Das hämolytisch-urämische Syndrom

Dr. med. Nadine Hess

Einigen ist das hämolytisch-urämische Syndrom – auch HUS genannt – noch aus dem Sommer 2011 bekannt, als es in Norddeutschland mehrere hundert Fälle vor allem bei Erwachsenen gab, die teilweise sogar tödlich endeten. Grund für die Erkrankungen waren mit bestimmten E. coli-Bakterien verseuchte Bockshornkleesamen, welche die Betroffenen verzehrt hatten. Was ist das HUS? Wodurch wird es ausgelöst und wie wird es behandelt? Wie ist die Prognose nach überstandener Erkrankung?

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Kinder, bei denen ein HUS vermutet wird, müssen umgehend stationär in einer auf kindliche Nierenerkrankungen spezialisierte Klinik aufgenommen werden.“ © privat
 

Das hämolytisch-urämische Syndrom

Einigen ist das hämolytisch-urämische Syndrom – auch HUS genannt – noch aus dem Sommer 2011 bekannt, als es in Norddeutschland mehrere hundert Fälle vor allem bei Erwachsenen gab, die teilweise sogar tödlich endeten. Grund für die Erkrankungen  waren mit bestimmten E. coli-Bakterien verseuchte Bockshornkleesamen, welche die Betroffenen verzehrt hatten. Was ist das HUS? Wodurch wird es ausgelöst und wie wird es behandelt? Wie ist die Prognose nach überstandener Erkrankung?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Das HUS ist insgesamt eine seltene Erkrankung, tritt aber im Kindesalter etwas häufiger als in anderen Lebensphasen auf. Das hämolytisch-urämische Syndrom ist eine Erkrankung, die die Gefäße betrifft  und vor allem in der Niere dadurch großen Schaden anrichtet. Man unterscheidet eine infektiöse und eine nicht infektiöse Form, die noch seltener ist und darum in diesem Artikel nicht weiter behandelt wird.

 

E. coli, EHEC, HUS – wie hängt das zusammen?

Ausgelöst wird das HUS am häufigsten durch ein Bakterium aus der Gruppe der enterohämorrhagischen E. coli, welches zunächst eine Magen-Darm-Infektion auslöst, die oft nach einigen Tagen mit blutigem Stuhlgang einhergeht. Im weiteren Verlauf werden dann durch das Toxin, welches der am häufigsten verantwortliche E. coli-Stamm EHEC 057:H7 produziert, Schäden ausgelöst. Im Kindesalter ist das HUS zwar glücklicherweise auch rar, aber dennoch der häufigste Grund für ein akutes Nierenversagen.

Durch das Toxin kommt es an den Gefäßwänden insbesondere innerhalb der Niere, aber auch an anderen Stellen im Körper, zur Zerstörung der Gefäßwand. Darauf reagiert der Körper mit einer aktivierten Gerinnung, die dazu führt, dass sich Blutgerinnsel bilden, die die Nierengefäße bald so stark verstopfen, dass Nierenschäden und schlimmstenfalls  auch ein akutes Nierenversagen resultieren können.

 

HUS Symptome

Die Nierenschäden werden unter anderem erkennbar durch eine deutlich reduzierte Urinmenge und zunehmende Wassereinlagerungen am gesamten Körper (dicke Augenlider, schwere, dicke Beine mit deutlichen Einschnürungen zum Beispiel von den Strümpfen, etc.). Die Kinder sind sehr blass, schlapp. Im Blut wird sich häufig eine Erhöhung der weissen Blutkörperchen finden sowie deutlich erniedrigte Thrombozyten (Blutplättchen) und Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Die Marker für die Nierenfunktion wie beispielsweise die Glomeruläre Filtrationsrate, Kaliumwerte und das Kreatinin sind hoch auffällig verändert. Im Urin lässt sich neben anderen Auffälligkeiten Blut nachweisen, oft auch schon mit bloßem Auge (der Urin ist braunrot gefärbt).

Mädchen liegt im Bett
HUS-Symptome: Betroffene Kinder sind sehr blass und schlapp, die Nierenschäden machen sich durch dunkelrotes Urin und Wassereinlagerungen bemerkbar© Fotolia

Kinder, bei denen ein HUS vermutet wird, müssen umgehend stationär in einer auf kindliche Nierenerkrankungen spezialisierte Klinik aufgenommen werden.

Je nach Schwere des Krankheitsbildes erfolgt die Therapie. Ist es zu Nierenversagen gekommen, muss – in der Regel kurzfristig – eine Dialyse (Blutwäsche) oder Plasmapherese erfolgen (dadurch wird versucht, das Toxin aus dem Blut zu entfernen, die Funktionsweise ist – ganz grob – ähnlich der Dialyse), bis sich die Niere wieder erholt hat.

In einigen Fällen, in denen es nicht zu einer starken Schädigung der Niere gekommen ist, reichen symptomatische Maßnahmen: Senkung des oft erhöhten Blutdrucks, Unterstützung der Nierenleistung etc. und eine intensive Überwachung. Eine Behandlung mit Antibiotika ist nicht angezeigt, da sie die Toxinausschüttung und damit die Problematik noch deutlich verstärken würde.

 

Bleibende Nierenschäden durch das HUS?

Die Prognose richtet sich, ebenfalls wie die Behandlung, nach der Schwere des HUS und ob es schnell erkannt und richtig therapiert wurde. In dem Fall kommt es in der Mehrzahl der Fälle zu einer vollständigen Genesung, manchmal bleibt jedoch eine Niereninsuffizienz zurück, die dauerhaft eine Dialyse beziehungsweise langfristig eine Nierentransplantation notwendig macht. So oder so ist das HUS eine ernsthafte Erkrankung, die leider bei zwei bis fünf Prozent der erkrankten Kinder auch tödlich enden kann.

Wenn Ihr Kind also an einer Magen-Darm-Infektion leidet, oder vor wenigen Tagen litt, und mit einem Mal blutigen Stuhlgang entwickelt, der Allgemeinzustand sich plötzlich deutlich verschlechtert und möglicherweise auch noch Wassereinlagerungen zeigen, stellen Sie Ihr Kind unmittelbar beim Kinderarzt oder in der Kinderklinik vor. Wie gesagt: Insgesamt ist die Erkrankung selten, aber wenn es dazu gekommen ist, ist entscheidend, dass das Kind zügig in einer auf kindliche Nierenerkrankungen spezialisierten Kinderklinik behandelt wird, um die richtige Therapie zu erhalten.

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