Der Nachtschreck – Baby in Panik

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Während des Nachtschrecks können Sie – so schwer es insbesondere die ersten Male auszuhalten ist – gar nichts tun. Schauen Sie nur, dass Ihr Kind sich nicht verletzen kann“ © privat

Der Nachtschreck kann bereits ab dem ersten Lebensjahr vorkommen, trifft vor allem Jungen im Alter zwischen vier und fünf, und ist nach dem siebten Lebensjahr nur noch sehr selten. Was steckt dahinter und wie sollten sich Eltern verhalten, wenn ihr Baby oder Kind vom Nachtschreck gepackt wird?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Klassisch ist der folgende Fall von Nachtschreck: Das Baby oder Kind wacht etwa ein bis drei Stunden nach Einschlafen schreiend auf. Es sitzt aufrecht im Bett oder geht sogar umher, die Augen sind weit aufgerissen und es hat offensichtlich größte Angst vor etwas. Egal, was man tut, ob man das Kind anspricht, in den Arm nimmt, um es zu beruhigen oder es gar mit kaltem Wasser bespritzt – es kommt nicht zu sich.

Nach fünf bis fünfzehn Minuten ist so plötzlich, wie es begonnen hat, alles wieder vorbei. Das Kind ist bei Bewusstsein, aber müde und schläft meist sehr rasch und vor allem zufrieden wieder ein. An das, was kurz zuvor passiert ist und den Eltern größte Angst und Sorgen bereitet hat, kann es sich nicht erinnern .

 

Wie kommt es zum Nachtschreck bei Kleinkindern?

Beim Nachtschreck, auch Pavor nocturnus genannt, kommt es aus einer Tiefschlafphase heraus zu einem unvollständigen Erwachen – die Kinder sind sozusagen kurzzeitig zwischen Traum und Wachen „gefangen“. Das ist nichts Schlimmes und die Kinder erinnern sich auch nicht an das für die Eltern traumatische Ereignis. Der Nachtschreck ist keinesfalls ein Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung wie zum Beispiel Krampfanfälle oder auch ein psychologisches Problem. Oft kommt der Nachtschreck nicht nur einmal, sondern innerhalb weniger Jahre mehrmals vor, selten jeden Monat und noch viel seltener jede Nacht. Der Nachtschreck ist kein ungewöhnliches Ereignis – man geht davon aus, dass bis zu fünf Prozent aller Kinder einmal davon betroffen sind. Remo Largo, der berühmte Züricher Kinderarzt und Entwicklungsforscher, geht sogar von bis zu 30 Prozent der Kinder aus.

Junge schreit
Beim Nachtschreck, auch Pavor nocturnus genannt, kommt es aus einer Tiefschlafphase heraus zu einem unvollständigen Erwachen – die Kinder stecken sozusagen kurzzeitig zwischen Traum und Wachen fest© Fotolia

Häufig kommt der Pavor nocturnus nach besonders aufregenden Tagen vor und meistens waren auch die Eltern oder andere nahe Verwandte in der Kindheit von dem Symptom betroffen. Was kann man tun, wenn das Kind einen Nachtschreck hat und kann man verhindern, dass es überhaupt dazu kommt?

 

Was tun bei Nachtschreck?

Während des Nachtschrecks können Sie – so schwer es insbesondere die ersten Male auszuhalten ist – gar nichts tun. Schauen Sie nur, dass Ihr Kind sich nicht verletzen kann oder gar das Zimmer verlässt und die Treppe herunter fällt. Es gibt nichts, was den Nachtschreck abkürzen könnte – er dauert so lange, wie er dauert.

In einigen Fällen hilft es, wenn man – insbesondere nach besonders lebhaften Tagen – das Schlafengehen extra ruhig angehen lässt. Mit beruhigenden Gute-Nacht-Geschichten, vielleicht noch einem leisen Schlaflied. Manchmal kann man den Nachtschreck so verhindern, aber nicht bei jedem Kind ist das hilfreich.

Auch, wenn es zunächst sehr besorgniserregend aussieht, seien Sie unbesorgt, dass es sich um etwas Schlimmes oder für das Kind traumatisierendes handelt. Und irgendwann ist die Phase des Nachtschrecks auch wieder vorbei – und Sie werden nicht mehr beim gemütlichen Fernsehschauen von einem gellenden Schrei aus dem Kinderzimmer in Angst und Schrecken versetzt!

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