Das Smartphone: Sinnvolle Beschäftigung für Kleinkinder?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Kinder unter drei Jahren sollten am besten gar nicht mit Smartphone oder Tablets beschäftigt werden.“ © Privat

Laut einer neuen Studie kann sich die Sprachentwicklung eines Kleinkinds verzögern, wenn es häufig mit einem Smartphone oder Tablet spielt. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt die Studienergebnisse und wie Eltern ihr Kind stattdessen beschäftigen können.

 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Für viele Eltern ist es heute selbstverständlich, Kleinkindern Tablet, Smartphone und Co. zur Unterhaltung zu geben. Und das ist eigentlich auch kein Wunder, denn es gibt jede Menge Apps und Spiele, die genau auf die Kleinen zugeschnitten sein sollten und sie lange beschäftigen können. Doch ist das für die Entwicklung des Kindes sinnvoll? Die Ergebnisse einer neuen kanadischen Studie zu dieser Frage sind jedenfalls bedenklich: Demnach kann häufiges Spielen mit dem Tablet oder Smartphone die Sprachentwicklung eines Kindes verzögern.

 

Das Smartphone: Kein gutes Spielzeug?

Die Daten von fast 900 Kindern im Alter von 18 Monaten wurden für die Untersuchung verwendet. Dabei sollten die Eltern angeben, wie viele Minuten am Tag der Nachwuchs jeweils an einem elektronischen Gerät wie dem Tablett oder Smartphone verbrachte. Das Ergebnis: Durchschnittlich beschäftigten sich 22 Prozent der Kinder rund 28 Minuten pro Tag mit derartigen Geräten. Zusätzlich überprüften die Wissenschaftler um Studienautorin Dr. Catherine Birken den aktuellen Stand der motorischen sowie der Sprachentwicklung bei jedem Kind. Dabei wurde nicht nur notiert, über welchen Sprachschatz die kleinen Probanden generell verfügten, sondern auch ob und wie sie Worte sinnvoll aneinander reihten. Anschließend wurden die Daten miteinander verglichen. Dabei stellte sich heraus: Das Risiko für eine verzögerte Sprachentwicklung erhöhte sich um durchschnittlich 49 Prozent für jede zusätzliche halbe Stunde, die sich die Kinder täglich mit dem Gerät beschäftigten. Eine Verbindung zwischen den motorischen Fähigkeiten und der Verwendung von derlei Geräten konnte dagegen nicht gefunden werden.

Kinder und Smartphones
Ab drei Jahren ist es laut Experten in Ordnung, wenn ein Kind Bildmedien wie das Smartphone nutzt – allerdings sollte es das nicht länger als 30 Minuten pro Tag tun© iStock

Die Studienergebnisse stützen die Empfehlungen von Experten, laut denen Kinder unter drei Jahren am besten gar nicht mit Smartphone, Tablet und Co. beschäftigt werden sollten. Allerdings weisen Dr. Birken und ihre Kollegen daraufhin, dass in der aktuellen Untersuchung nicht geklärt wurde, ob die Nutzung der elektronischen Geräte selbst die Sprachverzögerung verursacht, oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen. Weitere Forschung in dieser Richtung soll darüber aber bald Aufschluss geben.

 

Wie sollte ich mein Kind beschäftigen?

Kleine Kinder lernen in erster Linie, indem sie ihre Eltern nachahmen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass sich Eltern selbst mit ihrem Nachwuchs beschäftigen, statt ihn mit einem Smartphone oder Tablet „ruhigzustellen“. Die persönliche Interaktion stärkt nicht nur die Beziehung zueinander, sondern unterstützt auch die Entwicklung des Kindes. Gut geeignet zur gemeinsamen Unterhaltung sind beispielsweise ab etwa sechs Monaten Bilderbücher, aus denen die Eltern vorlesen können und kleine Spiele, die die motorische Entwicklung fördern. Rollen Sie dazu zum Beispiel kleine Bälle zu dem Baby, damit es üben kann, danach zu greifen oder lassen sie es Bauklötzchen stapeln.

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.