Das sollten Frauen über ihr Herz wissen

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. So bleibt unser Herz stark und gesund
  2. 2. Herzfit mit 40, 50, 60+
  3. 3. Das sollten Frauen über ihr Herz wissen

Viele meinen, Infarkte seien reine Männersache. Doch das gilt nur bis zu den Wechseljahren. Danach sind Gefäßerkrankungen gar nicht selten.

Männer und Frauen sind grundverschieden – das wussten wir schon immer. Jetzt fanden Ärzte heraus, dass das Geschlecht auch großen Einfluss auf die Herzgesundheit hat. Das wird vor allem beim weiblichen Herzinfarkt deutlich:

 

Diagnose ist häufig falsch

Ein Herzinfarkt ist die Folge einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Dabei lagern sich Plaques an den Gefäßwänden ab, vor allem durch hohe Blutfettwerte, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen. Durch die Verkalkung sind die Fließwege des Blutes zum Herzen hin verengt. Verschließt ein Blutgerinnsel dann eine oder mehrere Herzarterien, kommt es zum Infarkt: Durch die unterbrochene Blutversorgung wird Herzgewebe geschädigt oder stirbt ab.

Die Zahlen dazu sind alarmierend, aber irreführend: In Deutschland werden Jahr für Jahr rund 450 000 Männer wegen eines Herzinfarkts stationär behandelt und „nur“ rund 223 000 Frauen, also die Hälfte. Ist der Infarkt also eher Männersache? Nein. Denn relativ gesehen sterben mehr Frauen als Männer an dieser Erkrankung – 43 Prozent gegenüber 37 Prozent.

Notfall im Krankenhaus
Die Symptome eines Herzinfarkts werden bei einer Frau meist erst sehr spät richtig gedeutet© iStock

Selbst wenn Betroffene den Infarkt überleben, ist das Sterberisiko für Frauen anschließend höher als bei Männern. Erhebungen zeigen: Bei Frauen wird ein vorliegender Herzinfarkt seltener erkannt und wenn doch, häufig erst spät. So kommen weibliche Betroffene im Durchschnitt 30 Minuten später ins Krankenhaus als männliche. Denn der Infarkt äußert sich bei ihnen oft anders als bei Männern.

 

Besondere Gefahr: Vorhofflimmern

Weitere häufige Krankheiten sind Herzschwäche, Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündung und Herzrhythmusstörungen wie etwa Vorhofflimmern. Letzteres äußert sich bei einigen Betroffenen durch plötzliches, scheinbar grundloses Herzklopfen oder -rasen. Andere hingegen nehmen keine Symptome wahr. Dabei ist die Rhythmusstörung für das weibliche Herz besonders gefährlich: Laut einer Studie haben Frauen mit unbehandeltem Vorhofflimmern ein 55 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt als Männer.

 

So können Sie sich schützen

Studien zeigen: Warnsignale sind oft schon Wochen vorher spürbar. Ständige Müdigkeit, Schlafstörungen oder Kurzatmigkeit können auf Herzprobleme hinweisen. Lassen Sie diese Symptome immer ärztlich abklären. Zudem raten Experten dazu, eventuelle Risikofaktoren zu behandeln. PraxisVITA verrät, welche das sind:

Anhaltende Müdigkeit
Anhaltende Müdigkeit und Schlafstörungen können ein Warnsignal für Herzprobleme sein© iStock

Risiko Östrogen-Mangel

Frauen besitzen einen natürlichen Herzschutz: die weiblichen Geschlechtshormone Östrogene. Sie regen den Transport abgestorbener Zellen aus den Gefäßen an, unterdrücken die Bildung von schädlichen Entzündungsbotenstoffen. Das ist besonders wichtig in den Herzkranzgefäßen. Dieser Schutz hält bis zu den Wechseljahren an. Dann sinkt der Östrogenspiegel, und das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung steigt.

Umso wichtiger ist dann gesunde Ernährung: täglich Gemüse, Obst, Vollkorn, hochwertige Pflanzenöle (besonders Leinöl) statt tierischer Fette; öfter eine halbe Handvoll Nüsse und zweimal pro Woche Seefisch.

Risiko Bluthochdruck

Nach Schätzungen hat jede dritte Frau in Deutschland zu hohen Blutdruck. Eine Studie zeigt: Unbehandelte Hypertonie führt bei Frauen zu 30 bis 40 Prozent mehr Schäden an Herz und Gefäßen als bei Männern.

Wichtig: Die Diagnose sollte nicht auf einer einmaligen Messung beruhen. Bei manchen Patienten steigt der Blutdruck beim Arzt durch die Aufregung an. Durch eine Langzeitmessung über 24 Stunden mit einem tragbaren Gerät werden zuverlässige Werte ermittelt. Ein gesunder Blutdruck beträgt 120 zu 80 und niedriger.

Risiko Alkohol

Frauen vertragen weniger als Männer. Während diese täglich etwa 30 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen können, ohne dass der Blutdruck steigt, dürfen Frauen nur rund 20 Gramm konsumieren, also etwa einen Viertelliter Bier oder einen Achtelliter Wein.

Risiko Tabakrauch

Die Schutzfunktion der weiblichen Östrogene wird durch die Inhaltsstoffe von Tabakrauch lahmgelegt. Schon eine bis vier Zigaretten pro Tag reichen laut Studien dafür aus. Die Folge: Bereits bei unter 50-jährigen Frauen sind Zigaretten die Hauptursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schmerzen im Oberbauch
Bei 40 Prozent der Frauen sind Schmerzen im Oberbauch eines der Alarmzeichen für einen Herzinfarkt© iStock
 

Typisch untypisch: der Eva-Infarkt

Nur 30 Prozent der betroffenen Frauen haben die gleichen Symptome wie Männer. So verstreicht wertvolle Zeit, bis sie versorgt werden.

Die Alarmzeichen:

  • Bei 40 Prozent der Frauen Schmerzen im Oberbauch
  • Luftnot oder starke Kurzatmigkeit
  • Unerklärliche Schmerzen: zwischen den Schulterblättern, im Hals und/oder Kiefer, im Nacken
  • Übelkeit mit oder ohne Erbrechen
  • Starke Erschöpfung oder zittrige Körperschwäche
  • Statt starker Brustschmerzen eher ein dumpfer Druck im Brustkorb
 

Die richtige Hilfe

  • Bei Verdacht: Rufen Sie sofort und zuerst den Notarzt über 112.
  • Ist kein Puls tastbar, mit Herzdruckmassage beginnen: 100- bis 120-mal pro Minute die Mitte des Brustbeins mit übereinandergelegten Händen sechs Zentimeter tief eindrücken. Den richtigen Rhythmus hat das Lied „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees
  • Bei Bewusstsein: Patientin auf einen Stuhl mit Armlehnen setzen. Ist das nicht möglich: auf dem Boden an eine Wand lehnen
  • Kragen und Gürtel öffnen
  • Patientin beruhigen, Puls weiter fühlen, bis der Notarzt kommt (im Schnitt nach zwölf bis 15 Minuten)
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