Delta-Variante: Welche Gefahren für vollständig Geimpfte drohen

Mona Eichler Health-Redakteurin

Die Delta-Variante treibt das Infektionsgeschehen in Deutschland seit Wochen nach oben. Selbst für Geimpfte birgt die Corona-Mutante ersthafte Gefahren – nicht nur mit Blick auf eigene Gesundheit.

Am 8. Juli 2021 schätzte das RKI den Anteil der Infektionen mit der Delta-Variante in Deutschland auf rund 2 Prozent. Im aktuellen Lagebericht ist von 91 Prozent Gesamtanteil die Rede. Die rasante Ausbreitung der Delta-Variante bedeutet auch für vollständig Geimpfte großen Gefahren.

Delta-Anteil steigt: Wo stecken sich die Menschen an?

Die Dokumentationen des RKI ergeben ein klares Bild: Rund 81 Prozent aller Delta-Infektionen finden aktuell innerhalb Deutschlands statt. Dennoch sieht das RKI eine „zunehmende Rolle reiseassoziierter Fälle“. Sprich: Ansteckungen mit der Delta-Variante im Urlaub nehmen zu.

Richterhammer und Ampullen mit Impfstoff auf weißem Untergrund
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Delta-Variante: Gefahren für vollständig Geimpfte

Als vollständig geimpft gelten Personen zwei Wochen nach ihrer Zweitimpfung mit den Vakzinen von Biontech, Moderna oder Astrazeneca beziehungsweise zwei Wochen nach ihrer Einmalimpfung mit Johnson & Johnson. 

Die Impfung gilt als bester Schutz vor Corona, da zahlreiche Studien belegen, dass Geimpfte wesentlich seltener an COVID-19 erkranken. Trotzdem leben vollständig Geimpfte nicht risikofrei. Denn was man inzwischen weiß: Bei Infektionen mit der Delta-Variante ist die Viruslast, die Infizierte in sich tragen, weitaus höher als bei anderen Corona-Varianten. Damit steigt das Ansteckungsrisiko erheblich. Das RKI schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der nicht oder nur einmal geimpften Bevölkerung deswegen als „hoch“ ein; für vollständig Geimpfte als „moderat“.  

Menschen in der Innenstadt
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Ansteckung nach Impfung: Selten, aber möglich

Obwohl eine Ansteckung nach vollständiger Impfung selten ist, ist sie möglich: Auch Geimpfte können sich mit Corona infizieren. Experten nennen diese Ausnahmefälle Impfdurchbrüche.

Das RKI informiert: „Ein wahrscheinlicher Impfdurchbruch ist definiert als SARS-CoV-2-Infektion (mit klinischer Symptomatik), die bei einer vollständig geimpften Person mittels PCR oder Erregerisolierung diagnostiziert wurde.“

Seit dem 1. Februar 2021 sind rund 7.300 solcher Fälle in Deutschland bekannt. Ein möglicher Grund für Impfdurchbrüche ist die Tatsache, dass die Corona-Impfung bei bestimmten Personengruppen nur einen verminderten Impfschutz hervorruft. Im Interview mit „focus.de“ bestätigt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI): „Je nachdem wie die Impfung bei mir gewirkt hat und je nachdem welche Viruslast mein Gegenüber in sich trägt, kann es schon dazu kommen, dass ich mich als Geimpfter anstecke.“ 

Mann bekommt eine Spritze
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Vollständig Geimpfte: Ein Risiko für ihre Mitmenschen

Vor allem durch die hochansteckende Delta-Variante besteht für vollständig Geimpfte nicht nur die Gefahr, sich selbst zu infizieren. Sie können das Virus auch an nicht bzw. nicht vollständig geimpfte Personen weitergeben. Grundsätzlich weiß man inzwischen, dass sowohl die Viruslast als auch die Virusausscheidung bei Geimpften stark reduziert ist. Trotzdem bleibt ein Restrisiko, andere anzustecken.  

 

Quarantäne trotz vollständiger Impfung

Einschränkungen drohen vollständig Geimpften nicht nur mit Blick auf die Gesundheit. Im Kampf gegen die Delta-Variante gelten in Ausnahmefällen auch für sie Einschränkungen, die sonst nur ungeimpfte Personen betreffen. In zahlreichen Bundesländern – beispielsweise in Berlin und Baden-Württemberg – müssen im Fall eines Corona-Ausbruchs mit Delta-Beteiligung auch geimpfte und genesene Kontaktpersonen in Quarantäne. 

„Wird Ihnen von der zuständigen Behörde mitgeteilt, dass bei der positiv getesteten Person eine in Deutschland noch nicht verbreitet auftretende, besorgniserregende Virusvariante festgestellt wurde, so müssen Sie in Absonderung, auch wenn Sie bereits genesen oder geimpft sind“, heißt es in der Corona-Schutzverordnung des Landes Baden-Württemberg. 

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Kreuzimpfungen werden nicht überall anerkannt

Rund 42 Millionen Menschen in Deutschland sind vollständig geimpft (Stand 29.07.2021). Einige unter ihnen haben so genannte Kreuzimpfungen erhalten. Das heißt, sie wurden zunächst mit Astrazeneca und danach mit Biontech oder Moderna geimpft. In der Europäischen Union gilt man damit als vollständig geimpft, wie ein Sprecher der Europäischen Kommission bestätigte.   

Es gibt allerdings Länder, die in Betracht ziehen, Kreuzimpfungen bei Touristen nicht als vollständigen Schutz anzuerkennen. Bisher hat Malta eine Entscheidung dagegen gefällt und die Einreisebestimmung dementsprechend angepasst: Personen mit Kreuzimpfungen, die in Deutschland zu den vollständig Geimpften zählen, und Genesene gelten nicht als vollständig geschützt. 

Es gibt sie also, die Auswirkungen der Delta-Variante, auch für bereits vollständig Geimpfte - auch wenn die wesentlich geringer erscheinen als ohne Corona-Schutzimpfung.

Person hält AstraZeneca-Impfdose und Biontech-Impfdose in der Hand
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Quellen:
Wöchentlicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19), in: rki.de
Robert Koch-Institut meldet mehr Infektionen nach Auslandsreisen, in: focus.de
Neue Regeln für Geimpfte bei Einreise und Absonderung, in: baden-wuerttemberg.de
Corona-kreuzimpfungen: Werden sie im Ausland anerkannt?, in: morgenpost.de

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