Das starke Immunsystem

Immunsystem wehrt Erreger ab
Ein gesundes Immunsystem wehrt schädliche Erreger effektiv und schnell ab © Fotolia

Viren und Bakterien haben nur dann eine Chance, wenn sie die Schwachstellen unserer Abwehr finden. Doch jetzt zeigen Forscher, wie wir unsere wichtigsten Immunorgane gezielt stärken können und sogar Krankheiten wie pfeiffersches Drüsenfieber vorbeugen können.

Normalerweise arbeitet unser Immunsystem recht gut. Es bietet Bakterien, Viren und anderen Krankheitserregern Paroli, setzt sie so schnell es geht schachmatt. Doch wie Siegfried und Achilles haben wir fast alle einen Schwachpunkt. Sei es, dass wir öfter unter Hautproblemen oder Lippenherpes leiden oder dass wir uns in der kalten Jahreszeit häufig mit Halsschmerzen, Husten oder Schnupfen herumschlagen. Und genau hier setzt das neue Trainingsprogramm an, das unser Immunsystem nahezu unschlagbar macht. Immunologen der Harvard-University, Forscher der Charité und der Uniklinik Greifswald und Naturmediziner der Steigerwald Klinik sagen, worauf wir achten sollten und was wir für unsere Abwehr tun können.

 

Schwachstelle Lymphknoten: Warum sie Wärme lieben

Normalerweise sind Lymphknoten allenfalls vereinzelt in der Leiste als kleinste Knötchen zu fühlen. Sie sind das Auffangbecken und die Entsorgungsstation für alles, was über die Lymphbahnen im Gewebewasser angeschwemmt wird. Hier werden Erreger; Zellbruchstücke und entartete Zellen entsorgt und gefiltert. So gereinigt, wird die Lymphe von den Lymphknoten über große „Sammelbahnen“weitergeführt. Bei einer akuten Infektion sind sie aufgrund der erhöhten Ausscheidung vergrößert und vereitert.

Typische Anzeichen: Bei Erkältungskrankheiten können z. B. die Lymphknoten im Bereich von Nacken, Unterkiefer und Hals anschwellen. Beim Pfeifferschen Drüsenfieber können die Lymphknoten an Nacken, Hals, unter den Achseln oder in der Leiste geschwollen sein. Bei sehr schweren Erkrankungen, die sich auf den gesamten Körper auswirken, z. B. bei Leukämie oder Krebs oder bestimmten Infektionsproduziert krankheiten können aber auch die Lymphknoten im ganzen Körper anschwellen.

Das können Sie tun: Geschwollene Lymphknoten möglichst warm halten – also z. B. einen Schal tragen. Klingt die Schwellung nicht nach einigen Tagen ab, einen Arzt aufsuchen.

 

Schwachstelle Mandeln: Warum Kräutertee sie schützt

Eigentlich sollten sie Bakterien, Viren und andere Erreger abfangen. Denn die Gaumenmandeln sind das Herzstück des sogenannten lymphatischen Rachenrings. „Man könnte von einem Filter sprechen. Alles, was geschluckt oder durch den Mund eingeatmet wird, kommt an den Tonsillen vorbei, und die schädlichen Stoffe werden erkannt“, erklärt Professor Werner Hosemann von der HNO-Klinik der Universität Greifswald. Tiefe Spalten durchziehen die Mandeln. Dadurch ist ihre Oberfläche vergrößert, es kommt zu einem intensiven Kontakt zwischen Viren, Bakterien oder Pilzen und den Immunzellen in den Mandeln. Letztere werden umgehend aktiv: Sie bekämpfen die Krankheitskeime und melden sie wie eine Art Frühwarnsystem an die anderen Immunorgane. „Darüber hinaus speichern sie das Profil des Erregers ab und tragen so zur Entwicklung des immunologischen Gedächtnisses bei – und damit auch zum Aufbau der körpereigenen Abwehrkräfte.“

Typische Anzeichen: Sie müssen sich oft räuspern, haben häufig Halsweh, Schluckbeschwerden oder geschwollene Mandeln.

Das können Sie tun: Trinken Sie mindestens 2 l Wasser oder Kräutertee. Damit halten Sie ihre Rachenschleimhäute feucht und intakt. Gurgeln Sie nach dem Zähneputzen mit desinfizierenden Lösungen. Gut geeignet sind Myrrhe, Salbei und Minze. Tragen Sie ein wärmendes Tuch oder einen Schal.

 

Schwachstelle Thymus: Warum Berührungen heilen

Läuft alles gut, werden hier die Immunzellen trainiert. In der Thymusdrüse lernen sie, körpereigenes Zellgewebe von Fremdkörpern zu unterscheiden und werden für ihre bevorstehenden Aufgaben als „Killerzellen“, „Helferzellen“, „Gedächtniszellen“ und „Regulatorische T-Zellen“ ausgebildet. Wird eine Körperzelle von einem Krankheitserreger befallen, transportiert sie Bruchstücke des Eindringlings an die Oberfläche ihrer Hülle, wo sie von den TZellen des Immunsystems erkannt werden. Die T-Killerzellen haben die Aufgabe, die kranke Zelle und den feindlichen Eindringling zu vernichten. Umweltgifte wie Amalgam können die Thymusdrüse jedoch so schwächen, dass sie nicht mehr genug Immunzellen schulen kann.

