Der richtige Umgang mit Medikamenten bei Kindern

Dr. med. Nadine Hess

Eltern sind oft verunsichert, wann sie die Beschwerden ihres Kindes noch mit Hausmitteln behandeln können und wann der Griff zu Medikamenten nötig wird. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt den richtigen Umgang mit Medikamenten bei Kindern.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Kinderärztin Dr. Nadine Hess: „Wenn Sie verunsichert sind, ob Ihr Kind wirklich Medikamente braucht, sollten Sie immer Rücksprache mit dem Kinderarzt halten.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Grundsätzlich muss nicht sofort jeder kleine Husten oder Schnupfen beim Kind mit Medikamenten behandelt werden. Es gibt gegen derlei Krankheitssymptome viele Hausmittel wie Tee und Wärmebehandlung sowie homöopathische Mittel, die bei Kindern genauso gut wirken können wie bei Erwachsenen. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass Sie Schmerzen bei Ihrem Kind verharmlosen sollten! Wenn Sie unsicher sind, auf welche Krankheit die Symptome des Kindes hindeuten und ob es sinnvoll ist, Medikamente zu verabreichen, sollten Sie sich vom Kinderarzt beraten lassen. Dieser wird sorgfältig abwägen, ob eine medikamentöse Behandlung notwendig ist und welches Mittel sich am besten dafür eignet.

 

Medikamente: Wann sind sie unerlässlich?

Es gibt Erkrankungen, bei denen Medikamente wie Antibiotika bei Kindern in der Regel nicht zu vermeiden sind. Dazu zählen beispielsweise Infektionen, die häufig im Kindesalter auftreten – wie Scharlach und Harnwegserkrankungen. Auch bei chronischen Krankheiten ist eine medikamentöse Behandlung oft unerlässlich. Lassen Sie sich hier vom Kinderarzt ausführlich beraten, denn es ist wichtig, dass Eltern auch selbst von der jeweiligen Arznei überzeugt sind. Kinder spüren es, wenn ihre Eltern verunsichert sind – und werden sich dann vielleicht zusätzlich weigern, das Medikament einzunehmen.

Medikamente beim Kind
Bei leichten Erkältungen lassen sich die Beschwerden oft schon mit Hausmitteln und viel Schlaf lindern© Alamy

Gerade bei einer bereits vorliegenden chronischen Erkrankung wie beispielsweise Epilepsie ist die Absprache mit dem Kinderarzt extrem wichtig: Im schlimmsten Fall kann es zu schwerwiegenden Wechselwirkungen der Medikamente kommen, bei denen sich Wirkstoffe gegenseitig blockieren oder potenzieren. Auch eine negative Wirkung des neuen Arzneimittels auf die bereits bestehende Krankheit ist möglich. Geben Sie Ihrem Kind daher auf keinen Fall auf eigene Faust Medikamente, bzw. sichern Sie sich bei Ihrem Kinderarzt oder Apotheker vorher ab.

 

Warum eine Dosierung nach Anweisung so wichtig ist

Verabreichen Sie dem Kind die Arznei immer genau nach Anweisung des Kinderarztes – sowohl was den Zeitraum der Einnahme angeht, als auch die jeweilige Dosis. Denn die Körper von Kindern reagieren auf viele Wirkstoffe schon bei geringen Dosen anders als Erwachsene. Daher ist es für Laien kaum einschätzbar, welche Folgen eine falsche Dosierung haben könnte. Brechen Sie die Behandlung außerdem nicht eigenmächtig vorzeitig ab, selbst wenn es dem Kind augenscheinlich schon viel besser geht. Das ist gerade bei Antibiotika besonders wichtig: Zum einen ist es sonst möglich, dass die Krankheit erneut ausbricht. Zum anderen können die Bakterien leichter Resistenzen entwickeln, wenn das Medikament nicht nach Anweisung eingenommen wird – wodurch die Wirksamkeit der Arznei nachlässt.

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