • Drogenmissbrauch
  • Traumata (wie Misshandlungen oder sexueller Missbrauch)
  • Einnahme von Antidepressiva
  • Alkoholentzug
  • Kopfverletzungen
  • Migräne
  • Schlafentzug
  • Depression
  • Schizophrenie
  • Borderline-Störung
  • Panikstörungen

Behandlungsmöglichkeiten einer Derealisation

Bei der Derealisation gibt es für die Behandlung verschiedene Möglichkeiten. Häufig kommt die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz, bei der etwa traumatische Situationen verarbeitet werden. Darüber hinaus können bei der Derealisation Medikamente zum Einsatz kommen. Üblicherweise werden Benzodiazepine, Neuroleptika oder Opioid-Antagonisten verschrieben. Die Präparate wirken auf die Symptome, aber nicht auf die Ursache.

Basiert die Derealisation auf Stress oder kurzzeitigen Auslösern, ist eine Behandlung nicht notwendig. Wird die Derealisation jedoch als primäre psychische Erkrankung und nicht als Begleitsymptom von Stress eingestuft, sind die Heilungschancen ungünstig. Bei einer chronischen Derealisation müssen die Betroffenen mit dem Fremdheitsgefühl dauerhaft zurechtkommen. Im Rahmen einer Therapie ist es jedoch möglich, die verzerrte Wahrnehmung als „normal“ neu zu bewerten und so mit der Derealisation zu leben.

Quellen:

Depersonalisations-/Derealisationsstörung, in: MSD Manual Ausgabe für medizinische Fachkreise

Michal, Matthias (2018): Depersonalisation und Derealisation: Die Entfremdung überwinden, Stuttgart: Kohlhammer Verlag.

Kessler, Henrik (2015): Kurzlehrbuch Medizinische Psychologie und Soziologie, Stuttgart: Thieme Verlag.