Der Atlas der Herzgesundheit Teil 2: Die besten Experten-Tipps für Ihr Herz

Prof. Dr. Hans-Joachim Schäfers
Der Herzspezialist Prof. Dr. Hans-Joachim Schäfers erklärt, wie unser Herz lange jung und gesund bleibt © privat

Der Spezialist Prof. Dr. Hans-Joachim Schäfers erklärt, wie unser Herz lange jung und gesund bleibt.

„Eigentlich bräuchte jeder von uns eine Art Handbuch für Herzbesitzer", sagt der Herzchirurg Prof. Schäfers von der Uniklinik des Saarlands. Tatsächlich ist unser Herz das wichtigste Organ des Körpers. Im Dauereinsatz pumpt es täglich Tausende Liter Blut durch den Körper und schlägt im Laufe eines Lebens durchschnittlich etwa drei Milliarden Mal. Doch die meisten Menschen tun kaum etwas für Ihre Herz-Fitness. „Dabei sind viele Dinge ganz einfach und überhaupt nicht anstrengend", sagt Prof. Schäfers. „Zum Beispiel die richtige Bewegung."

 

90 Minuten pro Woche können Ihr Leben um zwei Jahre verlängern

Mittlerweile belegt eine ganze Reihe von Studien den positiven Effekt von Bewegung auf das Herz. Die Gefahr von Infarkten, aber auch Schlaganfällen und Thrombosen sinkt dadurch rapide. Und das beste daran: Sie müssen nicht zum Top-Sportler werden, bereits etwa 90 Minuten wöchentlich reichen völlig aus. Unternehmen Sie zügige Spaziergänge, fahren Sie Fahrrad oder gehen Sie schwimmen – solange Sie sich dabei noch unterhalten können, ist das Tempo nicht zu hoch. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass wir so unser Leben um mehr als zwei Jahre verlängern können, denn das Herz bleibt länger belastbar.

Sandwich verengt die Adern
Eine US-Studie zeigt, dass sich die Adern unmittelbar nach dem Verzehr eines Sandwiches um 24 Prozent verengen – das Infarktrisiko steigt dadurch vor allem nachts deutlich an© shutterstock
 

Abends kein Sandwich mehr

Ob ich das fettige Sandwich mit Wurst, Eiern oder Käse morgens oder abends esse, bedeutet für mein Infarktrisiko einen massiven Unterschied. Eine US-Studie zeigt, dass sich die Adern unmittelbar nach dem Verzehr um 24 Prozent verengen – gefährlich ist das vor allem nachts. Denn dann sind unsere Gefäße schwächer. Außerdem richtet ein Herzinfarkt nachts in der Regel mehr Schaden an.

 

Schlafen Sie ruhig

Es gibt kaum etwas, das unserem Herzen so guttut wie Ruhe und erholsamer Schlaf. Umgekehrt kann Lärm die Elastizität der Blutgefäße verringern und so einen Infarkt oder Schlaganfall begünstigen. Daher wichtig: Mindestens sechs bis sieben Stunden jede Nacht schlafen. Studien zeigen, dass Ohrstöpsel die Schlafqualität deutlich verbessern können. Denn entgegen der lange verbreiteten Annahme, dass wir immer eine Art Hintergrundrauschen benötigen, schlafen wir nahe null Dezibel am besten.

Udo Lindenberg unterstüzt die Initiative Magical Hearts © privat
 

Fitness auch nach Herzoperation

„Das Gute an diesen Tipps ist: Auch Menschen mit angeborenem oder bereits operiertem Herzfehler können davon profitieren, ohne ein Risiko einzugehen", sagt Prof. Schäfers. Das gilt besonders für Kinder. Denn nur durch die regelmäßige Bewegung kann sich eine gesunde Herzfunktion entwickeln. Daher rät der Chirurg allen ängstlichen Eltern dazu, ihre Kinder trotz Herz-OP ganz normal spielen zu lassen. So wie denen von Juan-Diego. Schon bei der Geburt des jungen Kolumbianers stellten Ärzte fest, dass sein Herz einen zweiten Aortenbogen gebildet hatte, der die Luft- und die Speiseröhre regelrecht zusammenschnürte. Die einzige Lösung war die Entfernung des zusätzlichen Aortenbogens. Das Problem: In Juan-Diegos Heimatstadt gab es keine Herzklinik, die die Operation anbot. Aber Hilfe kam aus Deutschland. Im Rahmen der Initiative Magical Hearts (www.magicalhearts.org) flog Prof. Schäfers persönlich nach Kolumbien, um Juan-Diegos Herz zu retten. Schon fünf Tage später durfte der Junge gesund zu seinen Eltern nach Hause.

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