Der Traum vom perfekten Kind

Der Preana-Test ist ein Bluttest
Mithilfe des sogenannten Praena-Tests können heute schon in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft Körperzellen des ungeborenen Babys aus dem Blut der Mutter rausgefiltert und auf Trisomien untersucht werden © Fotolia

Nur ein paar Tropfen Blut einer Schwangeren sind dank eines neuen Tests notwendig, um zu erkennen, ob Ihr Baby einen Gen-Defekt aufweist. Für werdende Eltern eine Sicherheit – für die Embryonen, die nicht den Erwartungen entsprechen, möglicherweise ein Todesurteil ...

 

Mithilfe einer Fruchtwasseruntersuchung lassen sich Trisomien frühzeitig erkennen

Hauptsache, gesund! Das wünschen sich alle werdenden Eltern für ihr Baby. Doch was passiert, wenn man schon vor der Geburt erfährt, dass das Kind krank ist? Ist der neue Gen-Check ein Schritt näher an das perfekte Kind – oder bietet er Eltern einfach mehr Sicherheit? Und was bedeutet es für eine Frau, nur auf "Bewährung" schwanger zu sein? Schon die ganz normalen vorgeburtlichen Untersuchungen wie Ultraschall oder Fruchtwasser-Untersuchungen werden nicht zur Therapie eines ungeborenen und vielleicht kranken Kindes durchgeführt – im Gegenteil. Ist der Befund positiv, kann das über Leben und Tod des Ungeborenen entscheiden. Und das praktisch bis zum errechneten Geburtstermin. Vom Gewissenskonflikt, dem Eltern mit ihrer Entscheidung ausgesetzt sind, ganz zu schweigen.

Zumindest die Spätabtreibungen können mit den neuen Bluttests in Zukunft verhindert werden. Mithilfe des Praena-Tests werden schon in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft (ab der 9. Schwangerschaftswoche) Körperzellen des ungeborenen Babys aus dem Blut der Mutter herausgefiltert. Viel einfacher durchzuführen und viel weniger riskant als eine Fruchtwasser-Untersuchung. Erkennen lassen sich so heute die Trisomien, in denen ein bestimmtes Gen (zum Beispiel 13, 18, 21) drei- statt zweimal vorkommt. Auch für die Schauspielerin Doreen Dietel, im vierten Monat schwanger, ist das ein Thema.

Was die Hersteller-Firma zu diesem Thema sagt

Was kann mit dem Praena-Test bestimmt werden?

Durch eine einfache Blutentnahme werden die häufigsten Formen der Trisomien 13, 18 und 21 beim Ungeborenen mit hoher Sicherheit bestimmt.

Der Test wurde für Frauen mit Risiko-Schwangerschaft entwickelt. Wie zuverlässig ist der Test?

In den Studien zur Beurteilung des Praena-Tests wurden über 99 Prozent der Blutproben richtig bestimmt.

Was kostet der Test?

In Deutschland kostet der Test 825 Euro. Die Wartezeit auf das Testergebnis beträgt in der Regel zehn Arbeitstage.

Zahlt die Krankenkasse den Test?

Nein. Der Test ist eine Selbstzahlerleistung und daher privat zu bezahlen. Allerdings gibt es Einzelfallentscheidungen, in denen sowohl private als auch gesetzliche Kassen die Kosten übernommen haben.

Wie oft wurde der Test schon in Deutschland durchgeführt?

Im ersten Jahr seit der Markteinführung haben wir knapp 6.000 Analysen durchgeführt. Ungefähr die Hälfte entfielen auf Deutschland.
 

Heutzutage werden schon über 90 Prozent der Babys, die das Down-Syndrom haben, abgetrieben

"Ich habe den Bluttest machen lassen, und sollte sich zeigen, dass unser Kind behindert ist, so wissen wir nicht, wie wir dann reagieren sollen." Doreen lehnt sich an ihren Freund Tobias, der zärtlich eine Hand auf ihren Bauch legt. Schwierig ist das für die Schauspielerin auch aus einem anderen Grund. Ihr größter Fan ist ein kleines 7-jähriges Mädchen mit Down-Syndrom. Anika hatte Doreen als Trixi im TV gesehen und war seither hin und weg. "Auf einem Fan-Treffen in den TV-Studios in Dachau rief Anika dann so laut meinen Namen, dass sie alle anderen übertönte. Dann stürmte sie zu mir. Ihre pure Lebensfreude und ihre grenzenlose Zuneigung trafen mich mitten ins Herz." Doreen freundete sich mit Anika und ihrer Mutter Marion an. Die 47-jährige Floristin hat ihre ganz eigene Meinung zum neuen Gen-Test. Tatsache ist, dass heutzutage schon über 90 Prozent der Babys, die das Down-Syndrom haben, abgetrieben werden. Setzen sich die neuen Gen-Checks durch, werden es in Zukunft wohl 100 Prozent sein. Für die vierfache Mutter Marion grenzt das an Völkermord. "Ich war schon 40, als ich mit Anika schwanger wurde. Mein Mann Thomas (49) und ich entschieden uns damals gegen eine Fruchtwasser-Untersuchung. Irgendwie spürte ich aber, dass nach drei Kindern dieses Mal etwas anders in der Schwangerschaft war." Und tatsächlich wird ihr Nesthäkchen Anika (7) mit dem Down-Syndrom, einer Trisomie 21, geboren. "Wir haben Ani von Anfang an genauso geliebt und behandelt wie unsere anderen Kinder. Sie ist gesund und putzmunter, das ist die Hauptsache."

 

Knapp 3.000-mal wurde der Preana-Test bundesweit gemacht

Auch Doreen Dietel hat schon jetzt eine enge Bindung zu ihrem Baby, zumal es nicht geplant war. "Zuerst war es für mich ein Schock", gibt die 39-Jährige zu. "Nach Jahren ohne Eisprung wegen Untergewichts und massivem Sport glaubte ich nicht mehr daran, schwanger zu werden. Außerdem habe ich als Schauspielerin kaum ein geregeltes Einkommen. Ich hatte Angst, einem Kind nicht genug Sicherheit bieten zu können." Doch dann lernt sie vor einem Jahr Produktentwickler Tobias (37) kennen. Mit ihm kann sie sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen. "Er erdet mich, er nimmt mich, wie ich bin, zeigt mir, dass er mich liebt." Seit dem ersten Ultraschall hat Doreen ein gutes Gefühl. "Wir sahen das kleine Herz flattern wie die Flügel eines kleinen Vogels. Das ist das größte Wunder, und ich fühle mich fantastisch." Doch was wird, wenn sie eine Entscheidung gegen das Kind treffen muss? "Wir wünschen uns natürlich wie alle Eltern, dass unser Kind gesund ist. Ich liebe Anika sehr, doch ich habe Angst, dass ich der Verantwortung als Mutter mit einem Kind mit Down-Syndrom nicht gewachsen wäre. Doch genauso viel Angst habe ich davor, die Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs tragen zu müssen." Mit diesen berechtigten Gefühlen steht Doreen nicht allein da. Knapp 3.000-mal wurde der Test bislang bundesweit gemacht. Über die Notwendigkeit streiten sich die Fachleute. Von 100 Menschen mit Behindertenausweis haben nur vier Menschen ihr Leiden seit ihrer Geburt. Die größte Gefahr für eine Behinderung droht durch das Leben selbst – in Form von Krankheiten und Unfällen. Und es besteht ein Risiko für Komplikationen bei der Geburt, die ebenfalls zu einer Behinderung führen können. Gegen all das hilft kein Test der Welt.

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