Demenz im Frühstadium: Sport besser als Medikamente

Redaktion PraxisVITA
Senioren beim Training
Krafttraining ist eine Komponente des Anti-Demenz-Programms, das skandinavische Forscher jetzt entwickelt haben © Fotolia

Im Kampf gegen Demenz wirkt ein gesunder Lebensstil nachhaltiger als Medikamente – das zeigt eine aktuelle skandinavische Studie.

Bewegung und gesunde Ernährung helfen bei der Demenz-Prävention, das ist bekannt. Doch wirkt ein gesunder Lebensstil auch noch, wenn bereits die ersten Erinnerungslücken aufgetreten sind? Das untersuchte ein skandinavisches Forscherteam in einer aktuellen Studie.

Dazu teilten sie 1.260 Probanden im Alter von 60 bis 77 Jahren – alle mit ersten Gedächtnislücken – in zwei Gruppen ein. Während eine ein intensives Präventionsprogramm befolgte, behielt die zweite Gruppe ihre bisherigen Lebensgewohnheiten bei. Das Programm bestand aus drei- bis fünfmal pro Woche Ausdauertraining wie Gymnastik, Aqua Jogging, Nordic Walking oder Joggen und zwei- bis dreimal wöchentlichem Krafttraining.

 

Die optimale Anti-Demenz-Ernährung

Darüber hinaus trainierten die Studienteilnehmer der ersten Gruppe gezielt die Exekutivfunktion ihres Gehirns (die Fähigkeit, logische Schlüsse zu ziehen) am Computer. In einer ausführlichen Ernährungsberatung wurden sie über die optimale Anti-Demenz-Ernährung aufgeklärt: Gesunde Fette mit Omega-3-Fettsäuren, hohe Anteile an Gemüse, Obst, Vollkorn, Ballaststoffen und Fisch, wenig Salz und Zucker. Die Aufklärung über Ernährung und Demenz-Risikofaktoren wie Übergewicht und Bluthochdruck wurde in regelmäßigen Gruppen- und Einzelgesprächen fortgeführt.

Omega-3-Fettsäuren
Die optimale Anti-Demenz-Ernährung: Gesunde Fette mit Omega-3-Fettsäuren© istock
 

Demenz: Vorbeugung ohne Medikamente

Nach zwei Jahren analysierten die Wissenschaftler, wie sich der Zustand der Probanden entwickelt hatte. Das Ergebnis: Im Vergleich mit der Kontrollgruppe zeigten die Probanden der ersten Gruppe im Schnitt eine um 83 Prozent bessere Exekutivfunktion des Gehirns. Die Geschwindigkeit, mit der ihr Gehirn Informationen verarbeitete, war sogar 150 Prozent höher als in der Kontrollgruppe. Das Überraschende: Ohne spezielles Training in diesem Bereich waren auch die Gedächtnislücken der aktiven Probanden weniger geworden.

Laut Studienleiter zeigen die erprobten Maßnahmen eine nachhaltigere Wirkung als Medikamente (sogenannte Cholinesterase-Hemmer), die üblicherweise bei Demenz im Frühstadium eingesetzt werden und den Krankheitsverlauf um höchstens ein Jahr verlangsamen. Die Studie soll noch weitere sieben Jahre fortgesetzt werden, um herauszufinden, ob das Verfahren eine Demenz sogar ganz verhindern kann. 

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