Das passiert, wenn man einen Hund umarmt

Verena Elson
Eine Frau umarmt einen Hund
Einen Hund umarmen – das lässt den Blutdruck sinken, Glückshormone ansteigen und stärkt außerdem das Immunsystem. Doch dem Hund ist diese Art der Zuneigung meist zu einengend, darauf weist ein Psychologe und Hundeexperte jetzt hin © Fotolia

Immunsystem, Blutdruck, Stresslevel - wie reagieren unsere Körpermechanismen, wenn wir einen Hund umarmen? Und was hält der Hund eigentlich davon? Zahlreiche Studien geben Antworten.

 

Der Blutdruck sinkt

Bereits 1988 konnten Wissenschaftler der University of South Carolina zeigen, dass das Streicheln und Knuddeln eines Hundes den Blutdruck senkt und den Herzschlag verlangsamt – und zwar mehr, als nur mit dem Hund zu sprechen oder sich mit Menschen zu unterhalten. Dabei muss es sich nicht um den eigenen Hund handeln: Die Probanden in der Studie kuschelten mit „Fremdhunden“.

 

Das Immunsystem wird gestärkt

Schon Babys sollten mit Hunden knuddeln – denn das kann sie vor Asthma und Allergien schützen, wie 2004 eine Studie der University of Wisconsin zeigte. Die Wissenschaftler untersuchten die Gesundheit von Risikokindern, bei denen mindestens ein Elternteil an Asthma oder einer Allergie litt. Einige der Kinder wuchsen mit, andere ohne Hund auf. Das Ergebnis: Kinder mit einem vierbeinigen Kuschelkameraden sind klar im Vorteil. Der Effekt trat am deutlichsten auf, wenn der Hund schon vor ihrer Geburt im Haushalt lebte.

 

Die Stimmung steigt

Eine Analyse südafrikanischer Wissenschaftler ergab 2003, dass der körperliche Kontakt mit einem Hund den Hormonhaushalt positiv beeinflusst. Für das Experiment wurden Hundebesitzer für eine halbe Stunde mit ihrem Hund in einem unmöblierten Zimmer allein gelassen und hatten nur eine Aufgabe: Ihrem Hund ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken – das heißt, mit ihm zu reden, ihn zu streicheln und zu kraulen. Zu Beginn und Ende dieser Zeitspanne wurde den Probanden Blut abgenommen. Dabei zeigte sich: Der Spiegel verschiedener Hormone stieg während der Knuddel-Stunde an – darunter die euphorisierenden und schmerzlindernden Beta-Endorphine, die Bindungshormone Oxytocin und Prolactin sowie das Glückshormon Dopamin.

 

Und wie geht es dem Hund dabei?

So schön, beruhigend und gesund eine innige Umarmung für den Menschen auch sein mag – für die meisten Hunde ist sie purer Stress. Darauf weist jetzt der Psychologe und Hundeexperte Stanley Coren in einem Artikel von „Psychology Today“ hin. Er sah sich 250 online gepostete Bilder von Hunden an, die umarmt werden, und analysierte den Gesichtsausdruck der Tiere. Als Kenner der Hundesprache identifizierte er bei 82 Prozent der Hunde Anzeichen von Stress und Unwohlsein – dazu gehören das Senken oder Wegdrehen des Kopfes, das Anlegen der Ohren, das weite Aufreißen oder Schließen der Augen sowie Lefzen lecken und Gähnen.

Der Grund ist laut Coren: Wenn ein Hund in Gefahr gerät, ist sein erster Impuls, wegzulaufen. Wird ihm diese Möglichkeit durch die „Umklammerung“ genommen, empfindet er die Situation als unangenehm. Normalerweise „erträgt“ der Hund die Umarmung durch Herrchen oder Frauchen. Doch gerät er zu sehr unter Stress, kann es sogar passieren, dass er zubeißt.

Besser ist darum, den Hund zu streicheln und zu kraulen – das hat dieselben positiven Effekte auf die menschliche Gesundheit, stört aber den Hund nicht. Im Gegenteil: Wie die südafrikanische Studie zeigte, schüttet auch der Hund vermehrt Glücks- und Bindungshormone aus, wenn er gestreichelt wird.

Hamburg, 27. April 2016

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