Depression: So gefährlich für das Herz wie Übergewicht

Carolin Banser
Depressive Frau
Eine Depression hat einen ähnlich negativen Effekt auf das Herz wie Übergewicht und zu hohe Cholesterinwerte © istock

In welchem Maße gefährden Depressionen das Herz wirklich? Deutsche Forscher sind dieser Frage jetzt auf den Grund gegangen.

Für Menschen mit Depressionen ist das Leben ein großer Kampf. Die Betroffenen leiden unter Erschöpfung und Antriebslosigkeit, Panikattacken, Angstgefühlen, können nicht mehr lachen und ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. Im Extremfall haben Betroffene Selbstmordfantasien. Doch eine Depression schlägt nicht nur auf die Psyche, sondern wirkt sich auch negativ auf den körperlichen Zustand aus.

Einer neuen Studie zufolge bergen Depressionen ein ähnlich hohes Risiko für Herzerkrankungen wie ein erhöhter Cholesterin-Spiegel oder Fettleibigkeit. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Helmholtz Zentrums München in Zusammenarbeit mit Kollegen der Technischen Universität München (TUM) und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).

Wenn die Psyche leidet, leidet auch das Herz

Dass Traurigkeit, Kummer und Angstgefühle dem Herzen schaden, liegt nahe. Die Frage ist jedoch, wie stark sich eine Depression auf die Entwicklung einer Herzerkrankung auswirken kann. Um diese Frage zu beantworten, analysierten Gruppenleiter Karl-Heinz Ladwig vom Institut für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München und sein Team Daten von 3.428 Patienten im Alter zwischen 45 und 74 Jahren. Deren Verlauf beobachteten die Wissenschaftler über zehn Jahre hinweg. Als Grundlage diente die sogenannte MONICA/KORA-Studie. Bei dieser Langzeituntersuchung – sie umfasst 30 Jahre – steht die Entwicklung der seelischen und körperlichen Gesundheit von tausenden von Teilnehmern in Europa im Fokus.

Depression erhöht die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 15 Prozent

In ihren Analysen vergleichen die Forscher die Depression mit den vier größten Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung – Adipositas, Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Rauchen –, um herauszufinden, welcher Faktor den größten Einfluss auf das Herz hat. Das Ergebnis: Eine Depression erhöht die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 15 Prozent. Das Risiko, eine tödliche Herzerkrankung zu erleiden, ist damit vergleichbar hoch wie bei den Risikofaktoren Fettleibigkeit und hohe Cholesterinwerte. Noch höher ist das Risiko der Studie zufolge nur noch bei Bluthochdruck und Rauchen.

Psychokardiologie – an der Schnittstelle zwischen Herz und Psyche

Nicht immer schädigen Depressionen das Herz. Manchmal entwickelt sich eine psychische Störung auch aus einer Herz-Kreislauf-Erkrankung heraus. Wie das mit einander zusammenhängt, erklären Dr. Boris Leithäuser und die Verhaltenstherapeutin Sabine Wery von Limont in einem Interview.

So können Sie Ihr Herz schützen

Gehen Sie in die Sauna

Wer in die Sauna geht, tut nicht nur etwas für sein Wohlbefinden, sondern auch für die Herz-Gesundheit. Warum? Der Wechsel von Hitze und Abkühlung stärkt unser Herz-Kreislauf-System und senkt einen erhöhten Blutdruck. Auch die Sauerstoff-Versorgung des Herzens wird dadurch verbessert. Ärzte empfehlen bis zu drei Sauna-Gänge pro Woche.

Machen Sie Entspannungsübungen

Bereits eine Stunde Stress am Tag erhöht die Konzentration von Cortisol im Blut. Und das wiederum ist für die Entstehung einer Arteriosklerose verantwortlich. Forscher der American Heart Association raten, viermal pro Woche 15 Minuten lang Entspannungsübungen wie Yoga oder progressive Muskelentspannung durchzuführen. Das reduziert das Herzinfarkt-Risiko.

Bewegen Sie sich ausreichend

Wer fünfmal pro Woche 45 Minuten lang spazieren geht, senkt sein Risiko für einen Herzinfarkt um die Hälfte. Das ist das Ergebnis einer Studie der American Heart Association. Der Grund: Regelmäßiger, leichter Ausdauersport stärkt den Herzmuskel und fördert die Lungenfunktion. Ein täglicher Spaziergang (30 Minuten) wirkt wie ein Antidepressivum. Nebenbei wird durch das Sonnenlicht auch der Vitamin-D-Speicher aufgefüllt. Er spielt u. a. bei der Produktion des Glückshormons Serotonin eine große Rolle. In der dunklen Jahreszeit ist es ratsam, zusätzlich Vitamin-D-Präparate (Apotheke, mindestens 1 000 IE täglich) einzunehmen.

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