Depression oder Demenz?

Carolin Banser
Mann mit Demenz
Für Experten sind Demenz und Depression häufig nicht leicht zu unterscheiden, weil sich die Symptome beider Erkrankungen ähneln © Fotolia

Bei jüngeren Menschen ähneln sich Depressionen und eine beginnende Demenz sehr stark. Die Folge sind Fehldiagnosen, die fatale Auswirkungen auf die Lebenszeit haben können. Praxisvita hilft: So lässt sich die Demenz in jungen Jahren erkennen.

In den USA sorgt der Fall eines jungen Mannes für Aufsehen, bei dem erst die achte Untersuchung die Diagnose brachte: Frontotemporale Demenz (FTD). Bei diesem Krankheitsbild – Mediziner bezeichnen es auch als Pick-Krankheit oder Morbus-Pick – bleibt das Gedächtnis weitgehend erhalten. Vielmehr lassen sich fortschreitende Veränderungen der Persönlichkeit und der sozialen Verhaltensweisen (z.B. Aggressivität, Taktlosigkeit, maßloses Essen, Teilnahmslosigkeit) bei den Betroffenen feststellen. Erst im Spätstadium ähnelt die FTD einer Alzheimererkrankung, bei der die Gedächtnisstörungen aber nicht so stark ausgeprägt sind.

 

FTD wird häufig mit psychischen Störungen verwechselt

Die Frontotemporale Demenz (FTD) gehört zu den seltenen Formen der Demenz, bei der der Abbau von Nervenzellen zunächst im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns stattfindet. Von hier aus werden vor allem Emotionen und das Sozialverhalten kontrolliert. Sie wird häufig mit psychischen Störungen wie Depressionen, Manie oder Schizophrenie verwechselt, weil sich viele Betroffene auffällig und unsozial verhalten. Die FTD tritt normalerweise früher auf als die Alzheimer-Krankheit, meistens schon zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr oder noch früher (zwischen 20 und 85 Jahren). Verantwortlich machen die Wissenschaftler für die Erkrankung einen Gendefekt. Die medikamentöse Behandlung zielt derzeit darauf ab, die Verhaltensauffälligkeiten der Patienten zu mildern. Heilbar ist eine FTD bislang jedoch nicht.

 

Demenz oder Depression – so erkennen Sie den Unterschied!

Anzeichen für eine Frontotemporale Demenz

Entscheidend für eine Frontotemporale Demenz sind frühe auffällige Verhaltensweisen, wie Impulsivität, ein sozialer Rückzug, eine emotionale Verarmung (Gleichgültigkeit), eine vermehrte Ablenkbarkeit sowie eine Vernachlässigung der persönlichen Pflege und Hygiene. Im weiteren Verlauf der Erkrankung entwickeln sich Störungen der Sprache, die sich in Wortfindungsstörungen, Benennungsstörungen, Sprachverständnisstörungen und fehlendem Mitteilungsbedürfnis äußern. Später kommen körperliche Zeichen wie Inkontinenz, primitive Reflexe und ein niedriger Blutdruck hinzu. Weitere mögliche Symptome sind Heißhunger und Tics: Viele Betroffene wiederholen soeben Gehörtes wie ein Echo. Bei Demenz handelt es sich zudem um eine schleichende Erkrankung.

Anzeichen für eine Depression

Treten die Symptome recht plötzlich auf, spricht dies eher für eine Depression. Missmutigkeit, Pessimismus und  Antriebslosigkeit sind meistens Zeichen für eine depressive Verstimmung. Depressionen werden häufig durch belastende Lebensereignisse und -umstände angestoßen. Ebenso gehen Trauerreaktionen häufig in behandlungsbedürftige Depressionen über. Hinzu kommen können körperliche Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen, innere Unruhe oder Appetitlosigkeit. Während Demenzkranke ihre Symptome häufig herunterspielen oder verbergen, bedauern depressive Menschen ihren Zustand, indem sie z.B. über Versagensängste klagen oder zu verstehen geben, dass sie viele Dinge im Leben nicht mehr allein auf die Reihe bekommen.

Hamburg, 16. April 2015

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