Erschreckende Delta-Studie: Geimpfte ansteckender als gedacht

Infiziert sich eine vollständig geimpfte Person mit der Delta-Variante, könnte sie ähnlich ansteckend sein wie eine ungeimpfte. Das ergab eine neue Studie aus Großbritannien. Die Hintergründe.

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Eine aktuelle Studie der Universität Oxford in Großbritannien bescheinigte den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca einmal mehr eine hohe Wirksamkeit gegen die aktuell auch in Deutschland dominierende Delta-Variante des Coronavirus. Die Wissenschafter:innen fanden allerdings zusätzlich heraus, dass vollständig Geimpfte im Falle einer Corona-Infektion ähnlich ansteckend sind wie Ungeimpfte. 

Delta-Variante: Viruslast unverändert durch Impfung

Mehrere Studien haben kürzlich ergeben, dass die Delta-Variante von SARS-CoV-2 eine 1.000 mal höhere Viruslast mit sich bringt als der Ursprungsvirus. Das macht sie extrem leicht übertragbar und genauso ansteckend wie die Windpocken.

Die Wissenschafter:innen der Universität Oxford schlussfolgern nach ihren Untersuchungen jetzt: Mit Blick auf die Viruslast macht es kaum einen Unterschied, ob eine infizierte Person geimpft oder ungeimpft ist. „Delta-Infektionen nach zwei Impfdosen haben verglichen zu ungeimpften Personen eine ähnliche Viruslast“, schreiben die Experten in ihren Ergebnissen.

Kommt es also zu einem Impfdurchbruch, bei dem sich eine vollständig geimpfte Person mit Corona infiziert, kann diese vor allem zu Beginn der Erkrankung das Virus genauso leicht weitergeben, wie eine nicht geimpfte Person.

Mehr als drei Millionen untersuchte Proben

Das Team um Studienleiterin Sarah Walker, Professorin für medizinische Statistik und Epidemiologie an der Universität Oxford, untersuchte für die Studie die Ergebnisse von mehr als drei Millionen Nasen- und Rachenabstrichen, die zwischen Dezember 2020 und August 2021 bei Erwachsenen in Großbritannien genommen worden waren. Dieser Zeitraum macht einen direkten Vergleich zwischen Alpha und Delta möglich: Zwischen Anfang Dezember und Mitte Mai war in Großbritannien die Alpha-Variante des Coronavirus dominierend, später die Delta-Variante. Ein ähnlicher Zeitverlauf ist in Deutschland zu beobachten. 

Bei der Alpha-Variante sei die Viruslast bei infizierten Geimpften noch wesentlich geringer gewesen als jetzt bei Delta. „Die Tatsache, dass wir eine höhere Viruslast sehen, deutet darauf hin, dass Herdenimmunität tatsächlich schwieriger werden könnte“, erklärte Oxford-Wissenschaftler Koen Pouwels. 

Impfung bleibt ein Schlüsselfaktor

In ihrer Untersuchung, die noch von studienfremden Expertinnen und Experten geprüft werden muss, kamen die Wissenschafter:innen zusätzlich zu dem Schluss, dass Impfungen einen soliden Schutz vor einer Ansteckung bieten. Allerdings nehme dieser Schutz über die Zeit ab. Bei Biontech/Pfizer sank er beispielsweise von 85 Prozent zwei Wochen nach der zweiten Impfung auf 75 Prozent nach 90 Tagen.

Koen Pouwels bringt die Studie auf den Punkt: „Impfstoffe sind wahrscheinlich am besten geeignet, schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden, und etwas weniger, um die Übertragung zu verhindern.“
  
Quellen:
Impact of Delta on viral burden and vaccine effectiveness against new SARS-CoV-2 infections in the UK, in: ndm.ox.ac.uk
Geimpfte im Fall einer Delta-Infektion ähnlich ansteckend wie Ungeimpfte, in: derstandard.de