Der Marco Reus Schock – wie schlimm ist seine Verletzung wirklich?

Reus hat wieder einen Kapselriss
Bereits vor wenigen Monaten – kurz vor der WM in Brasilien – hatte sich Reus den gleichen Knöchel verletzt und musste wochenlang pausieren © Corbis

Es war die letzte Spielminute im Qualifikationsspiel für die Fußball-Europameisterschaft 2016 zwischen Deutschland und Schottland. Marco Reus, der wegen einer schweren Verletzung in diesem Jahr die Weltmeisterschaft in Brasilien verpasst hatte, lag mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Platz und hielt sich ausgerechnet den gerade erst genesenen Knöchel. Doch wie schlimm steht es wirklich um den jungen Angreifer. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Nach einem harmlos aussehenden Zweikampf mit einem schottischen Abwehrspieler, blieb Marco Reus liegen. Nach kurzer Untersuchung durch den Mannschaftsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt war klar: Reus kann nicht weiter spielen.

 

Erster Verdacht: Kapselriss

Erst vor einigen Monaten hatte sich Reus in dem selben Knöchel einen Teilriss der vorderen Syndesmose sowie einen knöchernen Bandausriss an der Fersenbein-Vorderseite zuzogen und musste die Weltmeisterschaft in Brasilien absagen. Nun der erneute Rückschlag.

Tatsächlich ist wieder der Knöchel betroffen, der schon vor einigen Monaten operiert worden war. Assistenz-Trainer Andreas Köpke bestätigte unterdessen lediglich, dass es sich um eine Verletzung des Knöchels handelt. Am Montag würde sich Reus demnach zur genauen Diagnose in einem Krankhaus einer Kernspin-Tomographie unterziehen.

Entsprechend war die genaue medizinische Ursache für die Auswechslung am Sonntagabend noch nicht klar. Experten gehen zurzeit aber davon aus, dass es sich um eine Kapselverletzung im Sprunggelenk handelt. Bundestrainer Joachim Löw beruhigte dagegen mit den Worten, dass „es wohl nicht ganz so schlimm aussieht.“ „Näheres“, so der Bundestrainer,  „muss aber erst die Untersuchung zeigen.“

 

Wie lange muss Reus pausieren?

Eine Kapselverletzung ist äußerst schmerzhaft. Sollte sich der Verdacht bestätigen, ist aus medizinischer Sicht von einer rund sechswöchigen Pause auszugehen. In dieser Zeit muss Reus seinen Knöchel schonen, da eine zu frühe Belastung sonst zu einer Verminderung der Stabilität des Gelenks führen kann. Zudem drohen bleibende Bewegungseinschränkungen und Folgeerkrankungen – wie z.B. weitere Kapselrisse.

Behandelt wird ein Kapselriss in der Regel zuerst konventionell – das heißt: Der nöchel wird gekühlt und ruhig gestellt. Zusätzlich werden schmerzstillende, entzündungshemmende und abschwellende Medikamente verabreicht.

Im schlimmsten Falle stellt sich die Kapselverletzung von Reus als besonders schwer heraus. Das wäre z.B. der Fall, wenn die Ärzte bereits eine Instabilität des Gelenks oder eine erneute Beschädigung der Syndesmose – eine Bandstruktur, die das Sprunggelenk stabilisiert – feststellen würden. Die Folge wäre eine Operation am erst vor kurzem operierten Knöchel und eine zusätzliche Verletzungspause von mehreren Wochen.

Hamburg, 8. September 2014

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