Der richtige Pflegedienst für die Pflege zu Hause

Redaktion PraxisVITA
Pflege zu Hause
Zahlreiche ambulante Pflegedienste und ehrenamtliche Helfer ermöglichen Pflegebedürftigen, in ihrer vertrauten Umgebung versorgt zu werden © iStock/FredFroese

Altersforscher und Mediziner wissen: Wer als älterer Mensch zu Hause gepflegt wird, bleibt länger fit. Bundesweit bieten mehr als 13.000 Pflegedienste ihre Hilfe an. Doch nach welchen Kriterien soll man sich für einen Anbieter entscheiden? Lesen Sie hier, wie Sie die Dienste finden und worauf es bei der Auswahl ankommt.

 

Welche Pflege brauchen Sie zu Hause?

Zunächst sollten Sie prüfen, wie viel Unterstützung Sie benötigen. Notieren Sie mindestens fünf Tage lang, wobei Sie sich Hilfe gewünscht hätten. Hadern Sie nur mit dem Haushalt, dem Einkauf oder Kochen, haben Sie keinen klassischen Pflegebedarf. Fällt es Ihnen aber schwer, sich zu waschen, Bandagen anzulegen oder Medikamente zum richtigen Zeitpunkt einzunehmen, sollte der Medizinische Dienst der Pflegekasse bei einem Hausbesuch prüfen, ob Sie eine Pflegestufe brauchen.

 

Sachleistungen mit Pflegestufe

Bei Pflegestufe 1 gibt es 468 Euro monatlich, die Sie für sogenannte Sachleistungen, also Dienstleistungen ambulanter Pflegedienste, einsetzen können. Für Pflegestufe 2 werden aktuell bis zu 1.144 Euro pro Monat gezahlt, für Pflegestufe 3 bis zu 1.612 Euro. Demenzkranke ohne Pflegestufe (sog. Pflegestufe 0) erhalten bis zu 231 Euro. Bei zusätzlicher Demenz erhöhen sich die Sachleistungen mit Pflegestufe wie folgt: 1 = 689 Euro, 2 = 1.298 Euro. Darüber hinaus kann Ihnen ein Pflegegeld zwischen 244 und 728 Euro im Monat zustehen. Das Regelwerk ist komplex, am besten erkundigen Sie sich bei Ihrer Pflegekasse.

Hilfe beim Anziehen
Mobile Pflegedienste unterstützen die Pflegebedürftigen in der gewohnten Umgebung im Alltag. Eine feste Bezugsperson innerhalb des Pflegedienstes hilft, Vertrauen aufzubauen© iStock/Highwaystarz_Photography
 

Dienstleister für die Pflege zu Hause

Ihre Pflegekasse und Ihr Hausarzt arbeiten sicher eng mit den ambulanten Diensten vor Ort zusammen und können darum eine wertvolle Empfehlung aussprechen. Auch Nachbarn und Bekannte, die bereits ambulante Pflegedienste nutzen, sind eine gute Anlaufstelle für Ihre Fragen. Über die sogenannte „Weisse Liste“ der Bertelsmann-Stiftung können Sie im Internet nach Pflegediensten in Ihrer Nähe suchen. Alle gelisteten Dienste wurden auf 15 Kriterien überprüft. Sie erkennen schon auf den ersten Blick, wie viele dieser Qualitätsmerkmale der jeweilige Anbieter erfüllt und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen. Möchten Sie lieber mit jemandem persönlich über die Pflege zu Hause sprechen, bietet der nächste Pflegestützpunkt kompetente Beratung (über die Pflegekasse oder online). Oder Sie rufen das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums an (Tel.: 030/20 17 91 31, Mo–Do, 9:00-18:00 Uhr).

 

Woran erkenne ich gute Dienstleister für die Pflege zu Hause?

Es gibt mehr Fachpersonal als Aushilfen. Sie haben eine feste Bezugsperson oder ein kleines festes Team an Personal, das sich um Sie kümmert. So müssen Sie sich nicht dauernd umgewöhnen – ein sehr wichtiger Faktor für alle, denen es schwerfällt, sich helfen zu lassen. Es kostet meist große Überwindung, sich von einem Fremdem bei der Körperpflege zur Hand gehen zu lassen. Doch hat man erst Vertrauen aufgebaut, fällt es leichter, die Unterstützung zuzulassen. Und ganz wichtig: Die Zentrale ist 24 Stunden erreichbar. Mit einer Checkliste zum Abhaken lassen sich die Angebote mehrerer Dienste übersichtlich und unkompliziert vergleichen (s. unten). Ausführlichere Checklisten finden Sie im Internet über das Pflegeportal und die "weisse Liste".

