Darum lieben Eizellen Barry White

Der Soulsänger Barry White bei einem seiner Auftritte
Barry Whites Musik hat offenbar überraschende Effekte auf Eizellen. © Alamy

Die Musik des Soulsängers Barry White regt offenbar befruchtete Eizellen im Labor dazu an, besser zu wachsen.

Musik soll Babys im Mutterleib nicht nur schlau machen, sondern auch zu einer gesunden körperlichen Entwicklung beitragen. Aber gilt das auch für Eizellen? Offenbar ja. Eine irische Fruchtbarkeitsklinik beschallt befruchtete Eizellen bereits in der Petrischale mit Musik. Allerdings nicht mit irgendeiner Musik: Der Soulsänger Barry White steht bei den Eizellen offenbar besonders hoch im Kurs. Seine tiefe Bass-Stimme soll Vibrationen erzeugen, die die natürlichen Erschütterungen bei der Wanderung der Eier durch den Eileiter nachempfinden. „Ein Embryo ist niemals bewegungslos im Eileiter der Frau. Stattdessen bewegt er sich wie in einem Fluss, bei dem das Wasser die Haut abwäscht“, erklärt Dr. Hans Arce, Facharzt für Reproduktionsmedizin am Institut Marques Ireland. „Im Labor verbringen Embryonen allerdings die ersten fünf Tage in der Petrischale ohne Bewegung. Der Grund, dass wir Musik abspielen ist nicht nur, weil sie so schön ist, sondern auch wegen der Vibrationen, die sie erzeugt. Es gibt sogar die Theorie, dass die akustischen Vibrationen einen mechanischen Effekt beim Embryo erzeugen, wodurch sein Wachstum verstärkt wird“. Jeder der Inkubatoren, in welchen die Petrischalen aufbewahrt werden, ist nun mit einem MP3-Player ausgestattet.  

Die Wissenschaftler der Klinik waren auf die Idee gekommen, die befruchteten Eizellen mit Barry White zu beschallen, als sie vorhergehende Studien geprüft hatten, in welchen untersucht wurde, wie Föten auf Musik im Mutterleib reagieren.

 

Von Klassik bis Rock – Föten hören gern Musik

Richtig hören können Föten nämlich erst ab dem vierten Monat. Ab dann lohnt es sich, auch mal andere Platten, als die von Barry White aufzulegen. Vorhergehende Studien haben gezeigt, dass Föten ab dem Alter von 16 Wochen aufmerksame Zuhörer sind. „Es ist schon witzig“, schmunzelt Dr. Arce. „Sie hören die Musik und öffnen ihren Mund, so dass es aussieht, als würden sie singen.“ Einer Studie zufolge reagiert die Mehrzahl der Babys besonders gut auf Sinfonien von Bach und Mozart. Aber auch Rockmusik scheint vielen Babys im Blut zu liegen. 80 Prozent der untersuchten Babys zeigten starke Reaktionen wie Mund und Zungenbewegungen auf „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Immerhin etwas mehr als die Hälfte der Föten konnte sich auch für Popmusik von Adele und Carlos Santana begeistern.

 

Babypod für bessere Akustik

Um den Effekt musikalischer Reize zu verstärken, hat die Klinik sogar ein Gerät erfunden, das die Mutter im Unterleib tragen kann. Der sogenannte Babypod wird von der werdenden Mutter zweimal am Tag eingeführt, nachdem der Embryo in ihren Bauch transplantiert wurde. Die Musik soll so besser hörbar sein, als von außen über die Bauchdecke. „Etwa zehn Prozent unserer Patientinnen nutzen diese Art der Fruchtbarkeitsbehandlung. Parallel führen wir dazu gerade eine Studie durch“, erläutert Dr. Arce.

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 12. Juli 2016

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