Depressionen bei Kindern durch Druck in der Schule?

Depression durch Druck in der Schule
Schon Kinder können eine Depression entwickeln, etwa wenn sie mit dem Druck in der Schule überfordert sind © Fotolia

Die Lehrer fordern, die Klassenkameraden hänseln und schubsen: Immer öfter klagen schon Kinder über Druck und Stress in der Schule. Das hat Folgen – und kann bis zur Depression führen.

 

Jeder vierte Zweit- und Drittklässler leidet bereits unter Stress

Bereits jeder vierte Zweit- und Drittklässler leidet oft unter Stress – wegen des Drucks im Unterricht und wegen mobbender Mitschüler.

Jeder hat etwas zu berichten, das die Zahlen untermauert – manches als Eltern erlebt, manches bei Freunden beobachtet. Etwa die Geschichte eines sechsjährigen Mädchens, das vier Wochen nach der Einschulung aus Angst nicht mehr zur Schule gehen will – weil die Lehrerin ihr immer wieder sagt, sie sei zu langsam. Und dann der Achtjährige, begabter Stürmer, aber kein Mathe-Ass. Um die Versetzung zu schaffen, bekommt er sonntags Nachhilfe – obwohl er dann eigentlich mit Kumpeln den Pokal beim Hallenturnier jagen will. Und nicht zuletzt die Geschichte der Neunjährigen, die auf dem Schulhof getreten wird. Unglaublich! Und Grund genug, einmal bei Diplom-Pädagoge Philipp Möller nachzufragen, ob solche Erfahrungen die Regel sind – und wie man reagieren kann.

 

"Viele Kinder leiden – das kann bis hin zur Depression gehen"

Im Interview über die aktuellen Probleme an Grundschulen: Philipp Möller, Diplom-Pädagoge und Bestseller-Autor.  

Sie haben zwei Jahre als Lehrer die Jüngsten unterrichtet. Wie unterscheidet sich die Grundschule heute von der, die Sie als Kind selbst erlebt haben?

Zuerst einmal ist es extrem viel lauter. Als Lehrer habe ich mich immer gefragt, wie die Kinder das aushalten. Dann ist der Ton untereinander um einiges rauer. Ich hatte früher als eher schüchterner Junge Angst vor einem einzigen Mitschüler. Heute sind es viele, die beschimpfen und auch schlagen und sich prügeln. Dazu ist das Leistungsgefälle viel größer: Während an vielen Schulen die Kinder wirklich beinahe nichts mehr lernen, herrscht an anderen Bildungsbulimie: Schüler werden vollgestopft mit so viel Wissen, wie irgend geht – und müssen es dann in Tests wieder herauswürgen.

Wie reagieren die Kinder?

Einige Kinder bekommen Bauch und Kopfweh oder Schlafstörungen. Andere werden selbst aggressiv. Und wenn sie nach kurzer Zeit schon aus Angst nicht mehr zur Schule gehen wollen, dann leiden sie in einem Maße, dass diese Kinder unter Umständen sogar Depressionen entwickeln können.

Was kann ich denn tun, wenn ich merke, mein Kind muss Druck und Mobbing aushalten?

Reden, reden, reden! Als Erstes sollte man versuchen, so viel wie möglich von dem Kind zu erfahren. Was erlebt es in der Klasse, wer mobbt es, was genau an Arbeit ist ihm zu viel? Dann muss man auf jeden Fall mit dem Lehrer reden: Hausaufgaben etwa können und sollten individuell vergeben werden – ein Kind lernt schnell, ein anderes langsamer. Und wenn Kinder immer frustriert davorsitzen, am besten noch mit Eltern im Nacken, die sich um die Zukunft sorgen, ist der Lernerfolg gleich null. Auch sollte man darauf bestehen, dass Lehrer Konsequenzen gegenüber Schülern ziehen, die andere mobben.

Und was, wenn die auf stur schalten?

Hilft auch der Gang zum Direktor nicht. Lieber Klasse oder Schule wechseln. Das ist für kleine Kinder nicht schön, aber besser als Angst.

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.