Das richtige Medikament zur falschen Tageszeit – wie Licht ein Krebsmittel hemmt

Krebsmittel wirken nachts besser
Forscher haben entdeckt, dass Krebsmittel nachts besser wirken – es sei denn, man schläft mit zu viel Licht © Fotolia

Der Einfluss von Licht verhindert die Wirkung eines häufig verschriebenen Krebsmittels. Das zeigen Forscher in einer aktuellen Studie. Demnach macht die Unterbrechung der nächtlichen Melatoninproduktion – z.B. durch eine kleine Lichtquelle im Schlafzimmer – Krebszellen resistent gegen das Krebsmittel Tamoxifen. Lesen Sie bei Praxisvita, wieso es für jedes Medikament den richtigen Zeitpunkt zur Einnahme gibt und was das mit unserer inneren Uhr zutun hat.

Die kürzlich veröffentlichte Studie der Tulane University belegt erstmals den Zusammenhang zwischen der Produktion von Melatonin und der Wirkung von Krebsmitteln. Im konkreten Fall konnten die Forscher zeigen, wie die Verringerung des Melatoninspiegels im Körper die Wirkung des häufig bei Brustkrebs eingesetzten Mittels Tamoxifen aussetzt.

 

Eine kleine Lichtquelle reicht

Die Wissenschaftler schreiben, dass bereits eine schwache Lichtquelle – wie z.B. das unter einer Tür durchstrahlende Licht – ausreicht, um das Medikament wirkungslos werden zu lassen. Grund dafür ist ein medizinisch überraschender Mechanismus.

Es ist schon länger bekannt, dass das Hormon Melatonin die Bildung und das Wachstum von Tumoren stört. Das Krebsmittel Tamoxifen dagegen zerstört Krebszellen und sorgt für eine Rückbildung von Tumoren – aber offensichtlich nur in Zusammenarbeit mit einem erhöhten Melatoninspiegel, wie der menschliche Stoffwechsel ihn nur nachts produziert.   

 

Krebszellen werden doppelt bekämpft

Nach Aussagen der Forscher werden also die Krebszellen bei ihrer Ausbildung und Ausbreitung durch den erhöhten Melatoninspiegel natürlich gebremst. Diese „Schlafpause der Krebszellen“ – bei der sie am anfälligsten sind – nutzt das verabreichte Tamoxifen und zerstört das Tumorgewebe.

Hemmt man aber wiederum mit Licht die nächtliche Produktion des Melatonins, ist die Wirksamkeit des krebszerstörenden Mittels aufgehoben, da „die Krebszellen aufwachen und nicht mehr angreifbar sind“, erklärt Studienleiter Professor David Blask.

 

Der Zeitpunkt der Einnahme von Krebsmitteln ist entscheidend

Demnach sei für eine erfolgreiche Krebsbehandlung das Zusammenspiel beider Faktoren und damit der genaue Zeitpunkt – in den Abendstunden – der Verabreichung von Tamoxifen entscheidend. Zudem sei es wichtig, dass die Melatoninproduktion nicht durch Licht gestört wird, weswegen Krebspatienten am besten in völliger Dunkelheit schlafen sollten. Auch der Einfluss von künstlichem Licht – z.B. dem eines Handys – hebt die Wirkung des Krebsmittels auf. 

 

Alles eine Frage des „Timings“

Die Wirkung von Medikamenten ist abhängig von der Tageszeit, da in unserem Körper eine Art innere Uhr tickt. Die sitzt im Gehirn, besteht aus rund 10.000 Nervenzellen und bestimmt wichtige Faktoren unseres Biorhythmus. Deswegen haben, je nach Tageszeit, Medikamente eine unterschiedliche Wirkung. Praxisvita verrät Ihnen, wann der richtige Zeitpunkt für Ihre Medizin ist.

 

6 bis 9 Uhr

Das Schlafhormon Melatonin nimmt ab, unser Körper produziert Adrenalin. Die Folge: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt – wir erwachen. Medikamente gegen Diabetes und Bluthochdruck wirken nun besonders gut.

 

9 bis 12 Uhr

Wichtige berufliche oder private Termine am besten auf 11 Uhr legen: Der Körper hat nun seine beste Zeit, die meisten Funktionen erreichen Spitzenwerte.

 

12 bis 15 Uhr

Ab 14 Uhr laufen die Nieren auf Hochtouren – ideal zum Entgiften. Trinken Sie deswegen viel.

 

15 bis 18 Uhr

Der frühe Abend ist die perfekte Zeit für einen Zahnarzt-Termin. Denn die Schmerz-Empfindlichkeit ist dann am niedrigsten.

 

18 bis 22 Uhr

Rheuma- und Schmerzmittel verarbeitet der Magen am besten gegen 22 Uhr, weil er zu dieser Zeit stark durchblutet ist.

 

22 bis 6 Uhr

Die Lungenaktivität nimmt ab. Asthma-Patienten sollten ein Notfall-Medikament parat haben. Auch Heuschnupfen- und Allergiemittel abends einnehmen, denn in der Nacht produziert der Körper am wenigsten entzündungshemmende Hormone.

Hamburg, 26. Juli 2014

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