Dekompensierte Herzinsuffizienz: Ursachen und Behandlung

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Das menschliche Herz begleitet uns als eine Art Hochleistungsmotor kraftvoll durch das Leben. Schon im Mutterleib zeigt es ab der 10. Schwangerschaftswoche die ersten Töne und schlägt bis zum Lebensende in der Regel bis zu drei Milliarden Mal. Das Herz ist der einzige menschliche Muskel, der lebenslang nicht einmal einen kurzen Moment ausruhen kann. Wenn Störungen des Herzens nicht mehr ausgeglichen werden können, das Herz zu schwach wird und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit spürbar sinkt, dann spricht man von „Dekompensierter Herzinsuffizienz“. Um es nicht so weit kommen zu lassen, sollte jeder sein Herz-Kreislaufsystem und die Pumpfunktion seines Herzens stärken!

Dekompensierte Herzinsuffizienz
Wenn das Herz infolge einer dekompensierten Herzinsuffizienz zu schwach wird, sinkt die Leistungsfähigkeit
Inhalt
  1. Dekompensation – was ist das?
  2. Was sind die Ursachen für eine dekompensierte Herzinsuffizienz?
  3. Wie zeigt sich eine dekompensierte Herzinsuffizienz?
  4. Behandlungsmöglichkeiten einer dekompensierten Herzinsuffizienz
 

Dekompensation – was ist das?

Anatomisch gesehen ist das Herz ein (Hohl-)Muskel, der als zentrale Pumpstation unseres Kreislaufes die Durchblutung von Organen und Geweben sichert. Es befördert mit regelmäßigen Pumpschlägen täglich ca. 6.000 Liter Blut durch den Kreislauf, das entspricht ungefähr 50 Badewannen-Füllungen. Herzerkrankungen entwickeln sich oft schleichend und werden lange ausgeglichen, also kompensiert.

Zu Beginn einer chronischen Herzschwäche merken die Betroffenen oft noch keine Symptome, denn das Herz reagiert mit einer Reihe von Gegenmaßnahmen, die zunächst den Mangel ausgleichen. So schüttet der Organismus vermehrt Hormone wie Adrenalin aus, um das Blutvolumen sowie die Schlagkraft des Herzens zu steigern und über eine Engstellung der Gefäße den Blutdruck zu erhöhen.

Um besser mit der erhöhten Druckbelastung zurecht zu kommen, verdicken sich die Herzmuskelfasern, die Pumpkraft wird somit erhöht. Auch eine Dehnung der Herzmuskelfasern hilft dem Herzen, sich besser zusammenzuziehen und besser pumpen zu können. Das geht eine Weile gut, führt jedoch nach einer gewissen Zeit zu einer weiteren Schwächung des Herzens, da der Herzmuskel durch ein verdicktes Herz unelastischer und durch eine Vergrößerung geschwächt wird. Wenn die körpereigenen Regulationsmechanismen versagen, treten die Störungen offen zu Tage, sind dann dekompensiert.

 

Was sind die Ursachen für eine dekompensierte Herzinsuffizienz?

Die Herzinsuffizienz (Unzulänglichkeit des Herzens) ist an sich keine Krankheit, sondern die Folge einer oder mehrerer Herzerkrankungen. Sie entsteht durch eine Beschädigung des Herzmuskels. Am häufigsten entwickelt sich eine chronische Herzinsuffizienz auf dem Boden eines langjährigen Bluthochdrucks, der sogenannten Hypertonie. Der Herzmuskel muss dabei gegen den erhöhten Gefäßdruck anpumpen und mehr Leistung erbringen. Hält die Mehrbelastung an, ist das Herz irgendwann überfordert und seine Auswurfleistung nimmt ab. Die Blutmenge im Herzen nimmt zu und die Herzkammern „leiern aus“ (Dilatation). Eine weitere häufige Ursache ist die „Verkalkung“ (Arteriosklerose) der Herzkranzgefäße, die das Herz mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.

Andere mögliche Ursachen sind:

  • Kardiomyopathien (Herzmuskelerkrankungen) z.B. durch Viren
  • Erkrankungen der Herzklappen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Angeborene Herzfehler
  • Diabetes mellitus
  • Chronischer Alkohol- oder Drogenmissbrauch

Frau fasst sich an die Brust
Herzinsuffizienz Herzschwäche: Symptome und Hilfe bei Herzinsuffizienz

 

Wie zeigt sich eine dekompensierte Herzinsuffizienz?

Die ersten Symptome sind oft nicht klar auf die Herzschwäche zurückzuführen. Die Leistungsfähigkeit beim Sport oder bei Alltagsbewegungen wie Treppensteigen und Fahrradfahren lässt nach. Betroffene spüren öfter Atemnot und müssen häufiger Pausen machen. Später leidet der Patient auch in Ruhe unter Luftnot und zeigt Wassereinlagerungen in den Beinen oder Armen.

