Der Sonnenatlas meiner Stimmung

Verena Elson
Sonne und Stimmung
Laut einer Studie wirkt sich das Licht der Sonne auf unsere innere Uhr aus – und damit auch auf unsere Stimmung © mihailomilovanovic/Istock

Unsere innere Uhr regelt viele unserer Körperfunktionen und hat auch Einfluss auf unsere geistige und psychische Verfassung. „Eingestellt“ wird sie vom Licht der Sonne – wie wirkt sich das im Laufe des Tages auf unsere Stimmung aus?

Die innere Uhr ist der Taktgeber unseres Organismus: Sie regelt, wann wir aufwachen, wann wir müde werden und wann wir zu körperlicher und geistiger Hochform auflaufen. Doch sie hat auch großen Einfluss auf den Hormonhaushalt, den Stoffwechsel, die Körpertemperatur – und unsere Stimmung.

 

Was macht die Morgensonne mit meinem Gemüt?

Das erste Sonnenlicht des Tages veranlasst die innere Uhr, vom Schlaf- in den Wachmodus zu wechseln. Das führt dazu, dass die Nebenniere das Stresshormon Cortisol ausschüttet – was bewirkt, dass der Organismus langsam in Gang kommt. Das Licht stoppt die Produktion des Schlafhormons Melatonin und regt die Ausschüttung der stimmungsaufhellenden und aktivierenden Botenstoffe Dopamin und Serotonin an.

Bei Frauen steigt mit dem Sonnenlicht außerdem der Testosteronspiegel an. Das männliche Geschlechtshormon ist verantwortlich für die Regulation des sexuellen Verlangens. Bei Männern beginnt der Testosteronspiegel zwar am Morgen abzusinken, ist aber von einem Anstieg in der Nacht immer noch erhöht. Darum ist am frühen Morgen (gegen 6 Uhr) Experten zufolge auch der beste Zeitpunkt für Sex.

Zwischen zehn und elf Uhr haben wir unser körperliches und geistiges Hoch erreicht – und auch die Stimmung ist jetzt am besten. Wissenschaftler sagen, elf Uhr ist die beste Uhrzeit für Meetings oder Vorstellungsgespräche – wir sind aufmerksam, leistungsfähig und gut gelaunt.

 

Was macht die Mittagssonne mit meinem Gemüt?

Für die Zeit zwischen 13 und 15 Uhr hat unsere innere Uhr eine Pause einprogrammiert: Wir fallen in das berühmte Mittagstief. Unsere Körpertemperatur sinkt, wir sind weniger leistungsfähig und können uns schlechter konzentrieren.

Wer jetzt Zeit für einen Mittagsschlaf hat, ist klar im Vorteil. Und wie dieser uns am schnellsten wieder fit und leistungsfähig macht, haben Forscher herausgefunden: Demnach sollte man erst einen Kaffee trinken und sofort danach ein kleines Nickerchen machen. Wissenschaftler der britischen Loughborough University konnten zeigen, dass nach so einem „Coffee nap“ weniger Fehler passieren als nach einem Mittagsschlaf ohne vorherigen Kaffee.

 

Was macht die Abendsonne mit meinem Gemüt?

Den Anlass für eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Harvard Medical School in Boston gab eine Beobachtung von Medizinern und Angehörigen, für die bisher keine Ursache gefunden wurde: Alzheimer-Patienten neigen besonders in den Abendstunden zu Unruhe und Aggressivität. Experten bezeichnen dieses Phänomen als „Sundowning“, weil es meist mit dem Sonnenuntergang eintritt.

Die Forscher testeten die Reaktion von männlichen Mäusen auf die Konfrontation mit Rivalen zu unterschiedlichen Tageszeiten. Während die Tiere morgens beim ersten Sonnenlicht noch kaum aggressiv reagierten, nahm die Heftigkeit ihrer Reaktionen im Tagesverlauf immer weiter zu, um am Abend ihren Höhepunkt zu erreichen.

Den Grund fanden die Forscher im Gehirn der Mäuse: Das Aggressionszentrum, das sich im Hypothalamus befindet, ist mit der „Schaltzentrale“ der inneren Uhr im Gehirn, dem sogenannten Nucleus suprachiasmaticus, verbunden. Dieser schickt Signale an das Aggressionszentrum und hemmt damit die Aggressionen der Tiere – und zwar morgens stärker als abends. Unterbrachen die Forscher die Verbindung, reagierten die Mäusemännchen am Morgen ebenso aggressiv auf Provokationen wie am Abend.

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