Pfeifen im Ohr: Ursachen und welche Hausmittel helfen

Redaktion PraxisVITA

Dauerndes Pfeifen im Ohr ist schwer zu ertragen. Hinter diesem Ohrgeräusch können sich eine Vielzahl von Erkrankungen und Funktionsstörungen verbergen. Alles zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Pfeifen im Ohr. 

Es begleitet einen über den ganzen Tag oder macht sich immer mal wieder bemerkbar, vor allem abends im Bett, wenn keine anderen Nebengeräusche zu hören sind: das Pfeifen im Ohr. Es wird nicht nur durch Lärmbelastung und Funktionsstörungen ausgelöst, sondern ebenso durch Entzündungen und Stress. Inzwischen gibt es viele Behandlungsmethoden gegen Ohrgeräusche – aber auch mit Hausmitteln können sich Betroffene behelfen.

 

Pfeifen im Ohr: Ursache immer ein Tinnitus?

Pfeifen im Ohr gehört neben Rauschen, Knacken und Summen zum Symptomspektrum eines Tinnitus. Es kann jedoch auch unabhängig davon auftreten – nämlich dann, wenn der Ton nicht durchgängig zu hören ist, wie es typischerweise bei einem Tinnitus der Fall ist. Der Hörstörung liegt meist eine der folgenden Erkrankungen und Funktionsstörungen zugrunde:

  • Bakterielle oder virale Mittelohrentzündung
  • Erkrankungen des Gehörgangs
  • Durchblutungsstörungen im Ohr 
  • Verspannungen im Hals- und Nackenbereich 
  • Altersschwerhörigkeit 
  • Akustisches Trauma, z.B ein Knalltrauma, durch extrem laute Geräusche 

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Bei der Entstehung von Ohrgeräuschen spielen zudem die Blutgefäße eine Rolle. Ein starker Blutfluss in der Halsschlagader löst mitunter eine Hörstörung aus. Das Pfeifen im Ohr kann somit durch Bluthochdruck (Hypertonie) verursacht oder dadurch verstärkt werden. Allerdings kommt auch ein zu niedriger Blutdruck, der mit einer geringen Durchblutung des Gehirns einhergeht, als Ursache in Frage.

 

Was hilft gegen das Pfeifen im Ohr? 

Durch eine schnelle Behandlung und die richtige Therapie lässt sich das Pfeifen im Ohr inzwischen effektiv bekämpfen. Sowohl für akutes als auch für chronisches Ohrpfeifen gibt es wirksame Behandlungsmethoden: 

Medikamentöse Behandlung bei neu auftretendem Ohrpfeifen

Ohrgeräusche sollten möglichst schnell mit Medikamenten behandelt werden. Besonders effektiv wirkt Kortison. Es wird in hoher Dosierung gespritzt oder als Infusion verabreicht. Der Wirkstoff fördert die Durchblutung und hemmt die Entzündung. Die Kortison-Therapie dauert in der Regel zehn Tage. Alternativ wird eine Infusion zur Vergrößerung des Blutvolumens verabreicht. So gelangen mehr Nährstoffe in das Innenohr – es wird besser versorgt. Zudem können geschädigte Haarzellen im Ohr heilen.

Diese Behandlung ist allerdings nur in den ersten drei Monaten sinnvoll. Danach wird das Pfeifen im Ohr chronisch und die Chance, es vollständig loszuwerden, nimmt ab. 

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Retraining: Das Pfeifen im Ohr "überhören" lernen

Aber auch für dauerhaft Betroffene gibt es wirksame Behandlungsmethoden. Man kann das Gehirn so trainieren, dass das Pfeifen im Ohr anders wahrgenommen wird. Besonders erfolgreich: das sogenannte Retraining. Dabei soll das Gehirn das Pfeifen im Ohr als unwichtig einschätzen lernen und aus der bewussten Wahrnehmung verschwinden lassen. Ziel ist es, sich so an das Ohrgeräusch zu gewöhnen, dass man es nicht mehr als störend empfindet. 

 

Pfeifen im Ohr abschalten – das Gehirn neu „programmieren“ 

Experten setzen heutzutage verstärkt auf magnetische Stimulation. Durch die Reizung spezieller Hirnregionen kann das Pfeifen im Ohr kurzfristig unterdrückt werden. Bei lang anhaltenden Beschwerden setzen etwa die Experten der Tinnitus-Klinik Bad Arolsen auf die Hörtherapie: Der Patient läuft mit verbundenen Augen durch den Raum, folgt den Ansagen des Therapeuten und übt dabei, andere Geräusche auszublenden. Auch dies trainiert die Filterfunktion des Gehirns, die Fixierung auf das Ohrgeräusch lässt nach.

