Das erste Lebensjahr – Wie Sie Ihr Kind optimal schützen können

Dr. med. Nadine Heß

Gottseidank passiert es nur sehr selten, aber den plötzlichen Kindstod, auch SIDS (sudden infant death syndrome) genannt, gibt es nach wie vor. Er ist sogar die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr.

Der plötzliche Kindstod kommt beinahe ausschließlich im ersten Lebensjahr vor
Expertin Dr. Hess: „Der plötzliche Kindstod kommt beinahe ausschließlich im ersten Lebensjahr vor, danach nur sehr selten. Am häufigsten ist er zwischen dem 2.-4. Lebensmonat.“ © privat

 Bei der sogenannten Vorsorgeuntersuchung U2 – vor Entlassung von Mutter und Kind aus dem Krankenhaus – klärt der Arzt die Eltern über die empfohlenen Vorbeugungsmaßnahmen auf. Aber meist ist vieles davon rasch wieder vergessen. Einige Dinge sollten Eltern jedoch grundsätzlich beachten, um ihr Kind optimal zu schützen. Zum Beispiel, wie es am besten schlafen sollte…

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Der plötzliche Kindstod kommt beinahe ausschließlich im ersten Lebensjahr vor, danach nur sehr selten. Am häufigsten ist er zwischen dem 2.-4. Lebensmonat. Insgesamt sind in Deutschland etwa zwei von zehntausend Kindern betroffen, Jungen etwas häufiger als Mädchen (laut BzgA von 2010) und Kinder, die im Mutterleib Nikotin ausgesetzt waren. Die Zahlen sind seit 1994, als im Rahmen der „back-to-sleep“-Kampagne in den USA die Rückenlage – statt wie bisher die Bauchlage – als Hauptschlafposition empfohlen wurde (Willinger, et al. Infant sleep position and risk for sudden infant death syndrome: report of meeting held January 13 and 14, 1994, National Institutes of Health, Bethesda, MD. Pediatrics 1994;93(5):814-819), stetig zurückgegangen. Dazu hat auch die klare Identifizierung der Risikofaktoren durch eine ebenfalls 1994 veröffentlichte Studie beigetragen (A perspective on neuropathologic findings in victims of the sudden infant death syndrome: the triple-risk model. Biol Neonate. 1994;65(3-4):194-197). Das Ergebnis: In der Regel müssen drei Dinge zusammenkommen, um einen plötzlichen Kindstod wahrscheinlich zu machen.

  1. Das Kind befindet sich in einer empfindlichen Entwicklungsphase (vor allem im 2.-4. Lebensmonat);
  2. Es kommt mindestens ein Risikofaktor von außen hinzu (siehe unten);
  3. Das Kind weist Veränderungen im Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin im Gehirn auf.

Die gute Nachricht: Sie als Eltern können die äußeren Risikofaktoren minimieren. Als wichtigste Maßnahme hat sich tatsächlich die Rücken- statt der Bauchlage beim Schlafen herausgestellt (selbst in Seitenlage ist ein SIDS noch deutlich häufiger, als in Rückenlage). Alleine diese Maßnahme konnte die Zahlen für ein SIDS in den USA seit 1994 um die Hälfte vermindern. Babys sollen im ersten Lebensjahr in ihrem eigenen Bett schlafen, jedoch in der Nähe der Eltern und eine spezielle Babymatratze haben. Auf Erwachsenenmatratzen sinkt das kindliche Köpfchen zu stark ein, das Kind kann nicht mehr frei atmen. Es sollte ein Schlafsack benutzt werden, da bei Bettdecken (auch im elterlichen Bett) die Gefahr besteht, dass das Baby darunter rutscht und sich nicht mehr selbst befreien kann. Aus dem gleichen Grund haben Kuscheltiere und Bettumrandungen in und an Babybetten nichts zu suchen – durch beides können die Atemwege verlegt werden. Das Zimmer, in dem das Kind schläft, sollte nicht zu warm sein – eine Temperatur von etwa 18°C ist ausreichend. Stillen ist ein Schutzfaktor, ebenso ein Schnuller – möglicherweise, weil das Saugen an einem Schnuller das Kind beruhigt (mag Ihr Kind keinen Schnuller, lassen sie ihn weiterhin weg, es wird sich dann natürlich auch nicht dadurch beruhigen lassen). Versuchen Sie außerdem auf das Rauchen zu verzichten (in der Schwangerschaft und danach). Studien weisen es, vor allem in der Wohnung, als Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod aus. Lassen Sie also niemanden, auch keine Gäste, in Ihrer Wohnung rauchen, wenn Sie Kinder haben.

Wenn Sie diese Vorsichtsmaßnahmen beherzigen, können Sie viel dafür tun, dass Ihr Kind gesund groß wird und Sie sich kaum vor SIDS sorgen müssen. Und übrigens: selbstverständlich dürfen und sollen Babys auch auf dem Bauch liegen, sie MÜSSEN es sogar, damit die Nackenmuskulatur stärker wird, die Ärmchen ebenfalls und damit es die Welt auch aus einer anderen Perspektive kennenlernt. Aber die Bauchlage ist einfach nur dann angesagt, wenn Sie dabei sind, das Kind wach ist und nicht als Schlafposition.

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