Das Glücks-Experiment

Verena Elson
Ein Mann schenkt einer Frau eine Blume
Anderen eine Freude zu machen, hellt unsere Stimmung am meisten auf, zeigt eine aktuelle US-Studie © Fotolia

Was macht uns wirklich glücklich – eine gute Tat für die Gemeinschaft, die Unterstützung eines Freundes oder einfach ein Tag Urlaub mit Zeit für uns selbst? Das haben US-Forscher jetzt untersucht.

In einer Pfütze ausgerutscht, die U-Bahn verpasst und dann noch Ärger mit dem Chef: Wenn der Tag so anfängt, sollte er mit einem heißen Bad, einer Shoppingtour oder einem Kinobesuch enden. Oder? Nein, denn laut einer aktuellen Studie der University of the South in Tennessee hilft das sprichwörtliche „sich etwas Gutes tun“ nicht dabei, die Stimmung aufzuhellen. Stattdessen macht es uns glücklich, wenn wir anderen helfen oder etwas für die Allgemeinheit tun.

Für ihr sechswöchiges Experiment teilten die Forscher um Dr. Katherine Nelson 500 Probanden in vier Gruppen ein. Gruppe eins bekam den Auftrag, regelmäßig gute Taten für die Umwelt oder die Gemeinschaft auszuüben, beispielsweise Müll aufsammeln. Gruppe zwei sollte so oft wie möglich einem anderen Menschen eine Freude machen – etwa einem Freund einen Kaffee ausgeben oder einem Familienmitglied beim Kochen helfen. Probanden in Gruppe drei konzentrierten sich ganz auf sich selbst – sie nahmen sich beispielsweise einen Tag frei oder machten mehr Sport. Gruppe vier führte den bisherigen Lebensstil unverändert fort.

 

Wer anderen hilft, ist glücklicher

Vor und nach dem Experiment füllten die Studienteilnehmer Fragebögen zu ihrem psychischen Befinden aus. Zusätzlich führten sie ein wöchentliches Tagebuch, in dem sie positive und negative Emotionen festhielten. Die Auswertung am Ende der sechs Wochen ergab: Wer „gute Taten“ ausgeübt hatte – ob für andere Personen oder für die Allgemeinheit – berichtete häufig von positiven Gefühlen und einer Verbesserung seiner Stimmung. Das „Verwöhnen“ der eigenen Person brachte dagegen keine Vorteile und auch in der Kontrollgruppe zeigten sich keine Veränderungen.

„Ich glaube, das ist wichtig, weil Menschen häufig ermutigt werden, sich selbst 'etwas Gutes zu tun', um sich gut zu fühlen“, sagt Studienleiterin Dr. Nelson. „Doch unsere Erkenntnisse weisen darauf hin, dass man am ehesten glücklich wird, wenn man stattdessen jemand anderem etwas Gutes tut.“

Der Grund ist aus Sicht der Forscher, dass eine gute Tat gegenüber anderen oder der Allgemeinheit soziale Bindungen stärkt und uns außerdem stolz auf uns selbst macht – was wiederung Zufriedenheit und seelische Gesundheit fördert.

 

Video: Der richtige Weg zum Glück

Hamburg, 27. April 2016

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