Außerdem arbeiten während des Trainings beide Gehirnhälften zusammen und neue Nervenverbindungen werden geknüpft – ein Prozess, der durch eine begleitende Psychotherapie gezielt gefördert wird. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

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Pfeifen im Ohr – die besten Hausmittel und Tipps

Ob bei akuten oder chronischen Beschwerden – das Pfeifen im Ohr kann mit Hausmitteln zusätzlich zur ärztlichen Behandlung gelindert werden. Besonders, wenn das Ohrgeräusch durch Stress, Bluthochdruck oder durch eine Mittelohrentzündung ausgelöst wurde, können Sie mit diesen einfachen Mitteln eine Besserung herbeiführen. 

 

Kurkuma lindert Entzündungen

Entzündungen im Ohr sollten medikamentös behandelt werden. Durch Kurkuma kann der Heilungsprozess allerdings unterstützt werden. Denn das Gewürz enthält entzündungshemmende und antibakterielle Inhaltsstoffe. Zudem soll es sich positiv auf die Zellen auswirken und das Immunsystem stärken. Doch damit der "gelbe Ingwer" seine Wirkung entfaltet, braucht man eine größere Menge: Lösen Sie dafür einen halben Teelöffel Kurkuma in warmem Wasser oder (Pflanzen-)Milch auf und rühren es gut darin ein. Für Schwangere ist Kurkuma nicht geeignet, da es Krämpfe und Blutungen auslösen kann.

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Lindenblüten und Lavendel gegen stressbedingte Ohrgeräusche

Besteht der Verdacht, dass das Pfeifen im Ohr eine Folge von Dauerstress ist, sollte eine Veränderung des Lebensstils und eine Vermeidung von Stressauslösern angestrebt werden. Wenn sich das Ohrgeräusch allerdings nur in akuten Stressphasen zeigt, kann der Einsatz von Heilpflanzen und ätherischen Ölen Abhilfe schaffen, allen voran Lindenblüten und Lavendel.  

Die Blüten des Lindenbaums sind ein Multitalent: Sie helfen bei Erkältungen und Blasenproblemen, aber auch gegen Stress. Schon zwei bis drei Tassen Tee (Apotheke) täglich beruhigen die Nerven. Ebenso effektiv: ein Vollbad. Für einen Badezusatz 100 g Blüten mit zwei Litern Wasser aufkochen, zehn Minuten ziehen lassen und danach abgießen.

Auch Lavendel, das Anti-Stress-Mittel schlechthin, eignet sich aufgrund seiner entspannenden Wirkung als Badezusatz. Lavendelöl eignet sich zudem für die innere Anwendung. So können bei akuten Beschwerden einige Tropfen des Öls direkt in das Ohr gegeben werden. 

 

Ingwer und Ginkgo fördern die Durchblutung im Ohr 

Wenn Durchblutungsstörungen hinter dem Pfeifen im Ohr stecken, sollten Sie auf Ingwer und Ginkgo setzen, da sie die Blutzirkulation unterstützen: Sie erweitern die Gefäße, wodurch das Blut besser fließen kann. Ingwer wirkt dazu auch noch entzündungshemmend. In der Apotheke sind Präparate mit hochdosierten Ingwer- und Ginkgoextrakten erhältlich.

Die Heilpflanzen lassen sich jedoch ebenso gut als Tee zubereiten: Dafür einen Teelöffel frisch geriebenen Ingwer oder zwei Teelöffel frischen Ginkgo mit heißem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen.

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Sport und Ernährung mindern das Risiko für Pfeifen im Ohr

Wollen Sie ihren Bluthochdruck senken und gleichzeitig das lästige Ohrgeräusch loswerden, ist regelmäßige Bewegung und eine gesunde, fett- und salzarme Ernährung unerlässlich. Mit Sport können Sie zudem nicht nur Ihre Blutdruckwerte verbessern, sondern auch Stress reduzieren und die Durchblutung fördern – und damit gleich mehrere Risikofaktoren für das Pfeifen im Ohr ausschalten. 

Quellen:

Pfeifen oder Summen im Ohr, in: MSD Manual

Bluthochdruck: Warnzeichen & Notfall, in: Internisten im Netz

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