Der beste Sport für ein junges Gehirn

Verena Elson Medizinredakteurin
Gehirnscan
Das Schrumpfen der Gehirnmasse gehört zum natürlichen Alterungsprozess. Bewegung – ganz besonders Tanzen – hilft dabei, diesen Prozess zu verlangsamen © iStock

Bewegung verlangsamt die Alterung des Gehirns – und kann Alterungserscheinungen sogar rückgängig machen. Am besten funktioniert das Anti-Aging-Programm mit einer ganz bestimmten Sportart.

Im Alter schrumpft unser Gehirn – das liegt zu einem kleinen Teil am Absterben von Nervenzellen und zu einem großen Teil am Schrumpfen der Gehirnsubstanz, die zwischen den Nervenzellen liegt und dafür sorgt, dass Reize von den Nervenzellen schnell weitergeleitet werden.

Bei Demenz findet der „Rückbau“ des Gehirns deutlich schneller und mit einem gravierenderen Ausmaß statt. Frühere Studien konnten bereits zeigen, dass Sport und Bewegung helfen, diesen Prozess zu verlangsamen.

Doch ist es dabei egal, welche Sportart ausgeübt wird oder eignet sich eine besonders gut zur Verjüngung des Gehirns? Dieser Frage widmeten sich Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Magdeburg in ihrer aktuellen Studie.

 

Tanzen versus Ausdauertraining – was wirkt besser?

26 Probanden mit einem durchschnittlichen Alter von 68 Jahren nahmen an dem Experiment teil. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe eins nahm 18 Monate lang an einem wöchentlichen Tanzkurs teil, Gruppe zwei absolvierte ein wöchentliches Ausdauertraining (z.B. Radfahren oder Nordic Walking).

Gehirnscans am Ende des Studienzeitraums zeigten in beiden Gruppen eine Vergrößerung der Hirnmasse im Hippocampus – dieses Gehirnareal spielt eine wesentliche Rolle beim Lernen, dem Abspeichern von Erinnerungen und dem Orientierungs- und Gleichgewichtssinn. Bei Alzheimer schrumpft dieser Bereich als erstes.

Bei den Probanden in der Tanzgruppe konnte zudem ein Volumenzuwachs im sogenannten Gyrus parahippocampalis beobachtet werden. Dieses Gehirnareal ist an den Vorgängen beteiligt, die beim Erkennen und Erinnern ablaufen. Die tanzenden Probanden konnten sich außerdem über eine Verbesserung ihres Gleichgewichtssinns freuen – in der Ausdauergruppe blieb dieser Effekt aus.

 

Der Sport sollte das Gehirn fordern

Die guten Ergebnisse in der Tanzgruppe dürften auch mit den speziellen Vorgaben der Studienleiter zusammenhängen: Die Senioren sahen sich immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert – sie tanzten alle zwei Wochen wechselnde Choreografien in verschiedenen Musikgenres (Jazz, Squaredance, lateinamerikanische Tänze und Line Dance).

Die Studie hat Schwächen: Mit nur 26 Probanden, die das Experiment beendeten, ist sie sehr klein. Um das Ergebnis zu überprüfen, müssten Untersuchungen mit weit mehr Probanden durchgeführt werden. Außerdem wurden nur zwei Sportarten verglichen – um die wirksamste Sportart für die Gehirnverjüngung herauszufinden, wäre der Vergleich mehrerer Sportarten notwendig.

Die Studienleiter sind sich aber sicher, dass Tanzen ein wahrer Jungbrunnen für das Gehirn ist – und dass der Effekt umso stärker ist, je mehr neue Herausforderungen der Sport für Körper und Gehirn bietet. Zudem hatte eine Studie 2015 ergeben, dass Tangotanzen bei Parkinson-Patienten die Balance und funktionelle Mobilität sowie die kognitiven Fähigkeiten verbessert.

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