Typische Anzeichen: Häufige Infekte, plötzlich auftretende Allergien. Weitere Indizien: Sie leiden immer wieder unter Entzündungen, Herpes- oder Pilzinfektionen.

Das können Sie tun: „Beklopfen Sie mehrmals täglich sanft mit zwei Fingern oder einer leicht geballten Faust ca. 1 Min. lang Ihre Thymusdrüse – die hinter dem Brustbein in der Mitte des Brustkorbs liegt“, rät Dr. John Diamond, Präsident der Internationalen Akademie für präventive Medizin. Die stimulierende Wirkung hält zwei bis drei Stunden an.

 

Schwachstelle Milz: Warum Bitterstoffe sie stark machen

Ist sie gesund, funktioniert sie wie ein Schwamm: Unser gesamtes Blut wird jeden Tag etwa 500-mal durch die Milz hindurch gepumpt! Die jungen roten Blutkörperchen können durch die Maschen des Schwammes hindurchschlüpfen, die überalterten (meist ungefähr 120 Tage alt) bleiben darin hängen und werden abgebaut. Dieser Vorgang ist wichtig, damit der Organismus die „Blutqualität“ erhalten kann. Die Abwehrfunktion der Milz lässt sich als ein Parkplatz für weiße Blutkörperchen beschreiben. Hier werden Lymphozyten (gehören zu den weißen Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Makrophagen (Fresszellen) gespeichert. Gleichzeitig lagert die Milz Stoffwechselprodukte (Schlacken, Gifte) ein, die nicht ausgeschieden werden.

Typische Anzeichen: Verspürt man Schmerzen unter dem linken Rippenbogen, kann eine durch eine bakterielle oder virale Infektion ausgelöste Milzschwellung die Ursache sein. Strahlen die Schmerzen in die linke Schulter oder die linke Halsseite aus, ist es möglich, dass ein durch einen Unfall verursachter Milzriss hinter den Beschwerden steckt. Anhaltende Beschwerden sollten daher immer vom Arzt abgeklärt werden.

Das können Sie tun: Bitterstoffe aus Endiviensalat, Artischocken oder Chicoree stärken die Milzkraft. Als Kur: Drei Wochen lang 2-mal täglich 1 Tasse Brennesseltee trinken (Aufguss, 10 Minuten ziehen lassen).

 

Schwachstelle Appendix (Blinddarm): Warum selbst Ärzte ihn oft unterschätzen

Dass unser Blinddarm (Appendix) ein wichtiges Immunorgan ist, haben sogar Mediziner lange Zeit nicht geahnt. Erst 1991 wurde entdeckt, dass weiße Blutkörperchen dort an einer strategisch günstigen Stelle produziert werden, um Erreger zu bekämpfen – ein Vorratsspeicher für nützliche Bakterien. Neuere mikroskopische Untersuchungen bestätigen die Anwesenheit einer großen Menge an sogenannten lymphoidem Gewebe; das schädliche Stoffe in der Nahrung aufspürt. Und Studien wiesen einen Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungen des Dickdarms (Colitis ulcerosa) und der Entfernung des Blinddarms nach.

Typische Anzeichen für eine Blinddarmentzündung: Eigentlich meldet sich der Blinddarm nur bei Entzündungen oder wenn er stark gereizt ist. Und in beiden Fällen sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Das können Sie tun: Eine akute Blinddarmentzündung sollte innerhalb von 48 Stunden operiert werden, wenn sich bis dahin keine deutliche Besserung zeigt.

 

Schwachstelle Peyer-Plaques: Wann ist es Zeit für eine Immunkur?

Unser größtes Trainingscamp für Immunzellen sitzt in der Darmschleimhaut. Hier findet sich eine riesige Ansammlung von Lymphknoten, die Peyerschen Plaques. Mehr als 80 % der erworbenen Immunität hat ihren Ursprung im Darm – über das Immunsystem der Darmschleimhaut wird das gesamte Immunsystem geprägt. Ihre Darmbakterien kommunizieren mit den Zellen des Magen-Darm-Trakts und der Leber, um schädigende Eindringlinge zu indentifizieren und auszuschalten. Allerdings ist dieses Immunorgan auch störanfällig: Falsche Nahrungsmittel, zu viel Zucker und vor allem Alkohol können es schwächen.

Typische Anzeichen: Durchfall, Verstopfung, Magen- oder Darmschmerzen, Kopfschmerzen, unreine Haut.

Das können Sie tun: Einen positiven Effekt haben natürlich antibiotisch wirkende Pflanzen wie Holunder, Brunnenkresse, Kapuzinerkresse und Meerrettich. Sinnvoll ist eine 4-Wochen-Kur mit Aloe Vera Trinkgel (z. B. Kyra).

 

Schwachstelle Knochenmark: Warum ihm Schüsslersalze guttun

Das Knochenmark ist sozusagen die Quelle aller Abwehrzellen. Hier werden alle Immunzellen gebildet. Außerdem findet im Knochenmark die Entwicklung und Reifung der BZellen statt. Die weitere Ausbildung erfolgt dann in den anderen Immunorganen. Ernährungsfehler – vor allem Vitaminmangel - können dieses Immunorgan schwächen. Mit gravierenden Folgen.

Typische Anzeichen: Blutarmut, häufige Infekte, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und erhöhte Temperaturen.

Das können Sie tun: Vitamin B12 spielt eine wichtige Rolle innerhalb der Blutbildung. Natürliche Quellen sind tierische Nahrungsmittel.

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