Das Resveratrol-Geheimnis: Ist Rotwein gesund oder nicht?

Ist Rotwein nicht gesund?
Rotwein in geringen Mengen (etwa 1-2 Gläser täglich) hat eine gesundheitsfördernde Wirkung, das bestätigt eine aktuelle Studie © Fotolia

Rotwein zum Weihnachtsessen schmeckt gut und hebt die Festtagsstimmung – doch ist er auch gesund? Diese Frage ist unter Medizinern seit langem sehr umstritten. Jetzt sind US-Forscher einen entscheidenden Schritt vorangekommen.

Resveratrol ist ein Pflanzenstoff, der die Pflanze vor Verletzungen und Pilzbefall schützt. Er ist in hoher Konzentration in Rotwein enthalten, darum wird dem Getränk eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Einige Mediziner bezweifeln das jedoch – besonders, weil noch niemand erklären konnte, wie Resveratrol wirklich wirkt.

Darin ist US-amerikanischen Forschern jetzt ein entscheidender Fortschritt gelungen. In einer aktuellen Studie decken sie die genauen Wirkungsmechanismen auf, mit denen Resveratrol vor Krebs, Diabetes und Herzerkrankungen schützt.

 

Zufallsentdeckung mit weitreichenden Folgen

Die neuen Erkenntnisse beruhen auf einer zufälligen Entdeckung. Die Wissenschaftler des Scripps Research Institutes in Kalifornien beschäftigten sich mit Proteinen in menschlichen Zellen. Die Aufgabe dieser Proteine ist es, das Funktionieren der Zelle zu steuern, beispielsweise, indem sie ihr ermöglichen, sich von einem Ort zum anderen zu bewegen. Dafür interagieren die Proteine mit Partnerproteinen, die meist eine ähnliche sogenannte 3D-Struktur haben.

Die Forscher bemerkten, dass ein spezielles Enzym, die sogenannte Tyrosyl-tRNA-Synthetase, eine ähnliche 3D-Struktur hat wie Resveratrol. Bei der näheren Untersuchung stellten sie fest, dass Resveratrol mit der Tyrosyl-tRNA-Synthetase interagiert. Das sei entscheidend dafür, ob Resveratrol eine gesundheitsfördernde Wirkung entfalte oder nicht.

 

Interaktion mit Molekülen

Nach dieser Entdeckung untersuchten die Wissenschaftler die Interaktion von Resveratrol mit anderen Molekülen, die regulieren, wie eine Zelle auf Belastungen reagiert und unter anderem an der Steuerung des Tumorwachstums und des Glukosespiegels beteiligt sind. In einer Mäusestudie konnten die Forscher beweisen, dass Resveratrol die Produktion von drei dieser Moleküle fördert. Das könnte erklären, warum Rotwein wie in früheren Studien nachgewiesen das Krebsrisiko verringern kann und Trauben, die besonders viel Resveratrol enthalten, bei Diabetespatienten den Glukosespiegel senken.

Als nächstes wollen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse in Tests am Menschen bestätigen. Ihre Hoffnung: das „Partnerprotein“ von Resveratrol, Tyrosyl-tRNA-Synthetase, in die Therapie einzubinden und den Pflanzenstoff so wirksamer zu machen.

Schon frühere Studien haben nachgewiesen, dass ein mäßiger Rotweinkonsum das Herzinfarkt-Risiko senkt. Experten empfehlen darum einen täglichen Konsum von 1-2 Gläsern Rotwein – diese Menge sollte aber auf Dauer nicht überschritten werden. Weitere leckere Resveratrol-Lieferanten – ohne Alkohol – finden Sie hier.

Hamburg, 26. Dezember 2014

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