Kardiologe erklärt: „Das sollten Sie über Ihr Herz wissen“

Eine digitale Anzeigetafel mit Herzen – eins davon ist in der Mitte zerbrochen
Viele Herzpatienten beschäftigen sich mit ähnlichen Fragen zum Thema Herzgesundheit – unsere Experten klären auf © Shutterstock

Kann Schnarchen mein Herz in Gefahr bringen? Woran erkennt man eine Angina pectoris? Was Herzpatienten wirklich beschäftigt: Zwei Top-Kardiologen beantworten hier die wichtigsten Fragen aus ihrem Praxisalltag.

Prof. Dr. Bernd Nowak aus Frankfurt, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Prof. Dr. Bernhard Winkelmann aus Heidelberg, Mitglied der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, haben die wichtigsten Patientenfragen aus ihrer täglichen Praxisarbeit zusammengestellt.

Woran merke ich, ob mit meinem Herzen etwas nicht stimmt?

Prof. Nowak: Viele fühlen sich müde und schwach, sind nicht mehr so belastbar wie früher. Sie geraten zum Beispiel beim Treppensteigen leicht außer Atem. Das kann ein Hinweis auf eine Herzschwäche sein. Dann reicht die Kraft des Herzmuskels nicht mehr aus, um die Zirkulation des Blutes aufrechtzuerhalten. Ein Zeichen für eine fortgeschrittene Herzschwäche ist auch, dass man nachts im Bett nur noch mit erhöhtem Oberkörper schlafen kann, um gut Luft zu bekommen. Lassen Sie die Beschwerden in jedem Fall ärztlich abklären.

Sollte man als „Herz-Vorbeugung“ täglich Aspirin nehmen?

Prof. Nowak: Dass Acetylsalicylsäure das Auftreten einer Herzerkrankung beim bislang Gesunden verhindern kann, ist nicht bewiesen. Bei Herzkranken kann der Wirkstoff aber tatsächlich die Beschwerden lindern und die Überlebensrate verbessern.

Ein älteres Pärchen isst Trauben
Eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse hilft, Herzleiden vorzubeugen© Shutterstock

Gibt es Lebensmittel, die mein Herz schützen?

Prof. Nowak: Ja, Obst und Gemüse sind echte Herzschützer und sollten täglich auf dem Speiseplan stehen. Am besten in einem bunten Mix: rote Äpfel, grüne Paprika, gelbe Karotten, blaue Trauben – je mehr Farben, desto gesünder. Dazu täglich Vollkornprodukte, zum Beispiel Haferflocken mit Früchten und Mandeln. Und zweimal pro Woche Seefisch (z. B. Lachs und Makrele), wie es die gesunde Mittelmeerkost vorschlägt.

Ist Salz wirklich so gefährlich fürs Herz, wie man immer wieder hört?

Prof. Nowak: Langfristig kann zu viel Salz das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Essen Sie daher möglichst nicht mehr als fünf bis zehn Gramm Salz pro Tag und würzen Sie stattdessen lieber mit Kräutern. Verzichten Sie zusätzlich auf stark salzhaltige Lebensmittel, Fertiggerichte und Fast-Food. Dies gilt ganz besonders für Patienten, die bereits unter zu hohem Blutdruck und Herzschwäche leiden.

Bekommen tatsächlich immer mehr Frauen einen Infarkt?

Prof. Nowak: Ja. Auch beim weiblichen Geschlecht ist der Herzinfarkt inzwischen mit Abstand die häufigste Todesursache. Aber statt mit Schmerzen im Brustkorbbereich oder einem Reißen im linken Arm, macht sich ein Infarkt bei Frauen oft untypisch mit Rücken- oder Oberbauchschmerzen bemerkbar. Meist kommt es zu heftiger Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen.

Schnarchen kann Herzkrankheiten verursachen
Kann Schnarchen dem Herz schaden? Ja! Patienten mit Schlaf-Apnoe (Atemaussetzer) haben ein erhöhtes Risiko, in den nächsten Jahren einen Herzinfarkt zu bekommen© Fotolia

Stimmt es, das Schnarchen das Herz angreifen kann?

Prof. Nowak: Ja. Patienten mit Schlafapnoe (Atemaussetzer) haben ein erhöhtes Risiko, in den nächsten Jahren einen Infarkt zu bekommen. Der Grund: Das Herz wird zu wenig mit Sauerstoff versorgt. Deshalb sollte man beim geringsten Verdacht gleich zum Arzt gehen!

