Der verschriebene Tod: Schlafmittel erhöhen Gefahr eines Herzstillstands um das Achtfache!

Redaktion PraxisVITA

Schlafmittel erhöhen die Gefahr, an einem Herzstillstand zu sterben. Besonders Menschen, die bereits an einem schwachen Herz leiden, sind davon betroffen. Doch nicht nur das: Schlafmittel erhöhen auch das allgemeine Sterbe- und Krebsrisiko um ein Vielfaches. Das zeigen Studien aus Japan und den USA.

Ein Glas Wasser, daneben eine Schlaftablette auf einem Nachtisch, im Hintergrund eine schlafende Frau
Eine Studie zeigt, dass die Verabreichung von Schlafmitteln die Gefahr, an einem Herzinfarkt zu sterben, deutlich erhöht. Besonders betroffen sind Menschen, die bereits an einer Herzinsuffizienz leiden Foto:  iStock_demaerre

Schlafmittel erhöhen das Risiko von kardiovaskulären Problemen wie Herz- oder Kreislaufversagen bei Patienten mit Herzinsuffizienz um das Achtfache. Das belegten japanische Wissenschaftler der Universität Tokio in einer klinischen Studie.

 

Studie: Herzprobleme durch Schlafmittel

Die Entdeckung der japanischen Wissenschaftler ist aus medizinischer Sicht so weitreichend, da vor allem in Krankenhäusern Patienten – die dort wegen Herzproblemen behandelt werden – überdurchschnittlich oft Schlafmittel verschrieben bekommen. Schlafstörungen sind eine regelmäßig auftretende Begleiterscheinung von Herzleiden.

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Neben der direkten Gefahr von kardiovaskulären Problemen wurden von den Forschern weitere Nebenwirkungen durch die Verabreichung von Schlafmitteln festgestellt. So stieg durch die in Krankenhäusern verschriebenen Schlafmittel bei den beobachteten Patienten auch die allgemeine Herzinsuffizienz signifikant an, besonders bei jenen, die bereits mehrere Aufenthalte in Krankenhäusern hinter sich hatten.

Eine weitere Nebenwirkung der medikamentösen Behandlung von Schlafstörungen, die durch die Untersuchung festgestellt werden konnte, war ein erhöhtes Risiko für die sogenannte Atemdepression – eine sich zunehmend verlangsamende Atmung.

 

Zusammenhang zwischen Schlafmittel und höherer Sterblichkeit

An diese Ergebnisse zu den schädlichen Wirkungen von Schlafmitteln fügt sich eine weitere Studie an: Ein Forscher-Team vom Scripps Clinic Sleep Center in Kalifornien machte eine erschreckende Beobachtung, als es die Krankenakten von 34.000 Amerikanern sichtete. Trotz ähnlichem Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen starben in einem Zeitraum von rund zweieinhalb Jahren viermal so viele Menschen, denen ein Schlafmittel verordnet worden war. Darunter waren auch Menschen unter 55 Jahren – ein hohes Alter kann somit nicht als Erklärung herangezogen werden.

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Zudem zeigt sich der Effekt selbst bei einer geringen Dosis. Schon bei weniger als zwei Schlaftabletten im Monat habe sich das Sterberisiko verdreifacht. Mit zunehmender Einnahme stieg die Letalität an. Menschen, die mehr als 132 Tabletten im Jahr – 11 Tabletten im Monat – einnahmen, hätten ein fünfmal so hohes Sterberisiko. Auch das Risiko für Krebs war um ganze 35 Prozent erhöht.

 

Schlafmittel begünstigen Gesundheitsprobleme

Forscher:innen des Scripps Clinic Sleep Center schätzen, dass in den USA 320.000 bis 507.000 Todesfälle auf die Einnahme von Schlafmitteln zurückgehen. In Europa könne nach Einschätzung der Experten der Prozentsatz noch höher liegen.

Eine direkte Kausalität zwischen der Sterblichkeit und der Einnahme von Schlafmitteln unterstellen die Forscher:innen nicht. Vielmehr stellen verschiedene Faktoren die Verbindung her: So können Schlafmittel das Suizid-Risiko erhöhen, ebenso die Unfallgefahr, da die sedierende Wirkung bis zu zehn Stunden anhalten und unter anderem zu Konzentrationsproblemen und Benommenheit führen kann. Daneben können Schlafmittel mitunter Atemaussetzer im Schlaf verursachen, die sich auf das Herz auswirken.

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Pflanzliche Mittel als Alternative zu Schlaftabletten

Die japanischen Wissenschaftler schlossen ihren Bericht mit einer Warnung an Kliniken und Ärzte. Die Verschreibung von Schlafmitteln an Menschen mit Herzleiden sollte nur mit größter Vorsicht und unter sorgfältiger Überwachung erfolgen. Wenn möglich sollte auf pflanzliche Alternativen zurückgegriffen werden.

Hochkonzentrierte Baldrian-, Hopfen- oder Lavendelpräparate regulieren den Stoffwechsel im Gehirn auf natürliche Weise, ohne gefährliche Nebenwirkungen zu verursachen. Außerdem wirken die Heilpflanzen beruhigend und können Nervosität und innere Anspannung lösen. Für eine spürbare Wirkung müssen die natürlichen Präparate jedoch mindestens zwei Wochen lang eingenommen werden. Die Einnahme sollte dabei immer ärztlich abgeklärt werden.

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Quelle:

Setoguchi M, [u.a] (2014): Sleeping pills increase CV events in heart failure patients, Heart Failure 2014 – Congress of the European Society of Cardiology (ESC). 17. bis 20. Mai 2014, Athen, Griechenland. Abstract: P450

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