Debatte um Feinstaub und Stickstoffdioxid: Was stimmt wirklich?

Dr. Justus Meyer Redaktionsleiter PraxisVITA

Nach der Generalkritik von mehr als 100 Medizinern an den Grenzwerten für Feinstaub und Stickstoffdioxid stehen viele Fragen im Raum: Wer hat Recht? Welche Werte sind vertretbar? Wen betrifft das Ganze eigentlich?

Debatte um Feinstaub und Stickstoffdioxid: Was stimmt wirklich?

Die Aufregung begann am vergangenen Mittwoch, dem 23. Januar 2019. Mehr als 100 Lungenärzte veröffentlichten ein Positionspapier, in dem sie den medizinischen Nutzen der aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid in Frage stellen.

Ein wesentlicher Teil ihrer Begründung sind die angeblich nicht vorhandenen Todesfälle in der Folge der Luftverschmutzung. Laut des Papiers sähen die Ärzte zwar Patienten, die an Lungenkrebs und COPD versterben, aber dies sei ausschließlich Folge von Zigarettenkonsum und habe nichts mit Feinstaub oder Stickstoffdioxid zu tun. Sie vertreten die Ansicht, die Daten aus vorhandenen Studien seien zu einseitig interpretiert worden, die Grenzwerte zu niedrig. Daraus ergebe sich eine unzulässige Behinderung der Wirtschaft und der persönlichen Freiheit der Bürger. Am Ende des zweiseitigen Textes findet sich der Hinweis, die Ärzte würden ihre Aussagen auf Nachfrage auch mit Quellen belegen.

 

Kein Beweis für die neuen Ergebnisse vorhanden

Und hier beginnt das eigentliche Problem: Warum werden die entsprechenden Quellen und Belege – wie es wissenschaftlich üblich ist – nicht gleich aufgeführt? Warum keine Studien präsentiert, die die Ergebnisse der vorangegangenen widerlegen? Wo ist die Studie, die belegt, dass Feinstaub und Stickstoffdioxid keinerlei negativen Einfluss auf irgendwelche Körperprozesse hat? Es gibt sie schlichtweg nicht. Ebenso wenig scheinen die Kritiker der aktuellen Grenzwerte Umweltaspekte berücksichtigen zu wollen.

„Natürlich ist es auch das Ziel der Autoren, die Maßnahmen zur Schadstoffvermeidung zu fördern“, so steht es in dem Papier. Dennoch fordern sie ein Aussetzen der Grenzwerte – ohne auch nur anzudeuten, dass die Umweltbelastung bei höheren Werten immer noch akzeptabel wäre. Biologen bestreiten das auch mehrheitlich.

Das Umweltbundesamt äußerte sich zurückhaltend zu dem Positionspapier und sieht im Moment keinen Handlungsbedarf.  

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