Der Mehrweg-Mythos: Wie giftig sind PET-Flaschen?

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Wie giftig sind PET-Flaschen? Studien zeigen, dass die Mehrwegflasche einen schlechteren Ruf hat, als sie verdient © Fotolia

Die PET-Flasche ist mit Abstand die meist genutzte Getränke-Verpackung in Deutschland. Aber sind die leichten Mehrwegflaschen auch gesund? Immer wieder verunsichern Berichte von giftigen Weichmachern die Konsumenten. Doch Studien zeigen, dass bei den beliebten Mehrwegflaschen Wahrheit und Mythos manchmal nicht sonderlich nah beieinander liegen. Praxisvita geht für Sie der Frage nach, wie viel Gift in der PET-Flasche steckt.

Flaschen aus Polyethylenterephthalat – kurz PET – werden in Deutschland in etwa 95 Prozent der Haushalte regelmäßig gekauft und genutzt. Besonders für Wasser und Limonade ist die PET-Flasche als Getränke-Verpackung erste Wahl. Doch immer wieder hört man von giftigen Weichmachern, die von den PET-Flaschen in die Getränke übergehen. Besonders im Sommer stellt sich die Frage, ob es gefährlich werden kann, wenn eine Wasserflasche länger in der Sonne – ob im Auto oder am See – liegt und der PET-Kunststoff mit dem Wasser reagiert.

 

PET-Flaschen enthalten keine Weichmacher

Wer Angst hat, durch die Nutzung einer PET-Flasche seine Gesundheit mit krebserregenden Weichmachern zu gefährden, kann von höchster Stelle beruhigt werden: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berichtet nämlich, dass für die Herstellung von PET-Flaschen keine Weichmacher verwendet werden. Sogenannte Phtalate und andere Weichmacher werden nach Angaben der Behörde für die Produktion der Mehrwegflaschen nicht benötigt. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit von PET-Flaschen als Getränkeverpackung – egal bei welcher Witterung – wurde in zahlreichen Studien bewiesen.

Auch durch Erwärmen der PET-Flasche, zum Beispiel durch die Sonne, gelangen keine Weichmacher infolge chemischer Reaktionen in das Wasser oder die Limonade. Gleiches gilt übrigens auch für hormonähnliche Substanzen wie Bisphenol A. Der immer wieder mit Kunststoffverpackungen und Gesundheitsschädigungen in Verbindung gebrachte Stoff ist nicht in PET-Flaschen enthalten.

 

PET-Flaschen machen Wasser sauberer

Jenseits des Mythos von krebserregenden Weichmachern und anderen gefährlichen Stoffen, die durch Erwärmung von PET-Flaschen durch chemische Reaktionen in das Wasser übergehen können, steht eine verblüffende Wahrheit.

Tatsächlich wird die PET-Flasche in Entwicklungsländern sogar als Instrument zur Reinigung von Wasser eingesetzt. Im Zuge des Projekts Solar-Water-Disinfection (SODIS) werden Viren und Bakterien in verunreinigtem Wasser durch die Kombination von Sonnenlicht und alten PET-Flachen abgetötet. Dazu werden mit Wasser gefüllte PET-Flaschen über mehrere Stunden in die pralle Sonne gelegt, um bis zu 90 Prozent der darin enthaltenen Keime abzutöten. Die Methode, die bereits in über 30 Ländern von Millionen von Menschen eingesetzt wird, ist in den vergangenen Jahren mehrfach von Studien auf ihre gesundheitliche Wirkung geprüft worden.

So zeigte beispielsweise eine Schweizer Studie, dass selbst bei solchen PET-Flaschen, die bereits mehrere Monate in Ländern wie Nepal oder Honduras zur Wasser-Desinfektion in der Sonne genutzt und dabei immer wieder mit abrauendem Sand ausgewaschen worden waren, kaum Giftstoffe enthielten. Die gemessenen Mengen bei Weichmachern lagen in der Regel hundertfach unter den Grenzwerten der World Health Organization (WHO).

 

Wieso schmeckt Wasser in PET-Flaschen manchmal seltsam?

Aufmerksamen Nutzern von PET-Flaschen wird schon öfters ein teils unangenehmer, süßlicher Geschmack im Wasser aufgefallen sein, das in Mehrwegflaschen abgefüllt worden war. Genau dieser Geschmack ist es häufig, der mit Giftstoffen in Verbindung gebracht wird. Doch auch hierbei handelt es sich um einen Mythos.

Hinter dem seltsamen Geschmack steckt der Stoff Acetaldehyd. Diese Substanz geht tatsächlich von der Flasche in das Getränk über und kann schon in sehr kleinen Mengen geschmeckt und gerochen werden, sodass es besonders in Wasserflaschen schnell auffällt.

Die zugelassene Menge von Acetaldehyd ist in der EU streng reguliert und darf 6 Milligramm auf ein Kilogramm in Lebensmitteln nicht übersteigen. In Getränkeflaschen ist nur ein Bruchteil dieser zugelassenen Werte und wurde in allen dazu geführten Studien als gesundheitlich unbedenklich eingestuft.

Hamburg, 5. Juni 2014

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