Der große Antibiotika-Report

Antibiotika sind immer häufiger unwirksam, denn sie werden von Ärzten zu oft eingesetzt
Antibiotika sind immer häufiger unwirksam, denn sie werden von Ärzten zu oft eingesetzt © Fotolia

Antibiotika können Leben retten. Doch ihr übermäßiger Einsatz schadet uns auf Dauer mehr, als er nutzt.

Als Alexander Fleming 1928 das Penizillin entdeckte, begann ein weltweiter Siegeszug gegen einst gefürchtete Infektionskrankheiten. Doch mehr und mehr verliert die Wunderwaffe ihre Schlagkraft, denn sie kommt viel zu häufig zum Einsatz. Dr. Siegfrid Throm, Pharmazeut und Geschäftsführer des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller: "Antibiotika sind ausschließlich Medikamente gegen Bakterien-Infektionen, gegen Viren können sie nichts ausrichten." Da ein Arzt aber eine virusbedingte Infektion mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden oft nur schwer von einer bakteriellen unterscheiden kann, verschreibt er im Zweifel oft lieber ein Antibiotikum. Und das wird ohnehin viel zu oft eingesetzt: Durch die großzügige Anwendung aber können sich die Bakterien besser auf die Medikamente einstellen, es entstehen Resistenzen: Keime werden unempfindlich gegen Antibiotika. Unbehandelbare Infektionen können die Folge sein. Deshalb hier die wichtigsten Tipps zum richtigen Umgang mit Antibiotika.

 

Wann machen Antibiotika Sinn?

Generell gilt: Sie sollten nur bei schweren Infektionen zum Einsatz kommen und nur dann, wenn der Arzt eine bakterielle Infektion diagnostiziert hat. Das geht binnen weniger Stunden mit einem Abstrich. Bei einer Virusgrippe sind Antibiotika nur dann hilfreich, wenn sich zusätzlich auch Bakterien in der Lunge ausbreiten und eine Lungenentzündung verursachen.

 

Auch bei Fieber müssen Antibiotika nicht sein

Viele Menschen glauben nach wie vor: Bei Fieber helfen Antibiotika. Doch das ist ein Trugschluss. Denn es sind fast immer Viren schuld, wenn es bei einer Grippe dazu kommt. Besser: kalte Wickel, viel Wasser und Tee trinken, dazu Paracetamol einnehmen.

 

Antibiotika richtig einnehmen

Hier gilt die klare Regel: So oft und so lange nehmen, wie es der Arzt verordnet! Das Problem: Schon nach der Einnahme von wenigen Tabletten fühlt man sich deutlich besser, glaubt, man bräuchte sie nicht mehr. Doch das ist ein Irrtum. Die Bakterien wüten weiter im Körper und bilden durch die nachlassende Dosis Resistenzen.

 

Die unerfreulichen Nebenwirkungen

Antibiotika töten nicht nur die bösen, sondern auch die guten Bakterien. Vor allem Breitband-Antibiotika vernichten große Teile der nützlichen Darmbewohner. Deshalb kommt es oft zu Durchfall. Im schlimmsten Fall kann eine längere Antibiotika-Einnahme sogar zu einer Entzündung der Darmschleimhaut führen.

 

Diese Kombinationen möglichst meiden

Manche Mittel vertragen sich nicht mit Milch oder Fruchtsäften. In der Milch ist ausgerechnet das Kalzium schuld. Es macht die Bakterienkiller unwirksam, wenn sie sich im Darm begegnen. Das Gleiche gilt für Fruchtsäfte wie zum Beispiel Orangensaft mit einem höheren Kalzium-Anteil. Wichtig deshalb: die Packungsbeilage genau durchlesen. Hersteller sind verpflichtet, Wechselwirkungen anzugeben.

 

So schluckt es sich leichter

Die meisten Antibiotika-Tabletten sind sehr groß. Aufgrund der Tablettenüberzüge dürfen sie nicht zerkleinert werden. Das bereitet vielen Menschen bei der Einnahme Probleme. Tipp: Kurz vor dem Schlucken der Tablette ein wenig Wasser trinken. Das feuchtet die Schleimhäute an. Dann die Tablette möglichst weit nach hinten auf die Zunge legen und beim Schlucken den Kopf nach vorne neigen.

 

Vorsicht bei Pille, Eisen und Co.

Wer die Pille einnimmt, sollte dies mit seinem Arzt besprechen. Manche Antibiotika beeinflussen die Wirksamkeit hormonaler Verhütungsmittel, es kann zu ungewollter Schwangerschaft kommen. Auch die Einnahme von Eisenpräparaten, säurebindenden Medikamenten (Antazida) und Cholesterinsenkern kann die Wirkung des Antibiotikums beeinträchtigen.

Mehr Infos gibt es in diesem Video:

 

Weniger trinken ist besser

Wer krank ist, soll viel trinken – im Allgemeinen stimmt das auch. Nur bei der Einnahme von Antibiotika ist es besser, vorsichtig zu sein. Ein Glas Wasser oder Kräutertee, um die Tablette besser schlucken zu können, ist völlig okay. Doch wer zu viel trinkt, riskiert, dass das Medikament aus dem Körper geschwemmt wird. Alkohol ist völlig tabu. Denn die Leber hätte doppelte Arbeit. Sie müsste sowohl Antibiotika als auch Hochprozentiges verstoffwechseln.

 

Antibiotika bei Kindern

Leider bekommen auch die Jüngsten viel zu oft Antibiotika. Schuld an Grippe, Husten, Bronchitis, Mandel- und Nasennebenhöhlenentzündungen sind fast immer Viren. Antibiotika sind erst dann nötig, wenn sich auf eine durch Viren vorgeschädigte Schleimhaut Bakterien festgesetzt haben. Das muss der Arzt entscheiden. Bei Schürfwunden reicht säubern und eine Salbe aus. Bei Wundrose oder entzündeter Haut müssen es Antibiotika sein.

 

Wie sinnvoll sind Breitband-Antibiotika?

Diese komplexen Substanzen wirken gegen mehrere Erreger und werden dann eingesetzt, wenn der Arzt nicht so genau weiß, welche Keime an der Entzündung schuld sind. Werden sie zu häufig eingesetzt, haben gleich mehrere Bakterienstämme Abwehrmaßnahmen gegen das Mittel gelernt – dann wird es künftig noch schwieriger, Entzündungen in den Griff zu bekommen.

 

Die besten Hausmittel und Naturheilverfahren

 

Honig

Bei der Behandlung oberflächlicher Wunden oder Infektionen wirken manche Sorten wie Manuka oder Jelly Bush sogar besser als modernste Antibiotika, haben australische Forscher in diversen Studien herausgefunden. Weiterer Vorteil: Es bilden sich keine Resistenzen.

 

Meerrettich

Fein gerieben, hilft die scharfe Wurzel nachweislich bei Bronchitis, Mandel- und Nasennebenhöhlenentzündung. Bei Bronchitis können die Wirkstoffe der Kapland Pelargonie (Umckaloabo) den Heilungsprozess vorantreiben.

 

Johanniskraut

Hellt nicht nur die Seele auf. Sein Wirkstoff Hyperforin vernichtete in Versuchen auch multiresistente Bakterien wie Staphylokokken oder Diphterie-Erreger, gegen die kein Antibiotikum mehr half.

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