Das HELLP-Syndrom – Lebensgefahr für Mutter und Kind

Redaktion PraxisVITA

Das HELLP-Syndrom ist eine ernsthafte Komplikation, die während einer Schwangerschaftsvergiftung auftreten kann. Die Symptome können sich derart zuspitzen, dass das Leben von Mutter und Kind bedroht ist.

Beim HELLP-Syndrom treten ernstzunehmende Beschwerden auf
Das HELLP-Syndrom äußert sich durch eine Vielzahl an Symptomen. Eins davon sind starke Schmerzen auf der rechten Seite des Bauches© iStock

Das HELLP-Syndrom kann während einer Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) auftreten. Es zeigt sich häufig ab dem neunten Schwangerschaftsmonat. Schätzungen zufolge kommt die Erkrankung bei rund zwei von 300 schwangeren Frauen vor.

Zu erkennen ist das HELLP-Syndrom an folgenden Anzeichen:

  • Starke Schmerzen rechts unter den Rippen bis hin zum Unterbauch  (bei 90 Prozent der betroffenen Frauen)
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Zusätzlich hierzu können die für eine Schwangerschaftsvergiftung typischen Symptome auftreten:

  • Bluthochdruck (140/90 mmHg)
  • vermehrtes Ausscheiden von Eiweiß im Urin (300 mg innerhalb von 24 Stunden).
 

Frauen mit HELLP-Syndrom: Mediziner raten zu einer Behandlung in einem Perinatalzentrum oder einer großen Klinik

Eine Schwangere mit HELLP-Syndrom sollte in einer großen Klinik bzw. in einem Perinatalzentrum behandelt werden. In großen Zentren verfügen Mediziner über das entsprechende Fachwissen zur Behandlung von Schwangerschaftskomplikationen.

Der behandelnde Arzt wird auf Grundlage der Krankheitsgeschichte eine erste Diagnose aufstellen. Durch das HELLP-Syndrom kommt es zu Beschwerden, die üblicherweise auch bei anderen Krankheiten auftreten. Daher muss der Arzt zunächst andere Krankheiten ausschließen, beispielsweise eine Grippe, eine Bauchspeicheldrüsen- bzw. Nierenbeckenentzündung oder einen Defekt der Magenschleimhaut.

Durch eine Blutuntersuchung kann geklärt werden, ob das HELLP-Syndrom vorliegt
Ärzte fertigen ein Blutbild der Schwangeren an, um festzustellen, ob sie am HELLP-Syndrom erkrankt ist© iStock

Um eine Diagnose aufzustellen, greift der Arzt auf mehrere Laboruntersuchungen zurück: Bluttest, Untersuchung des Urins und ggf. Computertomographie. Anhand der Ergebnisse kontrolliert der Arzt bestimmte Faktoren, die das Leiden auslösen und die gleichzeitig die Namensgebung der Krankheit beeinflussten:

H = Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen)

EL = erhöhte Leberenzym-Werte

LP = niedrige Thrombozytenzahl (englisch: Low Platelet count)

Bei einer Hämolyse kommt es zu einem verfrühten Abbau von roten Blutkörperchen. Hieraus kann eine Anämie entstehen, bei der zu wenig Sauerstoff im Blut vorhanden ist, sodass der gesamte Körper unterversorgt ist. Erhöhte Leberenzyme weisen darauf hin, dass die Leber nicht funktionstüchtig ist. Zu wenige Thrombozyten (Blutplätchen) können übermäßige Blutungen verursachen, da Wunden nicht rechtzeitig geschlossen werden.

 

HELLP-Syndrom: Ärzte können den Verlauf kaum vorhersagen

Der Verlauf des HELLP-Syndroms ist in vielen Fällen nicht nur schwer kalkulierbar, sondern darüber hinaus mit Medikamenten kaum zu behandeln. In der Regel verordnen Ärzte beim HELLP-Syndrom Kortikosteroide, um die Patientin zu stabilisieren. Damit die Komplikation gänzlich zurückgeht, empfehlen Mediziner meist einen Kaiserschnitt. Die Entbindung des Kindes lässt bei der überwiegenden Zahl der Fälle die Symptome abklingen. Nach etwa drei Tagen fühlen sich die meisten Frauen wieder gesund.  Eine Frühgeburt kann sich unter Umständen jedoch negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Ärzte können eine Entbindung vor dem eigentlichen Geburtstermin jedoch nicht in allen Fällen verhindern.

Bei einem HELLP-Syndrom kann eine Entbindung die Symptome abklingen lassen
Das HELLP-Syndrom bedroht vielfach das Leben von Mutter und Kind. Mediziner entscheiden sich daher häufig für die Einleitung der Geburt© iStock

In vielen Fällen wird das HELLP-Syndrom zu spät erkannt, sodass weitere Komplikationen auftreten: Blutgerinsel, Nieren- und Lungenversagen, Schlaganfall etc. Das Kind kann im schlimmsten Fall sterben, etwa wenn es zu einer plötzlichen Plazentalösung kommt oder der Blutdruck der Mutter nicht rechtzeitig gesenkt wird. Laut Studien kommen aufgrund des HELLP-Syndroms rund vier Prozent der Mütter und etwa 60 Prozent der ungeborenen Kinder ums Leben.

Was genau die Krankheit auslöst, ist noch nicht geklärt. Mediziner vermuten, dass das HELLP-Syndrom eine sogenannte multifaktorielle Erkrankung ist, für die es mehrere Ursachen gibt. Mittlerweile verdichten sich die wissenschaftlichen Untersuchungen dahingehend, dass eine funktionsgestörte Plazenta die Schwangerschaftskomplikation auslöst.

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