Der beste Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs

Eine Impfung gegen HPV ist sinnvoll
Eine Impfung gegen HPV ist sinnvoll, weil das Virus Gebärmutterhalskrebs auslösen kann. Wer geimpft ist erkrankt deutlich seltener daran © Fotolia

Die Zahlen sprechen für sich, die Impfstoffe sind gut erforscht: Experten raten weiter zum Piks gegen gefährliche Viren.

Sie sind winzig, kugelförmig und sie können jede Frau treffen: Humane Papillomaviren (HPV). Experten schätzen: Bis zu 80 Prozent der Frauen weltweit sind mit einer oder mehreren Varianten dieser sexuell übertragbaren Viren in Kontakt gekommen. Normalerweise verläuft die Infektion harmlos. Aber in einigen Fällen führen bestimmte HPV-Typen zu Gebärmutterhals-Krebs. Das ist die zweithäufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland, 6500 erkranken jährlich daran, 1600 sterben.

Aber seit sechs Jahren gibt es in Deutschland und in vielen anderen Ländern eine Lösung: „Die HPV-Impfung ist ein sicherer und wirksamer Schutz vor Gebärmutterhals-Krebs und den viel häufigeren Krebsvorstufen", sagt Privatdozent Dr. Andreas Kaufmann, HPV-Experte von der Berliner Charité. „In ein paar Jahren werden wir sehen, dass die Zahl der Krebsfälle unter den Geimpften drastisch sinken wird."

Er und weitere Experten wollen die Mädchen überzeugen, dass die drei Pikser Leben retten können. Die Experten sprechen auch die Mütter an. Sie bitten diese: „Klären Sie Ihre Töchter darüber auf."

Hintergrund:

Diese Art von Krebs entwickelt sich aus Vorstufen in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses, an denen vor allem die HPV-Typen 16 und 18 schuld sind. Werden die Vorstufen verhindert, kann daraus kein Tumor wachsen! Nun dauert die Krebsentstehung viele Jahre, und die Impfung gibt es noch gar nicht so lange. Deshalb gibt es noch keine Zahlen über verhinderte Krebsfälle.

Aber:

 „Zwei große Nachbeobachtungsuntersuchungen belegen trotzdem, dass die HPV-Impfung lang anhaltenden Schutz bietet", betont Dr. Burkhard Ruppert, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Berlin und Impf-Experte.

Die erste Untersuchung zeigt: In Australien kommen seit sechs Jahren bei jungen Frauen unter 18 Jahren fast 40 Prozent weniger Vorstufen von Gebärmutterhals-Krebs vor. Dort sind durch ein staatliches Impfprogramm bereits 80 Prozent der Mädchen geimpft. In Deutschland sind es nur 40 Prozent. Und das, obwohl alle Krankenkassen die Impfung im Alter von zwölf bis 17 bezahlen. Viele Kassen erstatten sogar bis zum 27. Geburtstag, manche noch später. Nachfragen kann sich auch für Ältere lohnen.

Auch gegen Genitalwarzen:

Eine zweite große Studie in Australien zeigt ebenfalls die Wirksamkeit. Forscher untersuchten einen schnell messbaren Faktor, die Genitalwarzen. Die werden recht frühzeitig ausgelöst – ebenfalls von HP-Viren, gegen die eine Impfung schützt. Bei den geimpften Mädchen gab es in der Studie keinen einzigen Fall von Genitalwarzen.

Nebenwirkungen sind selten Auch Berichte, dass die HPV-Impfung gefährlich sei, sind widerlegt. Weltweit wurden bisher über 100 Millionen Impfdosen ausgeliefert, die Impfstoffe gelten bei deutschen, europäischen und amerikanischen Arzneimittelbehörden als verträglich. „Nach meinen Informationen gibt es auf tausend geimpfte Mädchen und Frauen nur eine Komplikation. Die kann sehr leicht sein, von einer leichten Reaktion wie Hautrötung bis hin zu schwerwiegenderen Nebenwirkungen. Aber es ist ein statistisch seltenes Ereignis", sagt Dr. Peter Mallmann von der Universitäts-Frauenklinik in Köln.

Kondome reichen nicht Aber kann man sich denn nicht einfach mit Kondomen schützen? Untersuchungen ergeben: Diese Vorsichtmaßnahme allein reicht nicht aus. Die Gefahr einer Ansteckung mit HPV lässt sich bei konsequenter Anwendung von Kondomen zwar verringern, aber nicht gänzlich ausschließen: Humane Papillomaviren sind klein genug, um die Latexhülle zu durchdringen.

 

Diese Winzlinge sind der Auslöser

Humane Papillomaviren werden hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr übertragen. Wenn sie die Angriffe der Körperabwehr überstehen und sich in Zellen der Gebärmutterhalsschleimhaut einnisten, können sie Zellen auf Dauer verändern und langfristig Krebs auslösen. Besonders problematisch sind die Typen HPV 16 und HPV 18.

 

Auch für Ältere Frauen oft sinnvoll

Experten kämpfen dafür, dass die gesetzlichen Kassen die Impfung generell bezahlen – eben auch für ältere Frauen. Die Argumente: Selbst wenn Frauen schon oft Sex hatten, müssen sie sich nicht automatisch mit den Viren angesteckt haben. Zumindest nicht mit allen HPV-Typen, vor denen eine Impfung schützen kann. Demnach kann die Impfung z. B. für Frauen sinnvoll sein, die nach einer festen Beziehung einen neuen Partner haben. Außerdem stellte eine Studie fest: Bei Frauen über 42 wurden HPV-Infektionen öfter chronisch als bei jüngeren Frauen. Und chronische HPV-Infektionen sind die Hauptursache für Gebärmutterhals-Krebs.

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