Das große Zittern

Besonders Ältere sind betroffen – doch es steckt nicht immer Parkinson dahinter. Was vorbeugt, was hilft, wenn der Körper die Kontrolle verliert, erfahren Sie hier.

Katharina Huber (68) möchte ihren Freundinnen Kaffee eingießen. Doch die Hälfte landet auf der neuen Tischdecke anstatt in der Tasse. Der Rentnerin ist das furchtbar peinlich, sie möchte nicht darüber sprechen. „Dieses Zittern ist einfach eine Alters-Erscheinung. Dagegen kann man ohnehin nichts machen“, meint sie.

Wie Katharina Huber geht es vielen: Jeder Zwanzigste über 65 Jahren leidet an dieser Bewegungs-Störung. In der Fachsprache wird die Erkrankung Tremor genannt. Am häufigsten sind Hände und Beine betroffen. Oft zittern aber auch der Kopf oder die Stimmbänder.

Wichtig für Betroffene: Zuerst vom Arzt überprüfen lassen, ob eine andere Erkrankung wie Multiple Sklerose, Diabetes, Parkinson oder Epilepsie vorliegt. Auch die Nachwirkung eines Schlaganfalls könnten ebenfalls Ursache für ein Zittern sein. Dann muss diese Grunderkrankung behandelt werden. Auch bei Stress, Angst, zu viel Koffein oder Alkohol-Entzug kann der Körper unkontrolliert vibrieren.

Zittern beeinträchtigt Alltags-Tätigkeiten
Ist das Zittern stark fortgeschritten, werden sogar Alltags-Tätigkeiten wie das Trinken aus einer Tasse zur Herausforderung© Fotolia

In vielen Fällen kann aber keine organische Ursache festgestellt werden. Dann sprechen Ärzte vom sogenannten essentiellen Tremor. Forscher vermuten, dass über 50 verschiedene Gene dafür verantwortlich sein könnten. Eine spezielle Kombination davon haben Kieler Wissenschaftler nun entschlüsselt: Wer eine spezielle genetische Variante eines Glutamat-Transporters im Gehirn trägt, ist stark gefährdet, am tückischen Zittern zu erkranken.

Die Störung verschlimmert sich langsam. Doch es stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um das Zittern zu lindern: Zum Einsatz kommen Beta-Blocker – das hemmt die Stress-Hormone im Körper. Auch mit Medikamenten, die für die Epilepsie-Behandlung verwendet werden, lässt sich das Zittern abschwächen. Der große Nachteil: Beide Arzneien haben bei vielen Patienten noch sehr starke Nebenwirkungen.

 

Elektroden gegen das Zittern

Eine neue Wiener Studie zeigt, dass auch Octansäure die Beschwerden lindert.

In manchen Fällen bringt die medikamentöse Therapie jedoch keine Besserung. Oder es ist aufgrund anderer Leiden nicht möglich, die Arzneien einzunehmen. Dann ist eine Tiefenhirn-Stimulation das Mittel der Wahl. Für wen sie infrage kommt, klären die Patienten gemeinsam mit ihrem Arzt. Vor allem, wenn das Zittern so stark ist, dass das tägliche Leben dadurch beeinflusst wird, kann diese Methode sinnvoll sein. Vom Neuro-Chirurgen werden Elektroden in das Gehirn und ein Generator unter das Schlüsselbein eingepflanzt. Über die Elektroden werden Impulse an die betroffene Hirn-Region weitergeleitet. Dadurch kann das Zittern deutlich gelindert werden. Die Tiefenhirn-Stimulation ist auch dann angezeigt, wenn das Fehlen des Botenstoffs Dopamin die Ursache für das Zittern ist – zum Beispiel bei Parkinson.

 

Neu: Magnetwellen für ruhige Hände

Eine vielversprechende Methode haben Neurologen in Kanada entwickelt. Es ist kein operativer Eingriff notwendig – ein Magnetresonanz-Tomograf (MRT) reicht aus. Ein Bereich im Gehirn, der für das Zittern verantwortlich ist, kann mit den Magnet-Wellen gezielt ausgeschaltet werden. Das funktioniert mit der Erhitzung des Gewebes. Die neuen Studienergebnisse machen Hoffnung: Nach nur wenigen Beschallungs-Zyklen wurde bei den Test-Personen die betroffene Hand deutlich ruhiger. Doch in einigen Fällen kommt es zu Nebenwirkungen wie Empfindungs-Störungen im Daumen. Deshalb wird diese Methode in Deutschland noch nicht angeboten. Doch es wird weitergeforscht. Wissenschaftler sind guter Dinge, dass die Ursache bald komplett entschlüsselt wird und das Zittern in naher Zukunft geheilt werden kann.

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.