Das ist Ihr gutes Recht als Patient!

Wartezimmer beim Arzt
Schon wieder eine Stunde im Wartezimmer verbracht – ist das rechtens? Ist es nicht! Wir informieren Sie über Ihre Rechte als Patient © Fotolia

Wie lange darf die Wartezeit beim Arzt dauern? Darf ich meine Patientenakte einsehen? Und kann ich das Krankenhaus wegen Druckgeschwüren verklagen? Diese und viele andere Fragen beantwortet Elisabeth Buchinger von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland im Interview.

Montagmorgen bietet sich in fast jeder deutschen Arztpraxis dasselbe Bild: Das Wartezimmer ist proppenvoll, die Sprechstundenhilfen sind genervt. Gelangt der Patient nach durchschnittlich 27 Minuten Wartezeit endlich ins Sprechzimmer, findet er meist einen völlig gestressten Mediziner vor. Nach durchschnittlich rund acht Minuten schickt dieser den Patienten wieder nach Hause. Aufklärung über Krankheit oder Behandlung? Findet selten statt. Doch muss man sich das gefallen lassen? Wir haben mit Elisabeth Buchinger von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland gesprochen. Sie beantwortet hier die wichtigsten Fragen zum Patientenrecht.

 

Patientenrecht beim Arzt

Wie lange darf es im Wartezimmer dauern?

30 Minuten. Ausnahme sind Notfälle. Liegt ein Organisationsfehler vor, melden Sie dies der Kassenärztlichen Vereinigung.

Kann ich mit Herzrasen gleich zum Kardiologen?

Ja, eine Überweisung zum Facharzt ist heute nicht mehr nötig.

Mein Muttermal hat sich verändert. Der Hautarzt hat erst in vier Wochen einen Termin frei. Was soll ich tun?

Lassen Sie den Fleck von Ihrem Hausarzt untersuchen. Stuft dieser das Muttermal als risikoreich ein, muss er Ihnen einen baldigen Termin beim Hautarzt besorgen.

Kann ich meinen Arzt für Behandlungsfehler haftbar machen?

Ja, aber Sie als Patient müssen den Fehler beweisen. Dazu ist ein Gutachten erforderlich. Unterstützung erhält man bei Krankenkasse und Unabhängiger Patientenberatung.

Der Arzt verschreibt mir neuerdings ein billigeres Medikament. Darf er das?

Ja, ein wirkstoffgleiches Präparat von einem anderen Hersteller müssen Sie hinnehmen. Es sei denn, Sie vertragen es nicht. Dann können Sie den Arzt um das Originalpräparat bitten.

Darf ich meine Patientenakte vollständig einsehen?

Ja, dies ist im Patientenrechtegesetz verankert (§ 630g BGB).

Ich habe in eine OP eingewilligt, doch der Arzt hat die Risiken verschwiegen. Nun sind Komplikationen aufgetreten. Kann ich Schadenersatz verlangen?

Ja, es sei denn, der Arzt kann das Gegenteil beweisen (Dokumentationen über Aufklärung). Sehen Sie Ihre Akte ein und lassen Sie sich von einem Anwalt für Medizinrecht beraten.

Kann mich eine Praxis ablehnen, weil sie schon zu viele Patienten hat?

Ja, wenn es die Wahrheit ist. Auf www.weisse-liste.de finden Sie freie Praxen in der Region.

Ich habe akute Schmerzen. Die Arzthelferin vertröstet mich auf morgen. Darf sie das?

Nein, wenn ein Notfall vorliegt, darf kein Arzt die Behandlung verweigern. Sonst haftet er bei eventuell auftretenden Folgeschäden.

Kann ich eine zweite Expertenmeinung einholen?

Ja – und zwar ohne es vorab irgendwo abklären zu müssen.

Es ging mir nicht gut und ich wollte mich krankschreiben lassen. Mein Arzt fand nichts und verweigerte das Attest. Ist das rechtens?

Ja, denn der Arzt muss Befunde erheben, aufgrund derer er entscheidet, ob eine Arbeitsfähigkeit vorliegt oder nicht. Findet er nichts, kann und muss er keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen.

Kann der Arzt mich zur Rechenschaft ziehen, wenn ich einen Termin bei ihm versäumt habe?

Nein, denn mit einem Termin geht man keine rechtsverbindliche Vereinbarung ein.

Muss der Arzt mich behandeln, wenn ich meine Versichertenkarte vergessen habe?

Nein, dazu ist er nicht verpflichtet. Es sei denn, bei Ihnen liegt ein Notfall vor.

 

Ihre Rechte im Krankenhaus

Ich habe Druckgeschwüre, weil das Klinikpersonal mich nicht umgelagert hat. Kann ich die Klinik verklagen?

Ja, aber dazu müssen Sie den Schaden, den Sie durch die Vernachlässigung erlitten haben, mithilfe eines Gutachters beweisen.

Ich habe eine Zusatzversicherung mit Chefarztbehandlung. Muss ich eine Vertretung akzeptieren?

Nein, nur bei Notfällen darf ein Vertreter eingesetzt werden.

Kann ich mir als Kassenpatient aussuchen, in welches Krankenhaus ich gehen möchte?

Ja, grundsätzlich steht allen gesetzlich Versicherten die freie Krankenhauswahl zu. Diese Kliniken müssen aber einen Versorgungsvertrag mit den gesetzlichen Krankenkassen abgeschlossen haben (Infos: www.weisse-liste.de).

Darf ich meine Röntgenbilder auf Anfrage mitnehmen?

Ja, zumindest als Kopie.

Kann ich schon im Vorfeld dafür sorgen, dass ich bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt in eine bestimmte Klinik komme?

Nein, doch da die Einweisung meist über einen Notarzt erfolgt, können Sie sicher sein, dass dieser die besten verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten kennt und dafür sorgt, dass Sie so schnell wie möglich dort ankommen.

Darf ich mit starken Kopfschmerzen direkt in ein Krankenhaus gehen?

Ja, denn es könnte sich dabei um einen lebensgefährlichen Notfall, zum Beispiel einen Schlaganfall handeln, der direkt untersucht und behandelt werden muss.

Kann ich verhindern, vom Assistenzarzt behandelt zu werden?

Nein, aber der Ausbilder (meist der Chefarzt) stellt sicher, dass die Assistenzärzte für die Tätigkeiten, bei denen sie eingesetzt werden, bereits die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen erworben haben.

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