Das 9/11-Syndrom: Tausende Erstretter an Krebs erkrankt

Krebserkrankungen bei den Ersthelfern
Viele Ersthelfer waren nach dem Einsturz des World Trade Centers tagelang ohne ausreichende Schutzkleidung der giftigen Staub- und Chemikalienwolke ausgesetzt, die über Ground Zero hing © Corbis

Seit dem Anschlag auf das World Trade Center und dem Einsturz der Twin-Towers im Jahre 2001 sind von den US-amerikanischen Behörden tausende Krebsfälle unter den Rettungskräften von damals registriert worden. Alleine innerhalb des letzten Jahres hat sich diese Zahl fast verdoppelt.

Eine kürzlich bekannt gewordene Erhebung zeigt, dass die Anzahl der Krebserkrankungen unter den Rettungskräften, die am Ground Zero nach dem Einsturz des World Trade Centers geholfen hatten, stark angestiegen ist.

Die neuesten Zahlen dieser Erhebung veröffentlichte kürzlich die Zeitung New York Post mit Bezug auf das World Trade Center Health Program am Mount Sinai Hospital, das für die gesundheitliche Überwachung und Betreuung von mehr als 37.000 Rettungskräften und Ersthelfern verantwortlich ist.

 

Krebserkrankungen stiegen um 45 Prozent

Konkret registrierten die US-amerikanischen Behörden unter den 37.000 gemeldeten Ersthelfern demnach 2.518 Krebserkrankungen. Im Jahr 2013 sprachen Mediziner in diesem Zusammenhang noch von rund 1.440 bestätigten Krebserkrankungen. Die nun veröffentlichten Zahlen belegen eine Steigerung der Krebsfälle von rund 45 Prozent innerhalb eines Jahres. Damit sind bis jetzt etwa sieben Prozent aller Erstretter, die in den ersten Tagen nach dem Einsturz des World Trade Centers am Ground Zero zum Einsatz kamen, an Krebs erkrankt.

 

Retter wurden zu Opfern

Die Helfer hatten teilweise täglich über eine Woche und ohne ausreichende Schutzkleidung und Atemmasken vor Ort nach Überlebenden des Terroranschlags vom 11. September gesucht und Verletzte versorgt. Dabei sind sie mit giftigem Staub, Schmutz und Rauch in Kontakt gekommen.

Eine Studie des New York City Department of Health and Mental Hygiene hatte bereits 2012 gewarnt, dass aufgrund der belasteten Atemluft am Ground Zero nach dem Einsturz der Twin Towers für die Erstretter von einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit für Prostata-, Schilddrüsenkrebs und Knochenmarkkrebs ausgegangen werden muss. Diese Prognose sehen die Experten nun bestätigt. Besonders betroffen seien nach Aussagen der Forscher Feuerwehrleute, Polizisten, Müllarbeiter, Stadtangestellte und freiwillige Helfer.

 

Gift in der Luft

Vor allem der nach dem Einsturz des World Trade Centers freigesetzte Staub aus pulverisierten Baumaterialen enthielt potentiell krebserregende Stoffe aus flüchtigen Chemikalien, Asbest, Schwermetallen und Kalzium-Karbonat. Als Entschädigung für die an Krebs erkrankten Ersthelfer wurden nach Angaben der New York Post in den vergangenen Jahren aus einem eingerichteten Sonderfond bisher mehr als 37 Millionen Euro ausgezahlt.

Hamburg, 29. Juli 2014

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