Depressionen selbst erkennen mit der neuen Moodpath-App

Moodpath-App
Die Moodpath-App ermöglicht es Ihnen, Ihre Stimmung zu verfolgen und gezielt Symptome der Depression zu erkennen © Moodpath

Die App Moodpath soll bei der Früherkennung von Depressionen helfen. Moodpath Gründer Mark Goering über das neue, interaktive Depressions-Screening, das eine fundierte Einschätzung Ihrer psychischen Gesundheit verspricht.

1. Depressionen per App erkennen – wie soll das funktionieren?

Wer unter einer Depression leidet, hat über einen längeren Zeitraum konkrete Symptome, wie Schlaflosigkeit oder Schuldgefühle. Diese Symptome sind erforscht und von der klinischen Praxis klar definiert worden. Man kann sie erfragen und in ihrer Schwere einschätzen. Die App begleitet den Nutzer, stellt eine Reihe von Fragen und wertet die Angaben aus. Durch die App ist es möglich, diese Punkte in Echtzeit zu ermitteln – ein Vorteil gegenüber der standardmäßigen, zeitlich verschobenen Datenerhebung.

Moodpath-App-Gründer Mark Goering
Mitgründer der Moodpath-App: Mark Goering© Moodpath

2. Woher stammt die Idee für die App?

Während meiner Ausbildung zum Psychotherapeuten in einer Klinik ist mir aufgefallen, dass auch schwer depressive Patienten das Smartphone oft griffbereit hatten. Ich wusste von der starken Unterversorgung in der Früherkennung. Die existierenden Angebote sorgen leider weder für eine adäquate Erkennung von Depressionen noch für den notwendigen Transfer in die Behandlung. 2017 wird es allein in Deutschland über 50 Millionen Smartphone-Nutzer geben. Mit Moodpath wollen wir eine qualifizierte Einschätzung der eigenen psychischen Gesundheit ermöglichen, entstigmatisieren und aufklären. Außerdem erleichtern wir den Einstieg in die reguläre Versorgung durch Ärzte, Psychotherapeuten und Kliniken, indem wir den Nutzern, wenn nötig, Empfehlungen für eine Behandlung geben.

3. An wen richtet sich die App?

Moodpath richtet sich an alle, die einen genaueren Blick auf den Verlauf ihres psychologischen Wohlbefindens werfen wollen. Auch für Menschen, die sich schon konkret mit der Frage beschäftigen, ob sie unter einer Depression leiden, ist Moodpath geeignet. Mit dem „Arztbrief“ erleichtern wir das Erstgespräch mit einem Arzt oder Therapeuten. Die Ergebnisse der App können ab Anfang 2017 über eine Plattform mit Ärzten und Therapeuten geteilt werden. Wir wollen insbesondere Hausärzte ermutigen, Moodpath in den Behandlungsalltag zu integrieren und so die Früherkennung von Depressionen zu verbessern.

4. Kann die App auch genutzt werden, um einen Burnout zu diagnostizieren?

Wer fürchtet, an einem Burnout zu leiden, kann die Moodpath-App in jedem Fall nutzen. Ein Burnout wird in der Fachwelt nicht als ein eigenständiges Krankheitsbild definiert. Menschen, die sich überlastet und ausgebrannt fühlen, sind aber besonders gefährdet, eine Depression zu entwickeln. Moodpath ist geeignet, um genau das zu überprüfen und wenn nötig, die nächsten Schritte in die Therapie zu gehen. Auf unserem Blog haben wir einen Artikel zum Thema Burnout veröffentlicht, in dem wir uns unter anderem mit den Unterschieden zur Depression beschäftigen (https://www.moodpath.de/burnout-und-depressionen/). 

5. Welche Fragen werden den Benutzern gestellt? Nach welchen Kriterien wurden diese zusammengestellt?

Der Nutzer wird zum Beispiel gefragt, wie er geschlafen hat, ob sich etwas am Appetit verändert hat, ob er sich durchgängig traurig oder scheinbar grundlos schuldig fühlt. Die Fragen orientieren sich an internationalen Diagnostik-Standards (ICD-10, DSM-V, AMDP-System).

