Der Durchbruch? – Mediziner entwickeln neue Alzheimer-Therapie

Alzheimer heilen
Die neue Alzheimer-Therapie ist so erfolgreich, dass viele Studienteilnehmer sogar in ihren Beruf zurückkehren konnten © Fotolia

Mit Hochdruck suchen Forscher seit Jahrzehnten nach einem Heilmittel gegen Alzheimer – bisher ohne Erfolg. Nun zeigt eine neue Behandlungsmethode US-amerikanischer Mediziner erstaunliche Erfolge. Die Idee klingt einfach – und ist dennoch revolutionär. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Eine neuartige sogenannte „Lebensstil-Interventions-Therapie“ zeigt überraschende Erfolge bei der Behandlung von Alzheimer-Symptomen. Die Mediziner der University of California nutzen für die aktuelle Studie verschiedene Einzel-Erkenntnisse aus den Forschungsarbeiten der letzten 25 Jahren.

 

Ungleichgewicht ausgleichen

„Wir fanden heraus, dass für die – durch die Alzheimer-Erkrankung – ausgelösten Neurodegenerationen im menschlichen Gehirn ein chemisches Ungleichgewicht innerhalb der physiologischen Prozesse verantwortlich sein muss“, erklärte Studienautor Professor Dale Bredesen. Dabei handele es sich um Stoffwechselstörungen – in diesem Fall um eine Anhäufung oder einen Mangel bestimmter Stoffe, die an der Übermittlung von Informationen durch die Nervenzellen im Gehirn beteiligt sind.

 

Alzheimer: Die Summe seiner Symptome

Diese unterschiedlichen Stoffwechselstörungen lösen von Patient zu Patient verschiedene Symptome – wie z.B. Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit oder Einschränkungen der Motorik – aus. Die Krankheit ist (wie alle Demenzformen) allerdings vor allem bestimmbar über die Summe auftretender Symptome, die für Alzheimer typisch sind – ein technisches Testverfahren, das Alzheimer wie z.B. einen Virus diagnostizieren kann, wurde noch nicht entwickelt.

Genauso wie sich Alzheimer nur als die Summe verschiedener Symptome bestimmen lässt, beziehen sich medizinische Studien, Behandlungsansätze und entwickelte Medikamente bis heute nur auf die Regulierung einzelner Stoffwechselstörungen – ohne die Gesamtheit der Faktoren, die zu Alzheimer-Symptomen führen zu berücksichtigen. Dadurch zeigten in der Vergangenheit solche medizinischen Maßnahmen entweder keine oder nur begrenzte Wirkung.

 

Ein Dach mit vielen Löchern

Die Forscher University of California erkannten nun vor diesem Hintergrund die Notwendigkeit möglichst viele der Alzheimersymptome gleichzeitig zu behandeln, um eine möglichst große Optimierung der in Ungleichgewicht geratenen Stoffwechselprozesse des Gehirns herbei zu führen. Tatsächlich stellte sich dabei heraus, dass medizinische Maßnahmen, die alle für sich entwickelt und erforscht worden waren, kombiniert werden konnten – wodurch sich die Wirkung gegen Alzheimersymptome insgesamt verbesserte. 

Professor Bredesen nennt für diesen Effekt das Beispiel eines undichten Daches. Demenz ist demnach ein Dach mit vielen Löchern. Die medizinische Forschung habe in den letzten 25 Jahren Maßnahmen entwickelt, mit denen jeweils nur eines dieser Löcher geschlossen werden konnte – aufgrund der übrigen Löcher blieb das Dach aber undicht.

 

Ganzheitlicher Therapie-Ansatz

Der neue Therapieansatz setzt auf verschiedene Einzel-Maßnahmen und wird deswegen als „Lebensstil-Interventions-Therapie“ bezeichnet. Durch dieses „Netzwerk an Optimierungen“ können Auslöser für Demenz-Effekte an gleich mehreren Stellen korrigiert werden, schreiben die Forscher.

Zu der neuartigen Therapie gehören folgende Maßnahmen:

1) Eine Ernährungsumstellung, bei der auf einfache Kohlenhydrate (vor allem Zucker) und glutenhaltige Lebensmittel verzichtet wird. Gleichzeitig wird der tägliche Speiseplan um frisches Obst, Gemüse und Fischgerichte erweitert.

2) Vermeidung und Abbau von Stress, z.B. durch regelmäßigen Sport, Yoga oder Meditationen.

3) Ausreichend Schlaf – konkret sieben bis acht Stunden pro Nacht.

4) Eine tägliche, gezielte Nahrungsergänzung mit Stoffen wie Melatonin (das sogenannte Schlafhormon, das im Alter nicht mehr in ausreichenden Mengen durch die Zirbeldrüse produziert wird), Methylcobalamin (Vitamin B12), Vitamin D3, Fischöl und Coenzym Q10.

5) Verbesserung der Mundhygiene durch den Einsatz von elektrischen Zahnbürsten.

6) Fasten-Zeiten von mindestens 12 Stunden zwischen der Einnahme des Frühstücks und des Abendessens sowie von mindestens drei Stunden zwischen dem Abendessen und dem Schlafengehen.

7) Körperliche Aktivitäten (z.B. Spaziergänge, Schwimmen oder Walken) für mindestens 30 Minuten an vier bis sechs Tagen pro Woche.

8) Eine Hormontherapie (nur für Frauen), bei der den Patientinnen Östrogen verabreicht wird.

 

Neun von zehn Patienten geheilt

Für die Studie unterzogen sich zehn Freiwillige der neuartigen Therapie. Alle Probanden litten unter Alzheimer-Symptomen. Die einzelnen Maßnahmen wurden auf die individuellen Anforderungen der Patienten jeweils zugeschnitten und über einen Zeitraum von sechs Monaten medizinisch überwacht.

Nach diesen sechs Monaten hatten sich die Alzheimer-Symptome bei neun von zehn Probanden deutlich zurück gebildet. Sechs Studienteilnehmer, die vorher aufgrund der fortschreitenden Demenz-Effekte als nicht mehr berufsfähig eingestuft worden waren, konnten nach der Therapie sogar ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Hamburg, 6. September 2014

Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.