Spaziergang mit ehrenamtlichem Helfer
Auch ehrenamtliche Helfer, die den Pflegebedürftigen zum Beispiel beim Einkauf begleiten, stellen neben Pflegediensten eine Alternative für die Pflege zu Hause dar© iStock/FredFroese
 

Pflege zu Hause ohne Einordnung in eine Pflegestufe

Ohne Pflegestufe bezahlen Sie mobile Dienste selbst. Doch dank ehrenamtlicher Helfer und Mini-Jobber muss das kein Vermögen kosten. Mini-Jobber verdienen monatlich im Schnitt 183 Euro im Privathaushalt. Die Wohlfahrtsverbände rechnen über Stundenpauschalen ab. Die Helfer kaufen ein, putzen, waschen oder bügeln. Für Behördengänge oder Fahrdienste bieten oft Gemeinde-Ehrenamtler ihre Hilfe an. Dafür wird eine geringe Aufwandsentschädigung fällig. Essen können Sie sich als Tiefkühlkost oder täglich frisch zubereitet liefern lassen. Die Preise reichen von 5,50 bis 8 Euro pro Tag. Die Menüs wählen Sie vorher aus.

Für Notfälle wie Unwohlsein oder Stürze sollten Sie sich bei einem Hausnotruf-Anbieter anmelden. Da zahlen Sie im Monat 18 Euro, bei Bedarf kommt dann Hilfe auf Knopfdruck (Die Johanniter).

 

Risiken bei der Pflege zu Hause

Die meisten Menschen möchten daheim gepflegt werden. Doch es gibt Umstände, die den Umzug in ein Pflegeheim notwendig machen:

Hat der Pflegebedürftige häufig diffuse Ängste vor Eindringlingen oder auch einfach nur dem Alleinsein, ist die Pflege zu Hause deutlich erschwert. Klagt und weint der Patient oft laut und ist er einfach nicht zu beruhigen, ist der Umzug ins Heim die bessere Alternative.

Auch Aggressionen und sogar körperliche Attacken sind auf Dauer nur schwer in den Griff zu bekommen.

Bringt sich der Patient regelmäßig selbst in Gefahr, etwa weil er orientierungslos und/oder im Nachtzeug herumirrt oder seine Kräfte überschätzt, wäre es besser, unter Aufsicht zu bleiben.

Verschlechtert sich der Gesundheitszustand dramatisch, ist man im Heim besser aufgehoben.

Einsam im Alter
Bei Einsamkeit oder Ängsten ist ein Heim, in dem immer ein Ansprechpartner zur Verfügung steht, der Pflege zu Hause vorzuziehen© iStock/Zinkevych
 

Checkliste für den Pflegedienst

  • Leistungen
  • Krankenpflege
  • Grundpflege
  • Intensivpflege
  • Heimbeatmung
  • Palliativpflege
  • Kurzzeitpflege (Verhinderungspflege, Urlaubspflege)
  • Kultursensible Pflege (Migranten)
  • Pflegeberatung
  • Kurse für Pflegende Angehörige
  • Zusätzliche Serviceangebote
  • Tagespflege
  • Betreutes Wohnen
  • Psychosoziale Betreuung
  • Alltagshilfen wie:
  • Wohnungsreinigung
  • Treppenhausreinigung
  • Fenster putzen
  • Gardinen waschen
  • Wäsche waschen, bügeln
  • Vorratseinkauf, kleine Besorgungen
  • Frühstücksservice (Brötchen und Zeitung)
  • Organisatorische Hilfe bei Schriftverkehr
  • Hilfe bei Antragstellung (Pflegekasse, Krankenkasse, Sozialamt usw.)
  • Hilfe bei Gartenarbeiten (Rasenmähen, Blumenkästen bepflanzen)
  • Schlüsselaufbewahrung
  • Haustierversorgung und Betreuung
  • Zulassung
  • Es besteht ein Vertrag mit den Kranken- und Pflegekassen für Leistungen nach der Kranken- und Pflegeversicherung
  • Serviceangebote von Kooperationspartnern
  • Menüservice bzw. Essen auf Rädern
  • Hausnotruf
  • Mobile Fußpflege
  • Mobiler Friseur
  • Ergotherapeut/Krankengymnastik
  • Begleit- und Besuchsdienst (z.B. durch Bundesfreiwilligen-Dienst „Bufdis“ oder Ehrenamtliche), Hospizdienst-Mitarbeiter
  • Der Dienst ist 24 Stunden erreichbar
  • Bereitschaftsdienst am Wochenende und an Feiertagen
  • sind freundlich und hilfsbereit
  • beantworten alle Fragen kompetent, nehmen sich Zeit
  • Pflegevertrag
  • Sie erhalten einen standardisierten Pflegevertrag mit festgelegten Kündigungsfristen und -bedingungen
  • Die Leistungen, die nach dem Kostenvoranschlag vereinbart wurden, sind im Vertrag einzeln aufgeführt
  • Die Kosten sind bezüglich der Leistungen nachvollziehbar aufgeschlüsselt und die Kostenaufteilung zwischen Pflege/Krankenkasse und dem privat zu entrichtenden Anteil ersichtlich
  • Der Vertrag ruht, solange der Pflegebedürftige aus gesundheitlichen Gründen im Krankenhaus liegt
  • Vertrag endet mit Ableben des Pflegebedürftigen
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