Der Ablauf einer künstlichen Befruchtung 

Michelle Kröger Medizinredakteurin
Eltern mit Baby
© AleksandarNakic
Inhalt
  1. Was ist eine externe künstliche Befruchtung?
  2. Ablauf einer ICSI oder IVF
  3. Was ist eine interne künstliche Befruchtung?
  4. Ablauf einer Insemination (Samenübertragung)

Sie haben Fragen zum Ablauf einer künstlichen Befruchtung? Wir haben die Antworten. Hier erklären wir Ihnen, wie bei den unterschiedlichen Methoden der assistierten Reproduktion vorgegangen wird. 

Manche Paare können nur durch eine künstliche Befruchtung ein eigenes Kind bekommen. Doch wie läuft eine künstliche Befruchtung eigentlich genau ab? Auf dem Gebiet der künstlichen Befruchtung, auch assistierte Reproduktion genannt, haben sich im Laufe der Zeit einige Verfahren etabliert, die zur Befruchtung der Eizelle beitragen. Generell wird zwischen der externen und der internen künstlichen Befruchtung unterschieden. Wir erklären, wie bei den unterschiedlichen Methoden vorgegangen wird. 

Befruchtung einer Eizelle
Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)  ist eine Form der künstlichen Befruchtung© iStock/ugurhan
 

Was ist eine externe künstliche Befruchtung?

Bei einer externen künstlichen Befruchtung findet die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle außerhalb des weiblichen Körpers statt. Es wird eine Eizelle entnommen und im Labor in einem Reagenzglas mit einer Samenzelle zusammengeführt. Folgende Methoden haben sich etabliert: 

  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Die Spermien werden in ein Reagenzglas gegeben und suchen sich selbst den Weg in die Eizelle.
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Die Spermien werden in die Eizelle injiziert. Nach erfolgreiche Befruchtung der Eizelle wird sie wieder in den weiblichen Körper eingepflanzt. 
 

Ablauf einer ICSI oder IVF

Es ist zu erwähnen, dass jede künstliche Befruchtung auf ihre Weise individuell abläuft, angepasst an den Körper der Frau. Dennoch folgen die unterschiedlichen Methoden generellen Abläufen, die wir im Weiteren erläutern möchten.

1. Hormonbehandlung

Bei einer In-vitro-Fertilisation (IVF) sowie einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird meist zu Beginn die Hormonausschüttung gebremst (Down Regulation). Auf diese Weise wird verhindert, dass ein vorzeitiger Eisprung stattfindet. Dies geschieht mittels spezieller Medikamente (sogenannte GnRH-Analoga). Diese Medikamente können auch, je nach Diagnose, nach einigen Tagen der Stimulation  (im kurzen Protokoll) angeordnet werden.

Rund 14 Tage später erfolgt die hormonelle Stimulation der Eierstöcke, um die Eierstöcke anzuregen und mehrere Eibläschen gleichzeitig reifen zu lassen. Es folgen mehrere Kontrolluntersuchungen, um zu überprüfen, ob eine oder mehrere Eizellen herangereift sind. Sobald dies der Fall ist, wird ein Eisprung ausgelöst. Rund 36 Stunden später werden die Eizellen unter Narkose entnommen. Doch die Patientin kann meistens schon zwei bis vier Stunden nach dem ambulanten Eingriff wieder nach Hause gehen. 

2. Entnahme der Spermien

Am Tag der Eizellentnahme bedarf es außerdem einer oder mehrerer Samenzellen. Damit diese frisch sind, masturbiert der Mann am Tag der künstlichen Befruchtung in einem Raum der Kinderwunschklinik. Anschließend wird die Samenflüssigkeit im Labor aufbereitet, um die Befruchtungsfähigkeit zu verbessern. 

3. Künstliche Befruchtung im Labor

Wenn die Samenflüssigkeit ausreichen im Labor aufbereitet wurde, bringt man Eizelle und Samen zusammen (In-vitro-Fertilisation, kurz: IVF) oder injiziert die Samenzelle in die Eizelle (intrazytoplasmatische Spermieninjektion, kurz: ICSI). Die Eizelle wird anschließend in einem Brutschrank aufbewahrt und dann bei erfolgreicher Befruchtung zwei bis fünf Tage nach der Eizellentnahme wieder in die Gebärmutter eingesetzt. Dies geschieht mittels eines dünnen Katheter durch die Scheide. Es besteht die Möglichkeit weitere befruchtete Eizellen einzufrieren, falls der erste Versuch nicht von Erfolg gekrönt wird. 

 

Was ist eine interne künstliche Befruchtung?

Im Gegensatz zur externen werden die Spermien bei einer internen künstlichen Befruchtung in den weiblichen Körper gebracht. Dieser Vorgang wird auch als Insemination (Samenübertragung) bezeichnet. Die Methoden unterscheiden sich nur im Zielort der Samen: 

  • Intrauterine Insemination (IUI): Die Spermien werden direkt in der Gebärmutter abgeladen. 
  • Bechermethode: Die Spermien werden in die geöffnete Vagina gespritzt. 
  • Intratubarer Gametentransfer (GIFT): Mischform aus Insemination (Samenübertragung) und In-vitro-Fertilisation (IVF). Sowohl Samenzellen als auch Eizellen werden gleichzeitig in den Eileiter eingebracht. 
Frau gibt sich Spritze
Medikamente sollen die Eizellenreifung anregen. © September15
 

Ablauf einer Insemination (Samenübertragung)

1. Hormonbehandlung

Im Rahmen der Insemination wird am häufigsten die Intrauterine Insemination (IUI) angewendet, bei der die Samenzelle direkt in die Gebärmutter übertragen wird. Zu Beginn werden – ähnlich wie bei den Methoden der externen künstlichen Befruchtung – die Eierstöcke hormonell stimuliert. Dies geschieht mithilfe von Medikamenten, die die Eizellreifung anregen. Bluttests und Ultraschall-Untersuchungen geben Auskunft über Größe und Reifestadium des Eis. 

2. Auslösung des Eisprungs und Samenentnahme

Ist der richtige Zeitpunkt gekommen, wird ein Eisprung ausgelöst. Spätestens 36 Stunden später kommt es dann zur Samenübertragung. Hierzu wird frisches Sperma benötigt, weshalb der Mann am besten vor Ort in einem speziell dafür gedachten Raum der Klinik masturbiert. 

3. Samenübertragung

Das bereitgestellte Sperma wird anschließend im Labor aufbereitet und so viele befruchtungsfähige Samenzellen wie möglich herausgefiltert. Durch einen dünnen Katheter gelangen die Samenzellen nun in die Gebärmutter. Im Anschluss bleibt die Patientin noch rund 15 Minuten liegen, damit die Chance einer Befruchtung erhöht wird. 

Es ist auch möglich, das Sperma in einer Kappe bzw. einem Becher (Bechermethode) vor den Muttermund zu bringen. Hierbei wird die Samenflüssigkeit nicht vorher im Labor aufbereitet. Die Erfolgschancen dieser Methode fallen deutlich geringer aus. 

Was kostet eine künstliche Befruchtung – und wie viel übernimmt die Krankenkasse? Das erfahren Sie in diesem Artikel. 
 

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