In der Medizin wird eine Herzinsuffizienz gemäß der New York Heart Association (NYHA) in vier Stadien eingeteilt, um sie besser erkennen und behandeln zu können.

NYHA I: Herzschwäche ohne körperliche Einschränkung

NYHA II: Beschwerden bei mindestens mittelschwerer körperlicher Belastung (zum Beispiel zwei Stockwerke Treppensteigen)

NYHA III: Beschwerden bei leichter körperlicher Belastung (ein Stockwerk Treppensteigen)

NYHA IV: Beschwerden in Ruhe 

Eine Herzinsuffizienz ist der medizinische Begriff für Herzschwäche und in Deutschland weit verbreitet
Herzinsuffizienz Ist eine Herzinsuffizienz heilbar?

 

Behandlungsmöglichkeiten einer dekompensierten Herzinsuffizienz

Eine fortgeschrittene Herzinsuffizienz sollte immer unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden. Anzeichen wie nachlassende Leistungsfähigkeit, Müdigkeit oder Ödeme (Wassereinlagerungen) an den Knöcheln sollten nicht als Alterserscheinung abgetan werden. Frühzeitig erkannt, lässt sich eine Herzschwäche durchaus behandeln (NYHA I).

Da das Herz ein Muskel ist, den man trainieren und gut mit Nährstoffen versorgen kann, muss es nicht zu einer fortgeschrittenen Herzschwäche kommen. Menschen jeder Altersgruppe können ihr Herz-Kreislaufsystem gezielt stärken, um einer Erkrankung vorzubeugen bzw. einen Krankheitsverlauf deutlich zu mildern:

  • Um Bluthochdruck und Co. vorzubeugen, hilft eine Änderung des Lebensstils mit regelmäßiger Bewegung (Walken, Radfahren, Schwimmen).
  • Eine kochsalzarme und kaliumreiche Ernährung und eine Reduzierung des Körpergewichts entlasten das Herz.
  • Bei Ödemen sollte nur in Maßen Flüssigkeit aufgenommen werden.
  • Schädliche Substanzen wie Nikotin, Alkohol und Drogen sind tabu.
  • Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken dienen ebenfalls zur Vorbeugung.
  • Eine naturheilkundliche Behandlung fördert die Gesunderhaltung des Herz-Kreislaufsystems.
  • Auch die Stärkung der Psyche hat einen nicht zu unterschätzenden Effekt darauf, dass wir uns nicht alles „zu Herzen nehmen“. 
    Fit im Alter
    Aktiv bleiben Sanfte Stärkung für das Herz

Herz pflanzlich mit Weißdorn unterstützen

Um das älterwerdende Herz zu stärken hat sich in langjährigen Anwendungen und Studien der Weißdorn (Craetagus), die Arzneipflanze des Jahres 2019, bewährt. Wichtig sind hier Präparate mit einem standardisierten Wirkstoffgehalt sowie eine langfristige Einnahme.

Weißdornextrakt wird auch bei Erkrankten mit leichter Herzschwäche eingesetzt, um die Herzleistung zu steigern. In den Blüten und Blättern der Pflanze stecken sogenannte Flavonoide und Procyanidine, die eine stärkende Wirkung auf das Herz ausüben. Sie stimulieren die Produktion des gefäßerweiternden Stickstoffmonoxid (NO) und hemmen dessen Abbau. Das Stickstoffmonoxid wird im sogenannten Endothel produziert, das ist die Zellschicht, welche die Innenwände der elastischen Blutgefäße auskleidet.

Weißdorn
Herzinsuffizienz Weißdorn ist Arzneipflanze des Jahres 2019

Die Durchblutung wird verbessert und Wassereinlagerungen vermieden, denn der Weißdornextrakt scheint die Gefäße abzudichten. Hochdosierter Weißdornextrakt erhöht außerdem die Durchlässigkeit der Zellmembran für Kalium-Ionen und blockiert gleichsam Kalzium-Ionen. Wenn vermehrt Kalzium in die Herzzellen einströmt, kann das zu Ablagerungen und damit Durchblutungsstörungen kommen. Ein Mangel an Kalium hingegen führt zu einer Verschiebung der elektrischen Stabilität der Zellen und kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Der Weißdornextrakt setzt also an verschiedenen Stellen an, um einem schwachen Herzen vorzubeugen.

Quellen:

Kompensierte Herzinsuffizienz - Wenn das Herz versucht, sich selbst zu helfen, in: ratgeber-herzinsuffizienz.de

Akute und akut dekompensierte chronische Herzinsuffizienz, in: aerzteblatt.de

Herzinsuffizienz, in: amboss.com

Was ist Herzinsuffizienz, in: herzverband.at

Herzschwäche: Symptome sind oft unspezifisch, in: herzstiftung.de

Wie Kalium auf das Herz wirkt, in: herzzentrum.de

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.