Der Ronaldo-Schlaf-Trick – was bringt er wirklich?

Verena Elson Medizinredakteurin
Christiano Ronaldo
Christiano Ronaldo hat einen ungewöhnlichen Schlafrhythmus – ist der das Geheimnis seines Erfolgs? © getty

Die kuriosen Schlafgewohnheiten von Christiano Ronaldo gehen zurzeit durch die Medien: Statt der konventionellen sieben bis acht Stunden pro Nacht schläft der Profi-Fußballer fünfmal am Tag für je 90 Minuten. Wie kommt er auf diese Idee – und macht ihn das wirklich leistungsfähiger?

In Embryostellung im frisch bezogenen Bett – so schläft Christiano Ronaldo fünfmal pro Tag. Der konventionelle Acht-Stunden-Nachtschlaf ist nichts für ihn. Mit seinem ungewöhnlichen Schlafrhythmus folgt der Profi-Fußballer den Anweisungen seines Schlaf-Couches Nick Littlehales.

Sein Argument: Wer nur nachts acht Stunden am Stück schläft und dann den ganzen Vormittag über wach ist, fällt zwischen 13 und 15 Uhr in ein Mittagstief, in dem die Leistungsfähigkeit stark abfällt. Mit den fünf Schlafphasen à 90 Minuten lässt sich dieses Leistungstief laut Littlehales umgehen.

 

Sind acht Stunden Schlaf unnatürlich?

Nachts, wenn es dunkel ist, schlafen und tagsüber aktiv sein – das fanden auch unsere Vorfahren schon sinnvoll. Allerdings war es in vorindustrieller Zeit tatsächlich nicht üblich, sieben bis acht Stunden am Stück zu schlafen – stattdessen bestand die Nacht aus zwei rund vier Stunden langen Schlafphasen, zwischen denen eine Pause von einer bis drei Stunden lag. In dieser Zeit beteten die Menschen, hatten Sex oder besuchten ihre Nachbarn. Erst die Etablierung langer, festgelegter Arbeitszeiten am Tag brachte die Menschen dazu, zur effizienteren Acht-Stunden-Nacht zu wechseln.

Auch heute gibt es viele Anhänger des sogenannten polyphasischen Schlafes. Dieser Begriff bezeichnet Schlafformen, die aus mehr als einer Schlafphase in 24 Stunden bestehen. Allerdings wird nach diesem Modell die gesamte Schlafzeit pro Tag immer kürzer, je mehr Schlafphasen es gibt. Das reicht von dem relativ verbreiteten „biphasischen“ Schlaf, der aus einem Nacht- und einem Mittagsschlaf besteht, bis zu dem „Uberman“ (Übermensch)-Schlaf, bei dem sechsmal am Tag je 20 Minuten geschlafen werden – so kommen insgesamt nur zwei Stunden Schlafzeit zusammen. Welche Auswirkungen das auf die Gesundheit haben kann, wurde bisher nicht untersucht.

Littlehales Modell ist deutlich humaner – Ronaldo kommt auf siebeneinhalb Stunden Schlaf in 24 Stunden – und es passt auch besser mit unserem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus zusammen. Denn der verläuft tatsächlich im 90-Minuten-Takt.

 

Das sagt die Wissenschaft

Nach dem Einschlafen durchlaufen wir immer wieder eine ähnliche Abfolge von Leicht- und Tiefschlafphasen – ein solcher Zyklus dauert rund 90 Minuten und wiederholt sich mehrmals pro Nacht. Forscher gehen davon aus, dass es nicht auf die Anzahl der Stunden ankommt, die wir pro Nacht geschlafen haben, ob wir ausgeruht und leistungsfähig sind. Entscheidend ist laut Studien stattdessen, dass wir nach Abschluss eines Schlafzyklus aufwachen und nicht mitten in einem Zyklus aus dem Schlaf gerissen werden.

Im frühen 20. Jahrhundert beschäftigte sich die Forschung erstmals eingehender mit den menschlichen Schlafphasen. Im Jahr 1929 kamen Harvard-Forscher in einer Studie zu dem Ergebnis: „Jemand, der nur vier Zyklen schläft (sechs Stunden), fühlt sich ausgeruhter als jemand, der acht bis zehn Stunden geschlafen hat, aber keinen Zyklus beenden konnte, weil er vorher geweckt wurde.“

Ronaldo folgt also mit seinen Schlafgewohnheiten durchaus dem natürlichen Biorhythmus. Aus wissenschaftlicher Sicht spricht auch einiges dafür, dass ihm dieser Trick das gefürchtete Mittagstief erspart. Allerdings gibt es bisher keine Forschung zu genau diesem Schlafmodell – also fünfmal 90 Minuten pro Tag.

Ronaldo dürfte das aber egal sein, wie sein Schlaf-Couch dem britischen „Independent“ berichtete: „Das einzige, was ihn interessiert, ist: Funktioniert es für ihn?“

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