Darum ist MERS so gruselig

Rasmus Cloes
Wie groß ist die Gefahr durch MERS?
Wie groß ist die Gefahr durch MERS? © Fotolia

Das Coronavirus bereitet einigen Gesundheitsexperten große Sorgen – obwohl innerhalb von drei Jahren weltweit bisher nur etwas mehr als 1000 Menschen erkrankten. Doch es gibt zwei gute Gründe, warum sie damit Recht haben.

„Ich sorge mich zurzeit am meisten vor dem neuen Coronavirus“, sagte Margaret Chan, Leiterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits vor zwei Jahren. Sie fügte hinzu: „Wir wissen von dem Virus bisher viel zu wenig, wenn man bedenkt, wie groß die Bedrohung durch ihn ist.“ Damals hatten sich erst 46 Menschen überhaupt mit ihm infiziert – heute sind es 1218. Davon starben 449.

 

MERS besonders tödlich

Keine Frage: Besonders bedrohlich macht das Coronavirus seine hohe Letalität (Sterblichkeitsrate). Von hundert Infizierten sterben in Schnitt 37. Bei der saisonalen Grippe ist es nur etwa einer von Tausend. Zwar gibt es Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Ebola, die noch häufiger tödlich verlaufen, doch es gibt einen großen Unterschied: Bei Ebola waren die Ansteckungswege klar.

Das Fieber, das sich im vergangenem Jahr in Westafrika ausbreitete, überträgt sich nur durch Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Blut oder Speichel. Eine Übertragung durch die Luft konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden. Das macht die Krankheit relativ gut kontrollierbar – zumindest in Ländern mit funktionierendem Gesundheitssystem.

 

Unklare Infektionswege

Middle East Respiratory Syndrome coronavirus (MERS-CoV)

Die auffälligsten Symptome sind eine schwere Lungenentzündung, Atemnot, Fieber, Husten und Durchfall

Beim Coronavirus sieht es anders aus. Lange glaubten Experten, dass sich das Virus nur von einem tierischen Wirt auf den Menschen übertragen kann. Dass also ein Mensch direkt mit einem Kamel, dem eigentlichen Wirt, Kontakt haben muss. Immer wieder gab es jedoch unerklärbare Ausbrüche: Zum Beispiel 2013 als in Saudi Arabien vier Männer bei einer Familienfeier erkrankten und keine Ursache gefunden werden konnte. Die Männer hatten keinen Kontakt zu Kamelen, lebten einen westlichen Lebensstil und kauften ihr Essen im Supermarkt (lokale Märkte wurden bisweilen als Übertragungsort beschrieben). Einer der Männer starb.

Heute wissen Mediziner, dass sich das Virus auch von einem Menschen auf den anderen übertragen kann. Es bleibt jedoch weiter unklar, auf welchem Weg genau. Das einzige, was lange sicher schien: Die Übertragung funktioniert schlecht. Nach einem Ausbruch, so glaubten Experten, ebbt die Krankheit von alleine ab und verschwindet.

Wissenschaftler nennen den Wert dafür R0 (Gesprochen R-null). Er steht für die Fälle, die ein Erkrankter auslöst. Liegt R0 bei über eins, stecken sich immer mehr Menschen an. Die Krankheit breitet sich aus. Ist R0 null kleiner als eins, dann stoppen Ausbrüche von alleine.

 

Ein Mensch infizierte 36 weitere

MERS soll einen R0 von unter eins haben. Doch in Südkorea zeigt sich zurzeit ein anderes Bild, wie Daten des European Centre for Disease Prevention and Control, beweisen: Ein Mann, der sich in Saudi Arabien infizierte, steckte 36 weitere Menschen an. Diese infizierten wiederum weitere 40. Wie es weitergeht, bleibt unklar. Deutlich macht das jedoch eins: Das Corona-Virus bleibt unberechenbar und verhält sich oft nicht so, wie es Experten vorhersagen. Einzig Margarete Chan scheint mit ihrer Einschätzung leider Recht zu behalten. 

Hamburg, 11. Juni 2015

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.