HELLP-Syndrom: Lebensgefahr für Mutter und Kind

Redaktion PraxisVITA

Das HELLP-Syndrom ist eine schwere Komplikation in der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt, die sich innerhalb von Stunden zuspitzt – im Extremfall ist das Leben von Mutter und Kind bedroht. Diese Warnzeichen sollten alle Schwangeren kennen.

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Das HELLP-Syndrom tritt häufig während einer Schwangerschaftsvergiftung auf, die auch Gestose, Präeklampsie und im späteren Stadium Eklampsie genannt wird. Es tritt bei den meisten Betroffenen ab dem neunten Schwangerschaftsmonat auf. Schätzungen zufolge kommt die Erkrankung bei etwa einer von 150 bis 300 schwangeren Frauen vor.

 

Was ist das HELLP-Syndrom?

Das HELLP-Syndrom ist ähnlich wie die sogenannte Eklampsie eine Komplikation in der Schwangerschaft, die für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein kann. Beim HELLP-Syndrom ist die Leberfunktion gestört, was in den meisten Fällen zusammen mit Bluthochdruck auftritt. Häufig verschlechtert sich der Zustand einer Schwangeren mit HELLP-Syndrom innerhalb einer Stunde erheblich. Der Begriff HELLP setzt sich aus folgenden Laborsymptomen zusammen:

  • H = Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen)
  • EL = erhöhte Leberwerte (Anzeichen für Leberschäden)
  • LP = niedrige Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie) (englisch: Low Platelet count)

Bei einer Hämolyse kommt es zu einem verfrühten Abbau von roten Blutkörperchen. Hieraus kann eine Blutarmut (Anämie) entstehen, bei der zu wenig Sauerstoff im Blut vorhanden ist, sodass die Mutter und das Baby unterversorgt sind. Erhöhte Leberwerte weisen darauf hin, dass die Leber nicht funktionstüchtig ist. Zu wenige Blutplättchen (Thrombozyten) können übermäßige Blutungen verursachen, da Wunden nicht rechtzeitig geschlossen werden.

Eine schwangere Frau sitzt auf dem Bett und fasst sich an den unteren Rücken
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HELLP-Syndrom: Ursachen noch nicht vollständig geklärt

Die Ursachen eines HELLP-Syndroms sind derzeit noch nicht abschließend erforscht. Mediziner:innen erforschen Theorien, wonach eine vermehrte Blutgerinnung an der Innenseite der Plazenta die schwere Komplikationen auslöst. Erbliche Vorbelastung, hormonelle Ursachen sowie Vorerkrankungen wie Adipositas oder Nierenleiden werden ebenfalls als mögliche Ursachen diskutiert.

 

HELLP-Syndrom: Symptome der Erkrankung

Das HELLP-Syndrom zeigt von Frau zu Frau abweichende Symptome, die auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Daher ist die Diagnose nicht immer einfach zu treffen. Bei folgenden Beschwerden ist es dringend empfehlenswert, sofort medizinische Hilfe zu suchen:

  • Starke Schmerzen im Oberbauch (rechts unter den Rippen bis hin zum Unterbauch)
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Sehstörungen (z.B. Flimmern, Doppelbilder)

Handelt es sich tatsächlich um das HELLP-Syndrom, stellt die Ärztin bei der Untersuchung mitunter noch eine Kombination aus einem erhöhten Blutdruck (über 140/90 Millimeter-Quecksilbersäule, kurz: mmHg, eine Einheit für Druck), einem vermehrten Ausscheiden von Eiweiß im Urin (300 Milligramm innerhalb von 24 Stunden) und Flüssigkeitseinlagerungen (Ödemen) in Beinen, Händen und im Gesicht fest.

Mutter liegt nach der Geburt, mit dem Baby auf dem Bauch, im Bett, während der Vater die Hand auf dem Kind liegen hat und es anschaut
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Wie sieht die Behandlung des HELLP-Syndroms in der Schwangerschaft aus?

Eine Schwangere mit HELLP-Syndrom sollte in einer großen Klinik beziehungsweise in einem Perinatalzentrum behandelt werden. In großen Zentren verfügen Mediziner über das entsprechende Fachwissen zur Behandlung von Schwangerschaftskomplikationen. Ist das Baby weit genug entwickelt, also etwa in der 38. Schwangerschaftswoche (SSW), wird nach Möglichkeit die Geburt eingeleitet, abhängig vom Zustand der Mutter. Vor der 34. Schwangerschaftswoche ist die Lunge des Kindes noch nicht vollständig ausgereift, weswegen Ärzte Kortison verabreichen, um die Lungenreifung zu beschleunigen.

Bei einer plötzlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Mutter oder Kind wird rasch ein Kaiserschnitt eingeleitet. Etwa 48 Stunden nach der Entbindung bilden sich die Symptome dann in der Regel zurück.

 

HELLP-Syndrom nach der Geburt

In etwa 30 Prozent der Fälle tritt das HELLP-Syndrom erst nach der Geburt auf, in der Regel in den ersten 48 Stunden nach der Entbindung, selten auch später. Die Mutter muss auch dann im Krankenhaus engmaschig überwacht und medikamentös behandelt werden.

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Prognose beim HELLP-Syndrom: Überlebenschancen und Spätfolgen beim Kind

Die Müttersterblichkeit bei dem HELLP-Syndrom wird in der Fachliteratur mit drei bis fünf Prozent angegeben. Das Risiko, dass das Baby stirbt (beispielsweise durch eine vorzeitige Plazentaablösung), liegt je nach Studie bei etwa sechs bis 37 Prozent. Um die Überlebenschancen von Kind und Mutter zu erhöhen, ist es vor allem wichtig, bei den ersten Symptomen sofort ärztliche Hilfe zu suchen.

Durch die eventuelle Unterversorgung mit Sauerstoff und die mitunter verfrühte Geburt können beim Kind Spätfolgen wie eine körperliche und geistige Entwicklungsstörung sowie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen.

Quellen:

Diedrich, Klaus et al. (2006) Gynäkologie und Geburtshilfe, Heidelberg: Springer Verlag.

HELLP-Syndrom, in: präeklampsie-hellp.de

Krankheiten und Infektionen in der Schwangerschaft: HELLP-Syndrom, in: familienplanung.de

Kainer, Franz & Nolden, Annette (2018): Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche, München: Gräfe und Unzer Verlag.

Nolden, Annette (2007): Schwangerschaftskalender, München: Gräfe und Unzer Verlag.

Schwangerschaftshochdruck / Präeklampsie: Krankheitsbilder und Symptome, in: frauenaerzte-im-netz.de

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