Der Bauchschmerz-Atlas

Heftige Bauchschmerzen können harmlos, aber auch ein Hinweis auf schwere Krankheiten sein
Heftige Bauchschmerzen können harmlos, aber auch ein Hinweis auf schwere Krankheiten sein © shutterstock

Wo tut es weh? Und wie schmerzt es? Praxisvita erklärt, wie man verschiedene Beschwerden voneinander unterscheidet und was im Einzelfall zu tun ist.

 

Bauchspeicheldrüse

Ein heftiger Dauerschmerz, der sich gürtelartig um den Oberbauch legt und in den Rücken ausstrahlt, ist typisch bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Häufigste Ursache: Ein Gallenstein blockiert den Drüsenausgang. Infolgedessen stauen sich Verdauungssäfte und greifen das eigene Gewebe an. Gehen Sie sofort zum Arzt – Beschwerden der Bauchspeicheldrüse sind ein Notfall.

 

Magen

Es sticht, zieht, brennt oder krampft links oder mittig im Oberbauch? Dann haben Sie wahrscheinlich eine harmlose Magenverstimmung. Schmerzlinderung verschafft eine Wärmflasche, Kamillentee wirkt dem flauen Gefühl entgegen. Wenn die Beschwerden nicht weggehen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen: Es könnte eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür sein.

 

Gallenblase

Man spürt den Schmerz vor allem im rechten Oberbauch unter dem Rippenbogen. Er verläuft in wellenartigen Schüben und kann bis in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlen. Meist sind Gallensteine oder Entzündungen die Ursache. Eine Ultraschalluntersuchung bringt Klarheit. Im Ernstfall hilft ein kleiner Eingriff, bei dem die Gallenblase entnommen wird. Um Gallensteinen vorzubeugen, eignet sich eine cholesterinarme Ernährung mit wenig tierischen Fetten und vielen Ballaststoffen.

 

Blinddarm

Ein heftiger Schmerz, der in der Nabelgegend beginnt und in den rechten Unterbauch zieht, deutet auf eine Entzündung des Wurmfortsatzes hin (Anhängsel des Blinddarms). Möglichst zügig den Arzt aufsuchen – bei einer kleinen OP kann der Wurmfortsatz entfernt werden. Achtung: Zysten oder Entzündungen des Eierstocks können zu sehr ähnlichen Beschwerden führen – Aufschluss gibt eine Ultraschalluntersuchung.

 

Leiste

Starke Schmerzen im Unterbauch, direkt am Übergang zum Bein, sprechen für einen Leistenbruch. Dabei wird ein Darmabschnitt oder Fettgewebe in den Leistenkanal gedrückt (als Beule tastbar). Häufige Auslöser: Husten, Niesen oder schweres Tragen. Es sind vor allem Männer betroffen. Der Bruch wird in der Regel durch eine minimalinvasive OP behoben.

 

Wann muss ich zum Arzt?

  • Gehen Sie zum Hausarzt, wenn leichte Beschwerden länger als drei Tage dauern oder zunehmen.
  • Suchen Sie sofort eine Klinik auf, wenn Beschwerden plötzlich beginnen und immer heftiger werden.
  • Wenn der Bauch aufgebläht und hart ist und jede Berührung starke Schmerzen auslöst, sollten Sie einen Notarzt rufen.
  • Heftiges Erbrechen unter Beimischung von Blut ist ebenfalls ein Grund, den Notarzt zu alarmieren.
  • Wenn Sie bereits ein Magengeschwür hatten, lassen Sie selbst leichte Schmerzen untersuchen.
  • Auch bei starken Bauchschmerzen mit Fieber oder gelblich verfärbter Haut sollte man den Notarzt rufen.
 

Vorsicht, gefährliche Entzündungen

Immer mehr Menschen sind von einer Divertikulitis betroffen, vor allem über 50-Jährige. Dabei handelt es sich um Entzündungen harmloser Aussackungen der Darmwand (sogenannte Divertikel), die oft viel zu lange unerkannt bleiben – Reizdarm-Syndrom oder Zysten sind nur einige Fehldiagnosen. Divertikulitis äußert sich akut als heftiger Schmerz im linken Unterbauch – und kann lebensgefährlich werden, wenn ein Stück Darmwand durchbricht und Stuhl in den Bauchraum gerät. Dann hilft nur noch eine Not-OP. Bleibt es bei der Entzündung, werden Patienten stationär mit Antibiotika behandelt. Häufige Entzündungen können zu einem Darmverschluss führen – auch dann ist eine OP zwingend nötig.

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