6. Wie viele Fragen müssen die Anwender über 14 Tage beantworten?

Der Nutzer erhält täglich morgens, mittags und abends jeweils drei Fragen. Die App basiert auf einem adaptiven Algorithmus der sicherstellt, dass auch bei verpassten Fragen am Ende genug Informationen für die Auswertung vorliegen.

7. Warum dauert das Screening 14 Tage?

Eine Depression ist keine Momentaufnahme. Die Kriterien zur Diagnose von Depression sind in der ICD-10, der Internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten, genau definiert: Demnach muss eine bestimmte Kombination und Anzahl von Symptomen über die Dauer von mindestens 14 Tagen vorliegen, um eine Depression zu diagnostizieren.

Das Team hinter Moodpath
Das Team hinter Moodpath© Moodpath

8. Wie kommt das Ergebnis am Ende der Fragen zustande?

Das Ergebnis wird anhand von einem Algorithmus automatisch berechnet, basierend auf den festgelegten Diagnosekriterien des ICD-10. Dieser erlaubt das Erkennen von Depressionen und die Einschätzung des Schweregrades. Eine tatsächliche Diagnose, inklusive der Patientenrechte und Behandlungspflichten, kann nur in der Interaktion zwischen einem Arzt oder Psychotherapeuten und dem Patienten gestellt werden. Der Nutzer bekommt von uns am Ende eine fundierte Auswertung bezüglich einer möglichen Depression und eine Einschätzung des Schweregrades. Damit ist das Ergebnis unseres Screenings deutlich aussagekräftiger als andere „Selbsttests“ zu Depression.

9. Und was passiert dann?

Nach der Auswertung kann das Ergebnis als „Arztbrief“ heruntergeladen und ausgedruckt werden. Dieser Brief kann dann zum Erstgespräch bei einem Arzt oder Psychotherapeuten mitgebracht werden. Wir wollen dem Nutzer damit den Einstieg in die Behandlung erleichtern und die Sorge nehmen, „nicht zu wissen was und wie man es sagen soll“.

Nutzer der Moodpath-App
Der Nutzer der Moodpath-App erhält drei Fragen am Tag und wird zum Beispiel gefragt, wie er geschlafen hat oder ob sich etwas am Appetit verändert hat© Moodpath

Wir arbeiten gerade gemeinsam mit unseren klinischen Partnern an einer Erweiterung der App, die dem Nutzer im Anschluss an die Erhebung ein personalisiertes Trainingsprogramm an die Hand gibt. Diese Übungen werden konkrete Symptome ansprechen, zum Beispiel zur Verbesserungen des Schlafs, zu besserem Umgang mit Stress oder zur Infragestellung negativer Gedankenmuster. Die Übungen können alleine oder gemeinsam mit einem Therapeuten als Ergänzung einer Therapie eingesetzt werden. Sie sind so ausgelegt, dass sie sich in den Alltag der Nutzer einbinden lassen.

10. Stehen auch Psychologen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung?

Wir bieten momentan ein persönliches Beratungsgespräch an, das den Nutzer über Behandlungsmöglichkeiten informiert und bei der Suche nach Ärzten und Therapeuten unterstützt.

11. Wie teuer ist die App?

Die Moodpath-App zur Erhebung der Symptome ist kostenlos. Ab dem Frühjahr 2017 werden wir die angesprochenen, optionalen Übungen hinzufügen, die monatlich einen geringen Betrag kosten werden. Die App kann im App Store für iPhones und iPads heruntergeladen werden. Die Android-Version ist momentan in Arbeit und wird nächstes Jahr erscheinen.

Im Interview: Mark Goering

Mark Goering ist klinischer Psychologe. Der Psychologe und sein Mitgründer – Felix Frauendorf – haben mit Moodpath eine App entwickelt, um Symptome einer Depression zu identifizieren und von kurzzeitigen Stimmungstiefs abzugrenzen. Moodpath ist ein CE-zertifiziertes Medizinprodukt. Website: https://www.moodpath.de/

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