Dattelsirup: Mehr als nur Zuckerersatz

Ines Fedder Medizinredakteurin

Dattelsirup ist nicht nur süß, lecker und verhältnismäßig kalorienarm. Neue Studien belegen, dass er sogar antibiotische Wirkung hat.

Dattelsirup und Datteln liegen auf einem Tablet
Dattelsirup: Eine beliebte Zuckeralternative Foto:  iStock/Rimma_Bondarenko
Inhalt
  1. Dattelsirup: Natürliches Antibiotikum
  2. Süßungsmittel Dattelsirup: Vor- und Nachteile im Überblick
  3. Dattelsirup selber machen: So geht’s
  4. Handelsübliche Herstellung des Dattelsirups

„Wenn ein Löffelchen voll Zucker bittre Medizin versüßt, ja Medizin versüßt, Medizin versüßt…“

Ja, es stimmt. Zucker kann einen so manche Medizin, Mahlzeit und sogar den Tag versüßen. Und das nicht erst, seitdem Mary Poppins diese Weisheit von der Kinoleinwand schmetterte. Kein Wunder, dass auch wir Deutschen beim Zuckerkonsum in den letzten Jahren beträchtlich mitmischen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte der maximale Zuckerkonsum am Tag weniger als zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr ausmachen, um Adipositas (Übergewicht) und Diabetes vorzubeugen. Der Verein „Foodwatch“ warnt davor, dass vor allem bei Kindern und Jugendlichen der Zuckerkonsum weit über dieser Empfehlung liegt. Eine beunruhigende Tendenz, die beim Konsumenten angekommen ist.

Der Deutsche Ernährungsreport 2019 zeigt, dass mehr als vier Fünftel der Befragten sich dafür ausspricht, den Zuckerkonsum zu verringern.
Eine gute Möglichkeit, trotzdem nicht auf Süßspeisen zu verzichten, sind Zuckerersatzstoffe.

Eine Vielzahl an alternativen Süßungsmitteln wie Ahornsirup oder Melasse werben damit, gesünder als normaler Haushaltszucker zu sein – und den Speisen dennoch den gewissen Süße-Kick zu verleihen. Eine durchaus empfehlenswerte Alternative, der durch eine ganz besondere Eigenart auf sich aufmerksam gemacht hat, ist der Dattelsirup. Er ist nicht nur süß und lecker, sondern auch noch ähnlich medizinisch wertvoll wie der Manuka-Honig.

 

Dattelsirup: Natürliches Antibiotikum

Eines der wesentlichen Vorteile an Dattelsirup ist sein wertvoller Inhaltsstoff. Ein Forscherteam rund um den Studenten Hajer Taleb von der Cardiff Metropolitan University konnte in einer Versuchsreihe nachweisen, dass natürlich hergestellter Dattelsirup eine antibiotische Wirkung auf bestimmte Bakterien hat. Dabei wurde der Dattelsirup unter anderem mit den Bakterienstämmen Staphylococcus aureus (Auslöser bei chronischen Wunden) und pathogene Escherichia coli (häufig Verursacher von Darminfekten) in Verbindung gebracht. Das Ergebnis: Die Verbreitung der Bakterienstämme wurde stark eingedämmt. 

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Grund für die antibiotische Wirkung sind die in Dattelsirup enthaltenen Phenolverbindungen, die beim Reifeprozess der Dattel entstehen. Dr. Ara Kanekanian von der Cardiff Metropolitan University, der die Forschungsreihe zur antibiotischen Wirkung des Dattelsirups leitet, warnt dennoch davor, den Sirup als Entzündungshemmer – beispielsweise bei der Wundheilung – zu verwenden. Die Forschungen seien noch nicht abgeschlossen. Die antibiotische Wirkung konnte zudem nur beim natürlich hergestellten Dattelsirup nachgewiesen werden. Bei künstlich hergestellten Sirup, der nur verschiedene Zucker und Aromen beinhaltet, aber keine Polyphenole enthält, sei diese Wirkung nicht nachweisbar.

Dattelsirup hat aber auch noch weitere, positive Eigenschaften, die ihn als Zuckeralternative durchaus attraktiv erscheinen lassen. 

Übersicht Datteln für die Konzentration

 

Süßungsmittel Dattelsirup: Vor- und Nachteile im Überblick

Ein für viele ebenfalls sehr interessanter Vorteil des Süßungsmittels ist, dass er wesentlich weniger Kalorien hat, als herkömmlicher Haushaltszucker. Durchschnittlich kommen auf 100 Gramm Dattelsirup bis zu 280 Kalorien. Zum Vergleich: 100 Gramm Zucker enthalten rund 400 Kalorien. Zudem liefert der Sirup auch noch weitere Nährstoffe, die dem Haushaltszucker fehlen. Darunter bei 100 Gramm circa 1,2 Gramm Eiweiß und bis zu 1,4 Gramm Ballaststoffe. 

Brauner Rohrzucker liegt auf einem Holztisch
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Negativ hingegen könnte sich die in Dattelsirup enthaltene Menge an Fructose auswirken. Menschen, die unter Fructoseunverträglichkeit leiden, sollten den Dattelsirup lieber abschwören und sich eine andere Zuckeralternative suchen.

Zudem ist der Dattelsirup in der Herstellung und auch im Handel natürlich teurer als normaler Haushaltszucker. Aber: Um ein paar Kosten zu sparen, kann man den Sirup auch ganz einfach selbst herstellen.

 

Dattelsirup selber machen: So geht’s

Zutaten:

  • 300-400 g getrocknete Datteln
  • 500 ml Wasser oder Orangensaft


Zubereitung:

Für die Herstellung des Sirups eignen sich am besten ungesüßte, getrocknete und entsteinte Datteln, die man nahezu überall im Supermarkt oder Reformhaus erwerben kann.
Das Fruchtfleisch einfach in einen halben Liter Wasser oder Orangensaft für mehrere Stunden einlegen und anschließend mit einem Mixer so lange zerkleinern, bis ein Sirup entsteht.

Die zähe Masse ist gut gekühlt (Lagerung am besten im Kühlschrank) abgedeckt bis zu einer Woche haltbar.

 

Handelsübliche Herstellung des Dattelsirups

Wer keine Zeit hat, den Sirup selbst herzustellen, kann ihn für circa 3 bis 5 Euro im freien Handel kaufen. Dabei sollten Sie darauf achten, dass es sich bei dem Produkt um einen natürlich und nicht künstlich hergestellten Sirup handelt. Empfehlenswert ist der Bio-Dattelsirup, den es zum Beispiel in Drogerie-Märkten und Reformhäusern zu kaufen gibt. Die Herstellung bei der industriellen Verarbeitung ist der der DIY-Herstellung gar nicht so unähnlich. Zunächst werden die Datteln entsteint und in Wasser eingekocht, anschließend gepresst, filtriert und zu einem Sirup eingedickt. Nachdem der Sirup noch einmal gefiltert und eingedickt wird, geht er dann in die Lagerung und schlussendlich in den freien Handel.

Quellen:

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