Der Atlas der Herzgesundheit 1. Teil: Herzoperationen

Prof. Dr. Hans-Joachim Schäfers
Der Herzspezialist Prof. Dr. Hans-Joachim Schäfers erklärt, wie unser Herz lange jung und gesund bleibt © privat

Der Herzspezialist Prof. Dr. Hans-Joachim Schäfers stellt die erfolgreichsten Operationsmethoden vor.

Jedes Jahr tragen 60 000 Menschen die gleiche Angst in ihrem kranken Herzen – eine Angst, die ihnen den Schlaf raubt, und die sie den unvermeidlichen Eingriff immer wieder aufschieben lässt: die Angst vor der Bypass-Operation. Eine zwar durchaus verständliche, aber völlig unbegründete Furcht. Denn Bypässe sind der Goldstandard – und das Risiko liegt für ansonsten gesunde Menschen bei fast null Prozent. Die Alternativen dazu sind eine Ballonaufdehnung oder der Einsatz eines Stents. In beiden Fällen wird das verstopfte Gefäß mechanisch wieder geweitet, sodass Blut hindurchfließen kann.

Aber: Die bei einer Bypass-OP verpflanzten Gefäße bleiben länger offen als eine per Katheter geweitete und mit einer Gefäßstütze (Stent) abgesicherte Ader. Und man muss nicht sein Leben lang blutgerinnungshemmende Arzneien schlucken, wie Stent-Träger es tun müssen. Natürlich ist die Herzoperation ein großer Eingriff, und die nachoperativen Schmerzen im Brustkorb sind nicht angenehm – aber danach hat der Patient viele Jahre Ruhe.

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Bypass-Operationen sind zwar aufwendig, aber das Risiko ist geringer als beim Einsetzen eines Stents. Außerdem müssen nicht ein Leben lang blutgerinnungshemmende Arzneien geschluckt werden© imago

Sinnvoll ist die Operation immer dann, wenn eine schwer fortgeschrittene Verkalkung der Herzkranzgefäße vorliegt, wenn ein Gefäß verschlossen ist oder wenn der linke Hauptstamm mitbetroffen ist. Der versorgt ungefähr Dreiviertel des Herzens mit Blut, deshalb sollte bei einer Verengung direkt die Bypass-Operation vorgenommen und gar nicht erst versucht werden, mit einer Ballonaufdehnung die Verengung zu beheben.

Bei einer frühen Erkennung einer Gefäßerkrankung des Herzens gibt es hingegen Wege, das Rad zurückzudrehen, sodass es gar nicht erst zu einer OP kommen muss. Durch das konsequente Ausschalten sämtlicher Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Rauchen und zu viel Stress, durch Bewegungstraining und durch eine Umstellung der Ernährung kann man das Fortschreiten der Verkalkung aufhalten. Deshalb ist die Früherkennung so ungeheuer wichtig. Und die Anzeichen spüren die meisten Betroffenen: Herz- und Brustschmerz, der auf den Oberbauch, häufig auch auf den linken Arm ausstrahlen kann, Beklemmungsgefühle, manchmal Herzrasen und Schweißausbrüche. Diese Symptome treten vor allem unter Belastung auf und sollten sofort mit einem Kardiologen besprochen werden. Es gibt allerdings auch Herzprobleme, die sich ausschließlich durch eine komplizierte Operation heilen lassen.

Magical Heart konnte Juan-Diegos Herz retten
Magical Heart konnte Juan-Diegos Herz retten© privat
 

Doppelter Aortenbogen: Wenn das Herz die Luft abschnürt

Ein solcher Fall liegt bei dem gerade mal 15 Monate alten Juan-Diego vor. Schon bei der Geburt stellen Ärzte fest, dass sein Herz einen zweiten Aortenbogen gebildet hat. Er umschließt die Luft- und die Speiseröhre und schnürt sie regelrecht zusammen. Die Folge: Atemprobleme und Schluckstörungen. Die einzige Lösung ist eine Entfernung des zusätzlichen Aortenbogens. Das Problem: Das OP-Verfahren ist kostspielig und sollte nur durch Spezialisten durchgeführt werden. In Juan-Diegos Heimatstadt in Kolumbien existiert keine Herzklinik, die die Operation anbietet. Außerdem fehlt das Geld: Ein funktionierendes Versicherungssystem gibt es nicht. Aber Hilfe kommt aus Deutschland. Im Rahmen der Initiative Magical Hearts (http://magical-hearts.org/) fliegt Prof. Dr. Schäfers persönlich nach Kolumbien, um Juan-Diegos Herz zu retten. Schon nach fünf Tagen darf der Junge gesund zu seinen Eltern nach Hause.

 

OP ohne Skalpell

Viele Herzprobleme können heute operativ behandelt werden, ohne dass eine OP am offenen Herzen mit Anschluss des Patienten an eine Herz-Lungen-Maschine notwendig ist. Der Operateur setzt lediglich einen kleinen Schnitt an der Leiste und führt über die Vene einen Katheter zum Herzen. Damit kann er beispielsweise eine neue Herzklappe einsetzen.

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