Der Mann, der 2,4 Millionen Babys rettete

Verena Elson
Mit seinen regelmäßigen Blutspenden rettete ein Mann aus Australien rund 2,4 Millionen Babys das Leben
Mit seinen regelmäßigen Blutspenden rettete ein Mann aus Australien rund 2,4 Millionen Babys das Leben © YakobchukOlena/iStock

Mit seinem Blut rettete er über 60 Jahre lang Millionen Menschenleben – jetzt darf er nicht mehr Blut spenden. Wie James Harrison das Leben unzähliger Familien veränderte und warum in jedem von uns ein Lebensretter steckt. 

14 Jahre war James Harrison alt, als er sich selbst ein Versprechen gab: Sobald er volljährig war, würde er regelmäßig Blut spenden. Der Grund: Die Blutspenden vieler Menschen hatten ihm das Leben gerettet, als er bei einer Operation große Mengen Blut verlor. Das war im Jahr 1951 – jetzt, mehr als sechzig Jahre später, trat der 81-Jährige zu seiner letzten Blutspende an.

 

Rhesusunverträglichkeit – wenn der Körper der Mutter das Baby abstößt

Im Jahr 1967, als James Harrison bereits seit mehr als einem Jahrzehnt regelmäßig Blut spendete, wandten sich Forscher an ihn. Der Grund: Ihrer Meinung nach könnte sein Blut dazu beitragen, unzählige Babys zu retten, die auf bis dahin unerklärliche Weise noch während der Schwangerschaft oder bei der Geburt verstarben.

Der Grund, warum diese Babys starben, war eine sogenannte Rhesusunverträglichkeit. Dazu kann es kommen, wenn die Mutter rhesus-negativ ist und ihr Kind rhesus-positiv. Der „Rhesusfaktor“ ist ein Blutgruppenmerkmal: Er bezieht sich auf ein spezielles Protein, dass auf den roten Blutkörperchen sitzt – fehlt es, ist die Person rhesus-negativ.

Gelangt Blut des rhesus-positiven Kindes in den Blutkreislauf der rhesus-negativen Mutter, erkennt ihr Immunsystem die Blutkörperchen des Babys als Fremdkörper an und bildet Antikörper dagegen. Gelangt das mit diesen Antikörpern ausgestattete Blut der Mutter wiederum in den Blutkreislauf des Kindes, sorgen die Antikörper dafür, dass seine Blutkörperchen zerstört werden – die Folge ist eine unter Umständen lebensbedrohliche Blutarmut.

Bekommt eine rhesus-negative Frau ihr erstes Kind, stellt ihre Blutgruppe in der Regel noch keine Gefahr für ihr Baby dar. Der Grund: Der Körper braucht zunächst Zeit, Antikörper gegen den Rhesusfaktor zu bilden. Beim zweiten Kind sieht das anders aus – das mütterliche Immunsystem ist bereits auf den „Eindringling“ Rhesusfaktor vorbereitet und schaltet bereits beim ersten Kontakt mit dem Blut des Babys in den „Angriffsmodus“.

Heute wissen Mediziner, dass sich das verhindern lässt, indem man dem Immunsystem der Schwangeren zuvorkommt: Schon während der Schwangerschaft mit dem ersten Kind wird der Mutter per Spritze das sogenannte Anti-D-Immunglobulin – ein Antikörper gegen den Rhesusfaktor – gespritzt. Dieser sorgt dafür, dass in den Blutkreislauf der Mutter eintretende rhesus-positive Blutkörperchen sofort zerstört werden – noch bevor der Körper begonnen hat, eigene Antikörper zu bilden. Anti-D-Immunglobulin wird aus Plasmaspenden gewonnen.

 

Spender mit wertvollem Plasma

In den 1960er Jahren begannen Mediziner erst herauszufinden, was die Rhesusunverträglichkeit ist und wie man sie verhindern kann. Forscher wollten testen, ob eine Spritze mit Anti-D-Immunglobulin Kinder rhesus-negativer Mütter schützen kann und durchsuchten die Blutbanken nach einem Spender, der den seltenen Antikörper in sich trägt. Fündig wurden sie bei James Harrison – und baten ihn, sich als „Versuchskaninchen“ zur Verfügung zu stellen. Seither spendete er alle zwei Wochen Blutplasma (Blutflüssigkeit) – insgesamt 1.173 Mal. Schätzungen des australischen Roten Kreuzes zufolge hat er so 2,4 Millionen Babys das Leben gerettet. Mit 81 Jahren ist es für ihn jedoch höchste Zeit, mit dem Blutspenden aufzuhören, finden seine Ärzte. Darum trat Harrison am Freitag in Sydney das letzte Mal zur Blutspende an – und wurde ausgiebig gefeiert.

Wer Menschenleben retten will, muss weder Heldenmut noch das Talent zu wagemutigen Stunts besitzen: Mit regelmäßigem Blutspenden tragen Sie dazu bei, das Menschen nach Operationen und Unfällen und in der Krebstherapie gerettet werden – auch, wenn Sie keine seltene Blutgruppe haben. Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Thema Blutspenden wissen müssen.

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