Ist es wirklich so schlimm, wenn ich als Raucherin die Pille nehme?

Prof. Nowak: Ja! Sie haben ein 20-mal höheres Infarktrisiko als Nichtraucherinnen. Denn die künstlichen Östrogene in der Pille (beziehungsweise bei der Hormonersatztherapie) führen leichter zu Blutgerinnseln. Das macht kaum etwas aus, solange die Arterien frei sind. Aber im Mix mit Nikotin verstopfen sie schneller, Thrombosen und der Herzinfarkt drohen.

Ich vertrage meine Herzmittel nicht. Darf ich sie mal weglassen?

Prof. Nowak: Nein, damit bringen Sie sich im schlimmsten Fall in Lebensgefahr! Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Nebenwirkungen. Er kann Ihnen eventuell andere, für Sie besser verträgliche Präparate verordnen.

Mein Cholesterinspiegel ist zu hoch. Muss ich auf die Weihnachtsgans verzichten?

Prof. Winkelmann: Nein. Zwar hat eine Weihnachtsgans mit Haut einen hohen Fettgehalt. Aber der Cholesteringehalt und auch der Anteil an gesättigten Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel eines Menschen anheben können, ist beim Gänsebraten im Vergleich zu anderen Fleischsorten niedrig.

Können gelbe Knötchen am Auge auf Herzprobleme hinweisen?

Prof. Winkelmann: Ja, die sogenannten Xanthelasmen bestehen aus Cholesterin und können somit auf Fetteinlagerungen im Körper hinweisen. Für Kardiologen also ein wichtiger möglicher Hinweis auf eine drohende Herzerkrankung.

Sind Diäten gefährlich fürs Herz?

Eine Ärztin füllt mit einer älteren Patientin einen Fragebogen aus
Herzpatienten sollten jede Diät mit einem Arzt besprechen – ein Mangel an Vitalstoffen kann das Herz weiter schädigen© Shutterstock

Prof. Winkelmann: Extreme Hungerkuren, die auf einseitige Ernährung ausgerichtet sind, ja. Der Körper wird hier nicht mehr genug mit Vitalstoffen versorgt. So kommt es zu Mangelerscheinungen, in deren Folge Organe geschädigt werden und Herzrhythmusstörungen auftreten können. Daher mein Rat: Wer bereits Herzprobleme hat beziehungsweise sehr viel Gewicht abnehmen will, sollte das immer unter ärztlicher Aufsicht tun.

Wann darf man nach einer Erkältung wieder Sport machen?

Prof. Winkelmann: Wer sich schlapp fühlt, sollte sich eine mehrwöchige Pause gönnen. Zu intensiver Sport kann schlimmstenfalls Herzmuskelentzündungen auslösen. Wenn die Erkältung also länger als normal anhält beziehungsweise schwerer als gewohnt auftritt, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen.

Deutet jeder Schmerz in der Brust auf Herzprobleme?

Prof. Winkelmann: Nein, auch Sodbrennen, Lungenleiden oder Verspannungen können sich auf der linken Brustseite bemerkbar machen. Bei unbekannter Ursache sollten alle Brustschmerzen vom Arzt abgeklärt werden. Vorsicht ist geboten, wenn bei Belastung im Brustbereich ein starkes Ziehen, Druckgefühle oder Schmerzen auftreten, die in Ruhe verschwinden. Daran erkennt der Arzt eine Angina pectoris (Herzenge). Brustschmerzen, die auch in Ruhe anhalten, können einen Herzinfarkt signalisieren und müssen unverzüglich ärztlich abgeklärt werden.

Sollte man jedes Jahr zum Herz-Check?

Prof. Winkelmann: Nein, im Normalfall reicht es, ab 35 Jahren alle zwei Jahre den Herz-Kreislauf-Check („Check-up 35“) wahrzunehmen. Risikopatienten, zum Beispiel mit Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Diabetiker und Raucher sollten die Untersuchung jährlich wahrnehmen. Zur Untersuchung gehört zum Beispiel ein Belastungs-EKG. Dabei tritt der Patient auf einem Fahrrad-Ergometer, während der Arzt über angeklebte Elektroden auf Brust, Armen und Beinen Herzströme, Puls und Blutdruck misst (die Krankenkassen zahlen).

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